Die Kolumne von Werder-Legende Dieter Eilts Unendlich viele bange Fragen

Unser Kolumnist Dieter Eilts hängt natürlich an seinem SV Werder. Auch er zittert um den Klassenerhalt, doch in seinem Kopf gibt es auch sehr viele bange Fragen, schreibt er hier für den WESER-KURIER.
09.06.2020, 15:41
Lesedauer: 3 Min
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Von Dieter Eilts

Als ehemaligem Werder-Spieler geht es mir in diesen Tagen so wie vielen Fans. Auch ich sitze oft vor der Tabelle und schaue mir das Restprogramm an, dann kreisen die Gedanken um alle denkbaren Szenarien. Wie viele Punkte holt Düsseldorf wahrscheinlich noch? Wie viele Siege oder Punkte bräuchte Werder dann? Bei all diesen Gedankenspielen, die natürlich im Fußball nur graue Theorie sind, kommt man dann immer zu einer Partie, die Werder unbedingt gewinnen muss: die gegen Paderborn am kommenden Wochenende. Nur mit einem Sieg gegen den Tabellenletzten kann Werder eine realistische Chance auf den Klassenerhalt noch am Leben halten, und sei es über die Relegation. Denn gleich am Dienstag danach kommen die Bayern nach Bremen, die vielleicht auch noch in genau diesem Spiel Deutscher Meister werden können und besonders motiviert sein dürften.

Doch auch wenn es für Bayern nicht um den Meistertitel gehen sollte: Drei Punkte gegen die Münchner kann Werder in der jetzigen Verfassung nicht erwarten. Gleich danach geht es für Bremen nach Mainz, und auch für diesen Gegner – der im Dezember mit 5:0 im Weserstadion gewann – könnte es in diesem Spiel noch um den Klassenerhalt gehen. Ein Sieg gegen Paderborn wäre also sehr wichtig, aber auch noch lange nicht die Rettung. Schließlich hat Düsseldorf die bessere Tordifferenz und mit Augsburg und Union noch zwei Gegner, gegen die die Fortuna durchaus punkten kann.

Kann Werder einen Abstieg verkraften?

Bei all diesen Gedanken und Rechenspielen schweben natürlich auch immer eine ganz andere Fragen im Hinterkopf, die einem große Sorgen bereiten: Was passiert mit Werder, wenn es nicht für den Klassenerhalt reicht? Kann dieser traditionsreiche Verein einen Abstieg verkraften? Was würde dadurch noch alles passieren?

Meine Gedanken kreisen dann zum Beispiel ums Leistungszentrum mit all seinen Trainer, Direktoren und Mitarbeitern. Müsste es hier Kürzungen geben wegen fehlender Einnahmen aus der Bundesliga? Wie geht es mit dem Frauenfußball bei Werder Bremen weiter? Was passiert mit langjährigen Mitarbeitern im Ticketing, im Call-Center oder der Werder-Fan-Welt? Oder auch: Was passiert außerhalb der GmbH und Co. KG, also mit dem e.V., dem eingetragenen Verein? Hätte ein Abstieg auch hier Folgen? Und wie reagieren die Mitglieder? Bleiben sie dem Verein treu? Wie viele Arbeitsplätze wären bei Werder auf Dauer gefährdet, in allen Abteilungen? Es sind, ehrlich gesagt, unendlich viele Fragen, die mir angesichts der Abstiegsgefahr des SV Werder durch den Kopf gehen.

Würde sich Werder neu aufstellen?

Es sind alles Fragen, die für das wichtige Spiel in Paderborn zunächst keine Rolle spielen – die aber in den Wochen danach wichtig werden können. Viel würde im Falle eines Abstieges sicher davon abhängen, wie der Kader für die nächste Saison aussieht – und ob die Profi-Mannschaft sofort eine so gute Rolle spielt, dass sie den gesamten Verein direkt wieder in Richtung erste Liga zieht. Aber auch hier gibt es viele Unklarheiten. Haben die Bremer genügend finanzielle Mittel, um alle vermeintlichen Leistungsträger zu halten? Gibt es für potenzielle Abgänge entsprechende Angebote, die genügend Geld in die Kasse spülen, so dass man dadurch sofort wieder eine schlagkräftige Mannschaft aufbauen kann, die eine Aufstiegs-Euphorie auslöst? Und wer würde diese Mannschaft trainieren oder den Kader zusammenstellen? Bleiben Florian Kohfedt und Frank Baumann, oder würde sich Werder insgesamt neu aufstellen?

Romano Schmid kommt aus Österreich, nach seiner Leihe. Manuel Mbom aus Uerdingen, nach seiner Leihe. Aus Osnabrück kommt der junge Felix Agu als Außenverteidiger. Und dann kommt aus Ecuador der junge Johan Mina, der allerdings, wie man lesen konnte, seit längerer Zeit kein Mannschaftstraining mehr hatte und dem auch die regelmäßige Wettkampfpraxis fehlt. Bei all diesen jungen Spielern, gerade bei einem Talent aus Ecuador, muss man abwarten, wie sie den Sprung nach Bremen verkraften und welche erfahrenen Spieler mit ihnen in die Saison gehen.

Auch bei Klassenerhalt bleiben Fragen

Bei all diesen Fragen wünscht man sich, und das geht glaube ich allen Werder-Fans gerade so: Gewinnt dieses Spiel in Paderborn und schafft in den folgenden drei Partien oder in der Relegation den Klassenerhalt! Es waren mal elf Endspiele, dann neun, jetzt sind es noch vier – und die Lage ist nicht wirklich besser geworden. Meine Sorge ist, dass die Probleme noch viel größer werden, wenn es keines dieser so genannten Endspiele mehr gibt und Werder es nicht geschafft hat. Deshalb drücke ich meinem Verein fest die Daumen, dass er doch noch durch einen Kraftakt im Saisonfinale den Klassenerhalt schafft und man sich dadurch viele Fragen als Erstligist stellen darf – aber auch muss.

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