1:1 in Wolfsburg

Kruse rettet Werder einen Punkt

Werder hat beim 1:1 gegen den VfL Wolfsburg erneut nach einem Rückstand noch gepunktet. Doch das nächste Unentschieden nach einer lange Zeit schwachen Leistung ist zu wenig im Kampf um Europa.
03.03.2019, 22:15
Lesedauer: 4 Min
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Von Jannik Sorgatz

Es hatte schon bessere Tage für Werder gegeben als den Sonnabend vor dem Spiel beim VfL Wolfsburg. In der Bundesliga-Konferenz mussten Florian Kohfeldt und seine Spieler tatenlos mitansehen, wie Bayer Leverkusen, Eintracht Frankfurt und Hertha BSC ihre Partien gewannen. Von der Konkurrenz im Kampf um die Europa League ging nur die TSG Hoffenheim leer aus – und das zwangsläufig, weil sie das direkte Duell in Frankfurt verlor.

Die Zwischentabelle vor dem Anpfiff in Wolfsburg am Sonntag ließ deshalb nur bedingt die Aussage zu, Werder befinde sich auf Tuchfühlung zu den internationalen Plätzen. Sieben Punkte betrug der Rückstand, die Bremer benötigten schon einen Sieg bei einem der formstärksten Teams, um zu verhindern, dass der Abstand nach dem Spieltag so groß sein würde wie nie zuvor in dieser Saison. Doch um die „Wölfe“ zu schlagen, agierte Werder in den ersten 60 Minuten zu zurückhaltend. Immerhin traf Max Kruse zum ersten Mal in der Rückrunde und rettete mit seinem 1:1 ein Unentschieden sowie die Serie, dass Werder bislang in jedem Saisonspiel getroffen hat. Auch wenn die Mannschaft erneut Moral bewies, zählt sie zu den Verlierern des 24. Spieltags. Sechs Punkte Rückstand sind es nun auf Platz sechs.

Johannes Eggestein mit der ersten Chance

Kohfeldt änderte die Startelf auf zwei Positionen im Vergleich zum 1:1 gegen den VfB Stuttgart: Philipp Bargfrede kam an seinem 30. Geburtstag wieder für Nuri Sahin rein, Johannes Eggestein ersetzte Josh Sargent, der auf der Bank Platz nahm, wo Martin Harnik nach überraschend schneller Genesung allerdings noch nicht wieder zu finden war. Somit lief jene Mannschaft auf, die vor drei Wochen den FC Augsburg 4:0 geschlagen hatte und danach beim 1:1 gegen Hertha BSC gleich wieder ran durfte – eine Seltenheit in dieser Saison.

Die erste Chance hatte Johannes Eggestein nach neun Minuten, als Jerome Roussillon am langen Pfosten nach Ludwig Augustinssons Flanke gerade noch rechtzeitig vor dem Youngster klären konnte. Die erste Schrecksekunde des Spiels produzierten beide Mannschaften gemeinschaftlich: Nach einem langen Ball auf Admir Mehmedi zögerten Augustinsson und Torwart Jiri Pavlenka. Letztendlich erbarmte sich Pavlenka, sich in den Zweikampf mit Mehmedi zu stürzen, was beim Bremer eine blutende Nase und beim Wolfsburg einen Brummschädel zur Folge hatte. Dass Mehmedi weitermachte, dürfte mindestens alle verwundert haben, die für einen sensibleren Umgang mit Kopfverletzungen plädieren.

Werder steht tief

Als der Ball wenige Minuten später im Tor lag, rettete die Fahne des Schiedsrichter-Assistenten für Pavlenka – Wout Weghorst hatte beim Zuspiel deutlich im Abseits gestanden. Danach passierte erst einmal wenig. Werder durfte sich zwar tatsächlich über einen Gegner freuen, der anders als zuletzt Berlin und Stuttgart auf Ballbesitzfußball setzte. Allerdings lauerten die Gäste mit nur 35 Prozent Spielanteilen in der ersten halben Stunde etwas zu sehr auf Umschaltmomente, wie sie beim bislang letzten Sieg gegen Augsburg zum Erfolg führten. Den Wolfsburgern, in der Vorwoche beim 3:0-Erfolg gegen Borussia Mönchengladbach selbst noch in der abwartenden Rolle, fiel dagegen nicht viel ein. Weghorst war der gefährlichste Mann bei den Gastgebern, erreichte in der 38. Minute Felix Klaus‘ Hereingabe aber nicht ganz.

