Ex-Werder-Profi im Interview Kruse: "Wird Zeit, die drei Punkte mitzunehmen"

Bremen. Der SC Freiburg gehört zu den positiven Überraschungen in dieser Saison und ist am Sonnabend zu Gast im Bremer Weserstadion. Dort kennt sich ein Profi der Breisgauer bestens aus: Max Kruse stand drei Jahre lang bei Werder unter Vertrag.
14.02.2013, 05:00
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Der SC Freiburg gehört zu den positiven Überraschungen in dieser Saison und ist am Sonnabend zu Gast im Bremer Weserstadion. Dort kennt sich ein Profi der Breisgauer bestens aus: Max Kruse stand drei Jahre lang bei Werder unter Vertrag. Patrick Hoffmann sprach mit dem 24-Jährigen.

Herr Kruse, wie schmeckt Ihnen der badische Wein?

Max Kruse: (lacht) Ich weiß nicht, wie badischer Wein schmeckt. Ich trinke keinen Alkohol.

Das wird man Ihnen in Baden sicher verzeihen, Sie sind ja in der Nähe von Hamburg aufgewachsen und haben bis zu ihrem Wechsel im vergangenen Sommer ausschließlich bei Nordklubs gespielt. Wie sind Sie denn im Süden aufgenommen worden?

Ich bin gut aufgenommen worden. Ich habe mich in Freiburg auch schon sehr gut eingelebt. Und für mich persönlich läuft es im Moment ja auch ganz gut.

Nicht nur für Sie. Für die ganze Mannschaft läuft es derzeit ganz gut, der SC Freiburg ist Tabellenfünfter. Damit konnte man nicht unbedingt rechnen, oder?

Nein, aber das kann man vor einer Saison nie. Ich glaube, in Freiburg fahren wir ganz gut damit, dass wir sagen, wir wollen den Klassenerhalt schaffen. Das ist unser erstes Ziel. Wir haben jetzt 31 Punkte. Das ist schon ganz gut, aber wir müssen erst mal auf die 40-Punkte-Marke kommen.

Im Ernst? Sie denken beim Blick auf die Tabelle an Klassenerhalt? Träumen Sie nicht von der Europa League, zumindest heimlich? Uns können Sie es doch verraten.

Ja, also... (überlegt kurz). Ich denke wirklich: Erst mal müssen wir die 40-Punkte-Marke erreichen. Wenn wir das geschafft haben, können wir über andere Ziele reden. Aber bis dahin sind noch viele Spiele zu spielen. Und ich habe bei St. Pauli leider miterlebt, wie wir mal auf dem zehnten Tabellenplatz standen – und danach haben wir dann auf einmal 13 Spiele hintereinander verloren. Natürlich träumt man immer ein bisschen, aber wie gesagt: Mit der Europa League beschäftige ich mich noch nicht.

Wobei der SC ja derzeit nicht den Eindruck macht, als sollte er nachlassen.

Wir spielen bis jetzt eine sehr, sehr gute Saison, klar. Aber man sieht ja auch, wie eng es ist, gerade bis Platz 13 oder 14, da sind es nur sechs Punkte. Hätten wir das Spiel gegen Düsseldorf verloren, wären wir jetzt Elfter. Dann wäre das jetzt wieder eine ganz andere Ausgangsposition.

Stimmt. Stattdessen sind Sie am Sonnabend als Tabellenfünfter zu Gast in Bremen. Und das nicht zu Unrecht.

Man sieht, dass wir spielerische Qualität haben. Wir stehen nicht umsonst da oben.

Und wie lautet das Freiburger Erfolgsgeheimnis?

Wir leben vom Kollektiv. Wir haben keine sogenannten Stars in der Mannschaft, wir sind als Team sehr eng zusammengerückt. Alle arbeiten sehr gut mit, im Training und im Spiel. Und wenn wir unsere Angriffe nach vorne tragen, sieht man, dass wir eine gewisse Klasse haben, um auch gegen Mannschaften zu bestehen, die höhere Ansprüche haben als wir.

