Finanzierung der Saison gesichert

Landesbürgschaft für Werder

In einer Zeit, in der es finanziell für viele Fußballklubs nicht viel zum Freuen gibt, hat Werder nun eine äußerst positive Nachricht erhalten. Eine Landesbürgschaft sorgt in der Corona-Krise für Liquidität.
04.12.2020, 16:45
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Landesbürgschaft für Werder
Von Malte Bürger

Die Erleichterung war Klaus Filbry deutlich anzumerken. Der Werder-Chef hatte in den vergangenen Monaten einige unruhige Nächte, denn die Corona-Krise hat den Verein wie viele andere Klubs schwer getroffen. Mit Mindereinnahmen von mehr als 30 Millionen Euro haben die Bremer zu kämpfen, der Kampf um die Existenz war intensiv. Aber erfolgreich. Zumindest vorerst. Denn Werder hat die Zusage für sogenannte Betriebsmittelkredite in Höhe von 20 Millionen Euro erhalten, die von einem lokalen Bankenkonsortium gewährt werden. Die Absicherung dieser Kredite erfolgt durch die Übernahme einer Ausfallbürgschaft durch die Bremer Aufbau-Bank GmbH (BAB) im Treuhandauftrag der Freien Hansestadt Bremen.

„Wir sind allen politischen Entscheidungsträgern insbesondere aus dem Wirtschafts- und Finanzressort dankbar, dass sie uns diese Finanzierung zur Überbrückung unserer coronabedingten Ausfälle ermöglichen„, sagte Filbry. “Es handelt sich um Kredite zu marktüblichen Konditionen. Wir werden hart dafür arbeiten, uns finanziell zu stabilisieren und uns auch in der Zukunft als verlässlicher Partner zu präsentieren.“

Wintertransfer nicht zwingend nötig

Eine der wichtigsten Fragen ist damit beantwortet: Werder ist für die laufende Saison durchfinanziert. Und mehr noch: Die Bremer sind in der kommenden Winter-Transferphase nicht mehr zwingend auf Spielerverkäufe angewiesen. Das gilt insbesondere für die Personalie Milot Rashica, der bereits im Sommer den Verein gegen gutes Geld verlassen sollte. Doch bekanntlich zog sich ein Wechsel immer mehr in die Länge, ehe kurz vor Transferschluss im Herbst auch noch ein Geschäft mit Bayer Leverkusen nicht zustande kam. Seither war davon ausgegangen worden, dass im Januar der nächste Anlauf erfolgt, doch ausgerechnet in dieser Woche verletzte sich der kosovarische Nationalspieler und fällt erst einmal längerfristig aus. Keine allzu rosigen Aussichten für einen Verkauf.

Theoretisch kann Werder nun also auch in dieser Angelegenheit wieder etwas beruhigter zu Werke gehen. Der ganz große Druck ist erst einmal weg, wenngleich auch Kredite nicht dazu einladen, alle Sorgen einfach zu vergessen. Im Gegenteil. Aber sie helfen eben temporär. Milot Rashicas Vertrag etwa läuft noch bis zum Juni 2022, will der Verein den anvisierten zweistelligen Millionenbetrag für seinen Offensivakteur bekommen, könnte dies auch durch einen Transfer erst im nächsten Sommer geschehen. Egal welche Verhandlungen Sportchef Frank Baumann demnächst führen wird, er kann dabei wieder eine etwas bessere Position einnehmen. Sicherlich keine vollends starke, aber eine zumindest gesicherte. Noch bevor Werder die gute Nachricht publik machte, hatte Baumann am Freitag angedeutet, dass man auf einem guten Weg sei, die Liquidität zu sichern: „Das zeigt, dass wir in dieser Pandemie-Situation handlungsfähig sind, gute Arbeit leisten und diese schwierige Lage meistern können.“

Tilgung innerhalb von sechs Jahren

Grundlage der jetzigen Landesbürgschaft war eine intensive wirtschaftliche Prüfung des Vereins, doch auch diese für Unternehmen obligatorische Hürde meisterte Werder. „Wir sind sehr froh, dass wir dabei unsere Leistungsfähigkeit nachweisen konnten und grünes Licht für diese Kredite bekommen haben“, sagte Filbry. Die bereitgestellte Summe muss der Klub nun in den kommenden sechs Jahren samt Zinsen zurückzahlen. Werder hatte sich ursprünglich wie mehrere andere Bundesligisten um Hilfen aus dem KfW-Sonderprogramm 2020 des Bundes beworben, doch seit der Abgabe der notwendigen Dokumente im vergangenen Juni wurde vergeblich auf eine Zusage gewartet. Zwar habe es, so war es aus dem Verein stets zu hören, positive Signale gegeben, doch es fehlte der Vollzug. Deshalb kümmerte sich Werder parallel um Alternativen, die Lösung ist nun die Landesbürgschaft.

„Neben der großen Bedeutung, die der SV Werder Bremen in sportlicher Hinsicht für die Stadt und das Land Bremen hat, dient die Übernahme der Landesbürgschaft der Sicherung von Arbeitsplätzen und Unternehmen in der Region", sagte Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt. "Allein der Verein hat an die 250 Mitarbeiter. An einem normalen Spieltag, also nicht unter Corona-Bedingungen, führt jedes Heimspiel zur Beschäftigung von etwa 1.700 weiteren Menschen. An jedem Heimspieltag verdienen Bremer Unternehmen rund 15 Millionen Euro, mehr als die Hälfte davon erwirtschaftet die Gastronomie im und außerhalb des Stadions."

Doch nicht nur dieses Rechenbeispiel half dem Verein. "Hinzukommt, dass Werder Bremen eines der Aushängeschilder Bremens ist – nicht nur für die Menschen vor Ort. Wir müssten viel Geld in die Hand nehmen, um Bremen medial so bekannt zu machen, wie der Verein es für uns tut", sagte Vogt. "Klar ist, dass der SV Werder Bremen im Rahmen des Bürgschaftsübernahmeprozesses – wie andere bremische Unternehmen auch – ein intensives, standardisiertes Prüfverfahrens durchlaufen musste.“

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