Aufgeschlüsselt: Werders vorletzte Pässe

Kruses verborgener Bestwert

Mit vier Toren und fünf Assists kommt Max Kruse auf gute, nicht aber auf herausragende Scorer-Werte. Zählt man aber die Vorlagen zur Vorlage mit, zeigt sich die ganze Klasse von Werders Kapitän.
18.02.2019, 19:48
Lesedauer: 3 Min
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Von Jannik Sorgatz
Kruses verborgener Bestwert
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Max Kruse stand daneben, Werders wertvollster Spieler hatte beim Tor zum 1:1 in Berlin ausnahmsweise nichts zu melden. Es war Claudio Pizarro, der den Freistoß in der 96. Minute mit der Unterstützung einiger Hertha-Beine versenkte, zuvor gefoult worden war Josh Sargent, nach einer Kopfballverlängerung, für die sich ebenfalls Pizarro verantwortlich zeigte.

Man muss schon zurückgehen bis zu Maximilian Eggesteins weitem Schlag aus der eigenen Hälfte, um bei der Entstehung des Bremer Last-Minute-Tores einen der üblichen Verdächtigen zu finden, ohne die sonst wenig geht bei der Tor-Produktion. In die offizielle Statistik ging das 1:1 als Treffer ohne Assist ein. Selbst bei wunderschön herausgespielten Toren wird maximal ein Vorlagengeber notiert, anders als beim Eishockey, das in dieser Hinsicht einen ganzheitlicheren Blick pflegt als der Fußball.

Am Anfang dieser Geschichte stand ein Gefühl nach Werders 4:0 gegen den FC Augsburg: Max Kruse hatte bei zwei Toren den vorletzten Pass gespielt, einmal leitete er den Ball mit einem genialen Hackentrick zu Davy Klaassen weiter. Gefühlt ist Kruse am häufigsten der vorletzte Mann auf dem Weg zum Tor. Doch eine Torbeteiligung dieser Güteklasse findet im Fußball in keiner Statistik ihren verdienten Platz. Deshalb haben wir uns alle 51 Bremer Pflichtspieltore dieser Saison noch einmal angesehen, um herauszufinden, wer die meisten Vorlagen zur Vorlage liefert. Das Gefühl wurde bestätigt: Auf Kruses Konto gehen die meisten „Assist-Assists“.

Ein Quintett dreht auf

Mit zehn liegt er knapp vor Theodor Gebre Selassie. Der Rechtsverteidiger kommt auf acht, es folgen Maximilian Eggestein mit sieben, Davy Klaassen mit sechs und Ludwig Augustinsson mit fünf „Assist-Assists“. Einen Punkt gibt es in dieser Wertung nicht nur für glasklare Zuspiele, sondern auch für herausgeholte Freistöße, die verwandelt werden (die Deutsche Fußball-Liga zählt nur heraus­geholte Elfmeter als Assists), genauso wie für herausgeholte Ecken, aus denen so wie im DFB-Pokal in Dortmund ein Tor entsteht: Hereingabe Max Kruse, Kopfball Martin ­Harnik.

Pizarros 1:1 in Berlin war erst der sechste Treffer in dieser Saison, an dem aus dem Topquintett kein Spieler beteiligt war. ­Zusammen kommen sie auf 17 Tore und 26 klassische Vorlagen. Wann immer Kruse, ­Gebre Selassie, Eggestein, Klaassen und Augustinsson ihre Füße oder ihren Kopf nicht im Spiel hatten, fiel der Treffer durch eine Standardsituation – inklusive des Eigentores von Stuttgart-Keeper Ron-Robert Zieler in der Hinrunde.

An 23 von 51 Pflichtspieltoren war Kruse beteiligt, alle 98 Minuten an einem. Die Zahl untermauert einmal mehr, warum der 30-Jährige nicht nur an Torerfolgen gemessen werden sollte. Er ist und bleibt der Fixpunkt des Bremer Spiels. Auf 15 Punkte kommt Gebre Selassie, Eggestein und Klaassen kommen auf jeweils 13, Augustinsson auf 11. Was passiert, wenn alle fünf nicht ihren besten Tag erleben oder vom Gegner konsequent zugestellt werden, war in Berlin zu beobachten. Die beste Bremer Aktion vereitelte Hertha unfair, ohne dass es geahndet wurde. Kruse hatte den startenden Klaassen geschickt.

Eggestein und Pizarro überzeugen

Werder hat darüber hinaus einige Angreifer in seinen Reihen, die nicht nur als direkte Vollstrecker überzeugen. So gesellen sich bei Johannes Eggestein zu vier Pflichtspieltoren und drei Assists noch drei „Assist-Assists“. Der 20-Jährige kommt alle 78 Minuten auf eine Torbeteiligung. Sehen lassen könnte sich auch die Werte von Martin Harnik (alle 79 Minuten) und Milot Rashica (alle 99 Minuten).

Nur einer stellt auch diese Zahlen in den Schatten: Claudio Pizarro, der gefeierte Mann vom Wochenende. Mit fünf Pflichtspieltoren liegt er knapp hinter den erfolgreichsten Torschützen Harnik und Maximilian Eggestein (sechs). Hinzu kommen zwei Vorlagen und ein „Assist-Assist“. Was der Peruaner in einem Stadion allein schon auslöst, wenn er zur Bank läuft, überträgt sich mit beeindruckender Effektivität auf den Rasen. Als Pizarro und Kruse sich vor dem finalen Freistoß in Berlin beratschlagten, hatten beide ziemlich gute Argumente.

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