Großen Anteil am Erfolg hat sicherlich Trainer Christian Streich. Beschreiben Sie mal, was er für ein Typ ist?

Er ist genau der Typ, wie er auch im Fernsehen rüberkommt. Er ist immer ehrlich, er ist immer direkt. Und er versucht, seine Kritik nicht negativ zu gestalten. Seine Kritik ist eine Art von Verbesserung, er will uns zeigen, was wir besser machen können. Wir arbeiten jeden Tag akribisch an unseren Leistungen und machen viele Analysen, um uns auf den Gegner vorzubereiten.

Christian Streich war jahrelang Nachwuchstrainer in Freiburg, er hat bewiesen, dass er talentierte Fußballer weiterentwicklen kann. Sie sind jetzt 24 Jahre alt: Ist Christian Streich in dieser Phase ihrer Karriere also vielleicht genau der richtige Trainer?

Ich hoffe es. Im ersten halben Jahr hat es ja schon ganz gut funktioniert. Und da will ich weitermachen.

Stimmt es, dass Sie vor dieser Saison sogar ein selbst finanziertes Trainingslager absolviert haben?

Ja, das ist richtig.

Wieso?

Ich habe das schon im Sommer 2011 gemacht, mit dem damaligen Fitnesstrainer vom FC St. Pauli. Das hat mir in dem Jahr gutgetan, und da habe ich gedacht: Wieso soll ich das jetzt ändern?

Also sind Sie im Sommerurlaub 2013 auf eigene Kosten nach Mallorca geflogen?

Genau. Das war relativ kurz vor dem Trainingsauftakt in Freiburg. So konnte ich schon einmal ein bisschen Fitness tanken, um in Freiburg gleich den Anschluss zu finden.

Klingt, als wenn Ihnen bewusst geworden ist, dass Sie sich in einer wichtigen Phase Ihrer Karriere befinden?

Ja, das habe ich schon vor der vergangenen Zweitligasaison bei St. Pauli gesagt, dass ich jetzt den nächsten Schritt machen muss, was meine Persönlichkeit angeht und auch, was den Fußball angeht. Seitdem versuche ich, das Beste aus mir herauszuholen.

Apropos alles herausholen: Sie sind über den Umweg FC St. Pauli zurück in die Bundesliga gekommen, nachdem es zuvor in Bremen nicht zum Durchbruch gereicht hatte. Woran lag’s?

Das ist schwer zu sagen. Ich glaube, ich habe in Bremen nicht die Wertschätzung erfahren, wie ich sie gerne gehabt hätte. Zu der Zeit, zu der ich in Bremen gespielt habe, wurde bei Werder noch nicht so sehr auf die Jugend gesetzt, wie das vielleicht heutzutage der Fall ist. Ich mache mir aber nicht mehr so viele Gedanken über die Vergangenheit.

Haben Sie denn noch Kontakt zu alten Bremer Mannschaftskollegen?

Ja, mit Aaron Hunt habe ich noch ganz guten Kontakt. Wir tauschen uns ab und zu mal aus. Gelegentlich telefoniere ich auch mit Philipp Bargfrede.

Werden Sie auch vor dem Spiel am Sonnabend telefonieren?

Nee, vor dem Spiel lassen wir das lieber sein. Ich denke, wir werden uns am Sonnabend kurz im Stadion begrüßen, und dann wird nach dem Spiel noch ein bisschen geschnackt.

Wissen Sie eigentlich, wann der SC Freiburg zuletzt in Bremen gewonnen hat?

Es soll schon relativ lang her sein.

Es war 1998. Da waren Sie zehn Jahre alt.

1998?! Das ist ja schon etwas länger her. Dann wird es Zeit, sich mal anzustrengen und die drei Punkte mit nach Freiburg zu nehmen.

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