Werder im Abstiegskampf Krampf statt Kampf

Bremen. Werder muss im Kampf um den Bundesliga-Klassenerhalt auf die einfachen Tugenden des Fußballs setzen - und schafft das derzeit nicht.
27.03.2014, 08:00
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Krampf statt Kampf
Von Olaf Dorow

Wer in spielerischer Hinsicht hinter der Konkurrenz hinterherhinkt, muss noch energischer in die Zweikämpfe gehen, muss noch aufmerksamer sein, darf erst recht keine einfachen Fehler begehen, darf seine wenigen Chancen nicht liegen lassen. Werder ist das nicht gelungen in den letzten Spielen, weswegen Robin Dutts Elf keinen Schritt aus der Abstiegszone herausgekommen ist.

Hier und da hatte man schon angenommen, mit 29 Punkte stehe Werder einigermaßen komfortabel da im Abstiegskampf. Nach dem 1:3 gegen den VfL Wolfsburg sagte Trainer Robin Dutt am späten Dienstagabend: „29 Punkte bedeuten gar nix.“ Recht hat er, rein statistisch gesehen, und stolz kann er auf die bislang erreichte Ausbeute sowieso nicht sein. Geringer war die Bremer Ausbeute nach 27 Spieltagen seit mehreren Jahrzehnten nicht, selbst im Abstiegsjahr 1980 hatte Werder zu diesem Zeitpunkt – umgerechnet auf die Drei-Punkte-Wertung – immerhin 33 Punkte ergattert. Selbst in der vergangenen Saison, als bis kurz vor Schluss sehr gezittert werden musste, lag man bei 31 Zählern. Und nur einmal seit Ewigkeiten war es genauso dünn wie heute. 1999 half nach ebenfalls nur 29 Punkten erst ein zweiter Trainerwechsel innerhalb einer Saison sowie ein gewaltiger Kraftakt im ersten Spiel nach dem Wechsel, um das Unheil abzuwenden.

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Für das Saisonfinale des Jahres 2014 hat der aktuelle Manager, Thomas Eichin, eine Theorie. „Derjenige, der die wenigsten Fehler macht, wird die Klasse halten.“ Er hatte das im Zusammenhang mit der Analyse zum Wolfsburg-Spiel gesagt, in dem Werder Schlafmützigkeiten vorm eigenen und Unzulänglichkeiten vorm gegnerischen Tor offenbarte. Weswegen die gute Moral, die nach dem Katastrophenstart mit dem schnellsten 0:2 seit Urzeiten gezeigt wurde, höchstens zum Mutmachen taugte. „Irgendeiner muss den Ball da einfach mal über die Linie drücken“, sagte Eichin, was so verzweifelt wirkte, wie es richtig ist.

Es muss doch gehen, andere tun es doch auch – der geniale Loriot hat das mal eine Figur sagen lassen, um dessen mitleiderregende Unbeholfenheit bloßzulegen. „Meine Hoffnung stützt sich darauf, dass ich eine Mannschaft gesehen habe, die kurz davor war, den Ausgleich zu erzielen“, sagte Dutt im Hinblick auf den nächsten Versuch, die Abstiegsgefahr zu bekämpfen, am Sonntag in Hannover.

Nur mit bedingungslosem Kampf würde das gelingen, auf spielerische Fortschritte braucht man nicht zu hoffen, wenn man die Vorstellungen dieser Mannschaft verfolgt. Eine Bestandsaufnahme fällt da eher niederschmetternd aus. Am Dienstagabend kam nur ein weiterer Auftritt heraus, in dem Ballstafetten oder herausgespielte klare Torchancen ausblieben. Als wollte Werder beweisen, dass das Werder von heute aber auch wirklich nichts mehr mit dem Werder von früher zu tun hat.

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Er habe das Gefühl, dass zu wenige den Ball haben wollen, hatte Spielmacher Aaron Hunt am Dienstag gesagt. Ein reichlich erschreckender oder wenigstens ernüchternder Befund. Als Stürmer Nils Petersen am Mittwoch die einzelnen Spieler durchging, kam er auf keinen, dem man Ballscheu unterstellen könnte. Hunts Analyse auf die ganze Mannschaft bezogen, hält er dennoch für zutreffend. Das ist nicht weniger erschreckend.

Wenn Werder, das sich so wenig wie kaum ein anderer Liga-Konkurrent auf seine spielerischen Qualitäten verlassen kann, zu wenig aufpasst in den Zweikämpfen, zu viele einfache Fehler begeht und seine wenigen Chancen auch noch auslässt, dann kann es sein, dass zu den mageren 29 Punkten nicht mehr viele hinzukommen. Man müsse es schaffen, wieder über die Zweikämpfe Zugriff aufs Geschehen zu bekommen, argumentiert Kapitän Clemens Fritz. „Die spielerische Komponente kommt dann von ganz allein“, sagt er. Über den Kampf ins Spiel finden, das war noch nie das schlechteste Mittel im Fußball. Und fiel Werder selten schwerer als im Moment.

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