Eilts glaubt an Werders Mittelfeldtalent

Kritik an Maxi Eggestein nicht nachvollziehbar

In der laufenden Saison spielt Maximilian Eggestein nicht mehr so auffällig wie in den vergangenen zwei Jahren. Ihm deswegen eine schöpferische Pause zu verordnen, wäre aber falsch, meint Experte Dieter Eilts.
20.11.2019, 17:35
Lesedauer: 3 Min
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Von Dieter Eilts
Kritik an Maxi Eggestein nicht nachvollziehbar

Noch nicht so auffällig wie vergangene Saison: Maximilian Eggestein (links).

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Die Stärken von Maximilian Eggestein blitzten im Bundesligaspiel gegen Hertha BSC mal wieder auf. Er bereitete das Tor zum 1:0 für Werder durch Josh Sargent mit einem präzisen Pass vor. Ähnliche Szenen, ob als Torvorbereiter oder Torschütze, haben wir in der vergangenen Saison häufiger von Maximilian Eggestein gesehen. Bestes Beispiel hierfür sind seine beiden Treffer zum 2:0-Auswärtserfolg auf Schalke oder sein überragender Führungstreffer im Spiel gegen Eintracht Frankfurt. In dieser Saison war es seine bisher einzige direkte Torbeteiligung.

Die Saison 2019/20 ist für Eggestein die dritte, in die er als unumstrittener Stammspieler geht. Er hatte bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht so viele auffällige Szenen wie davor – und da werden gleich wieder Stimmen laut, die an seinen Qualitäten zweifeln und meinen, er bräuchte mal eine schöpferische Pause. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich diese Zweifel und Kritik an Eggesteins Leistung in keiner Weise teile und nachvollziehen kann. Schließlich sollten wir die Beurteilung nicht auf die Vorbereitung von Treffern oder das Toreschießen reduzieren. Wir sollten unser Augenmerk auch auf andere wichtige Bestandteile des Fußballspiels legen.

Wichtige Zweikämpfe

Für mich gehört in seiner Position unter anderem dazu, dass ich Passwege des Gegners in für Werder gefährlichen Räumen zustelle, oder Räume besetze, in die der Gegner gefährlich vorstoßen könnte. Ebenfalls gehört für mich dazu, wichtige, entscheidende Zweikämpfe zu gewinnen und meine Mitspieler so zu unterstützen, dass sie ihre Zweikämpfe gewinnen und den Ball erobern können. All dies ist auch in dieser Saison bei Maxi der Fall, und ich finde seine Leistung in Ordnung, wenn auch natürlich nicht komplett fehlerfrei. Aber wie selten gelingt einem denn wirklich eine fehlerfreie Partie?!

Wenn wir jetzt versuchen, eine Ursache für die geringere Anzahl an spektakulären Situationen zu finden, fällt mir zunächst die kurze Sommerpause ein. Maximilian Eggestein hat mit der deutschen U21-Nationalmannschaft die Europameisterschaft gespielt und dadurch weniger Urlaub und Vorbereitungszeit gehabt. Das könnte ein Grund dafür sein, dass er noch nicht sein Topniveau erreicht hat und sein Potenzial noch nicht zu 100 Prozent ausschöpft.

Fehlt der Mut?

Vielleicht führen auch eine leichte Systemveränderung mit noch mehr Ballbesitz als vorher oder eine veränderte Raumaufteilung bei Werder dazu, dass er nicht mehr so häufig die Möglichkeit hat, in die vorderen Räume vorzustoßen und selbst zum Abschluss oder zur Torschussvorbereitung zu kommen. Es kann auch sein, dass seine eigene Erwartungshaltung, die sehr hoch ist, ihn momentan daran hindert, diese auffälligen Szenen zu haben. Da seine Aktionen nicht so von Erfolg gekrönt sind, könnte er dadurch weniger Mut haben und weniger risikoreich agieren.

Ich könnte jetzt noch weitere Gründe finden, die eventuell dazu geführt haben, dass Maxi nicht mehr so häufig diese spektakulären Szenen zeigt. Aber das sind alles nur Erklärungsversuche, die nicht exakt überprüft werden können. Wir werden keine absolute Wahrheit finden. Wovon ich aber absolut überzeugt bin, ist, dass er ein riesiges Potenzial hat und dieses auch bald wieder regelmäßig zu sehen sein wird. Ob es dann aber dazu reicht, dass auch in der Nationalmannschaft kein Weg mehr an ihm vorbeiführt, bleibt abzuwarten. Die Konkurrenz auf seiner Position ist sehr groß und die Konkurrenten haben teilweise den Vorteil, dass sie mit dem Verein internationale Erfahrungen sammeln. Ich würde es Maximilian Eggestein jedenfalls gönnen, dass er auch in der deutschen Nationalmannschaft ein unverzichtbarer Bestandteil wird.

Dieter Eilts (54)

schreibt als Kolumnist für den WESER-KURIER. Der Ehrenspielführer der Bremer, Europameister von 1996 und ehemalige U21-Nationaltrainer, schaut bei Werders Spielen in dieser Saison genau hin und analysiert die Leistungen der Mannschaft.

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