Kurz vor der Pause ließ sich Werder beinahe von einer flachen Eckballvariante des Gegners überraschen, Mehmedis Schuss blieb an Maximilian Eggestein hängen. Wie Milot Rashica im Gegenzug an einem Gegner hängenblieb, war sinnbildlich für die Bremer Offensivbemühungen der ersten Halbzeit. Und dann gab es auch noch schlechte Nachrichten aus gesundheitlicher Sicht: Sebastian Langkamp fiel nach einem Laufduell auf seine rechte Schulter und konnte nicht weitermachen. Milos Veljkovic, Werders Stammverteidiger auf Abruf, durfte mal wieder ran. Mit einem Kopfball am Tor vorbei sorgte Johannes Eggestein in der Nachspielzeit zumindest für den 3:3-Ausgleich nach Torschüssen und verhinderte einen Negativrekord in dieser Bundesliga-Saison.

Brooks vor Pavlenka am Ball

Bis dahin hatte es keinen Grund gegeben, Wolfsburgs Torwart Koen Casteels in diesem Bericht zu erwähnen. Und bevor der ehemalige Werderaner von sich reden machen konnte, war sein Arbeitstag beendet. Probleme mit den Augen wurden als offizieller Grund genannt, warum nach der Pause Pavao Pervan zu seinem zweiten Einsatz in der Bundesliga kam.

Wolfsburg leistete sich in der 50. Minute zwei seltene Laissez-faire-Momente in der Abwehr: Theodor Gebre Selassie konnte sich auf seiner Seite leicht durchsetzen, passte dann aber unpräzise in die Mitte, und Maximilian Eggesteins flacher Ball von rechts trudelte unbeachtet durch den Strafraum, sodass am langen Pfosten beinahe Rashica die Möglichkeit bekommen hätte. Kurz darauf gaben die „Wölfe“ wieder den Ton an. Klaus sorgte für die erste Großchance des Spiels, scheiterte aber im Eins-gegen-eins an Pavlenkas Krakenarmen.

Wenige Minuten später war es dann passiert. Maximilian Arnold brachte einen Freistoß herein, Werder stellte – eher zufällig, wie Maximilian Eggestein später zugab – gleich mehrere Wolfsburger ins Abseits, aber nicht John Anthony Brooks, der deutlich vor Pavlenka mit dem Kopf an den Ball kam. Trotzdem jubelte der US-Amerikaner verhalten – nicht weil er eine Bremer Vergangenheit hätte, sondern weil der im Abseits stehende Weghorst ebenfalls hoch zum Kopfball gegangen war. Doch Schiedsrichter Daniel Siebert entschied sich in Absprache mit den Video-Assistenten dafür, den Treffer zu geben. Tendenziell eine Fehlentscheidung, aber vermutlich nicht klar genug, um das 1:0 zurückzunehmen.

Kruse in Mittelstürmer-Manier

Wie so oft wachte Werder zumindest nach dem Gegentor auf. Dass die Mannschaft die Gelegenheit dazu bekommt, ist seit Monaten traurige Tradition: In den vergangenen 16 Ligaspielen ist Bremen nun elfmal in Rückstand geraten und hat anschließend nie gewonnen. Maximilian Eggestein und Gebre Selassie stellten Wolfsburgs neuen Keeper vor die ersten Herausforderungen. In der 68. Minute kam Claudio Pizarro für Rashica, auch ein typisches Muster, wenn Werder hinten liegt. Und einen Ausgleichstreffer zum 1:1 darf man jetzt wohl auch zu den traditionellen Elementen eines Bremen-Spiels zählen: Nach einer gefühlvollen Flanke von Maximilian Eggestein drückte Kruse den Ball in Mittelstürmer-Manier über die Linie, sein fünftes Saisontor.

Noch war genügend Zeit auf der Uhr, um einen eminent wichtigen Auswärtssieg klarzumachen. Kevin Möhwald kam in der 82. Minute für Geburtstagskind Bargfrede, sodass Maximilian Eggestein die Sechserposition einnahm. Die große Schlussoffensive blieb auf beiden Seiten aus. Pizarro setzte noch einen Kopfball aufs Tornetz, dann war Schluss in Wolfsburg.

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