Die MEIN-WERDER-Spielerbilanz Langkamp, der Abgebrühte

Die MEIN-WERDER-Redaktion checkt die Leistungen der Werder-Profis in der abgelaufenen Saison. In alphabetischer Reihenfolge werden die Zeugnisse verteilt – heute ist Sebastian Langkamp an der Reihe.
03.06.2018, 17:59
Lesedauer: 4 Min
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Von Malte Bürger und Stefan Rommel

Viel Zeit zum Überlegen war ihm im Januar nicht geblieben. Gerade erst war Sebastian Langkamp mit Hertha BSC zum Auswärtsspiel nach Bremen gereist, gespielt hatte er beim 0:0 aber wieder einmal nicht. Doch die Partie hatte dafür gesorgt, dass im Hintergrund einiges passierte. Werder überlegte, klopfte an, verhandelte und griff zu. Innerhalb von nur 48 Stunden war aus dem Berliner Langkamp der Neu-Bremer Langkamp geworden. Und Werder hatte seinen Ersatzmann für den unehrenhaft ausgestiegenen Lamine Sané bekommen.

Über die Rolle des Reservisten kam der 30-Jährige dann zunächst auch nicht heraus. Das lag weniger daran, dass der erfahrene Bundesligaprofi vielleicht gerade eine Schwächephase durchgemacht hätte. Vielmehr hatte er mit Niklas Moisander und Milos Veljkovic ein funktionierendes Innenverteidiger-Duo vor sich, bei dem es quasi keinen Grund gab, einen Tausch vorzunehmen. Genau deshalb übte sich Langkamp in Geduld und schraubte die persönliche Erwartungshaltung nach seinem Wechsel gar nicht erst zu hoch. Angreifen und anbieten ja, fordern oder gar öffentlich mosern nein. Das entspräche nicht dem Naturell des Münsterländers, der nach eigenen Angaben erstmals im Laufe seiner Profikarriere bei einem Verein so etwas wie Heimatgefühle verspürt. Das Eintauschen der Anonymität aus Berlin-Mitte gegen die fußballerische Allgegenwärtigkeit mit hanseatischem Charme habe er jedenfalls bis heute keineswegs bereut.

Im März wurde Langkamp dann tatsächlich das erste Mal so richtig gebraucht. Ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub FC Augsburg, dessen Trikot er von 2011 bis 2013 trug, half er von Beginn an mit, dass Werder gewann. Und nicht nur das. Er trat als Vertreter des Verletzten so abgebrüht auf, dass sogar Kapitän Zlatko Junuzovic baff war. „Ich glaube, es war die dritte oder vierte Sekunde im Spiel, da lässt er den Gegenspieler auflaufen und spielt den Ball einfach mit der Hacke vorbei. Der hat echt die Ruhe weg“, sagte der staunende Österreicher seinerzeit. Als dann wenig später auch noch Niklas Moisander für mehrere Wochen ausfiel, war Langkamp endgültig mittendrin im Geschehen.

Gut möglich, dass er das auch erst einmal bleibt. Aufgrund der WM in Russland wird Konkurrent Veljkovic verspätet in die Saisonvorbereitung bei Werder einsteigen. Neben dem finnischen Abwehrchef Moisander ist also erst einmal ein Plätzchen frei. Sebastian Langkamp hat somit eine neue Gelegenheit, um zu zeigen, dass er mehr als nur ein würdiger Ersatz ist.

Langkamps Saison in Zahlen

410

Sebastian Langkamp hat sich selbst nicht nur als Backup oder Ergänzungsspieler für die angeblich gesetzten Niklas Moisander und Milos Veljkovic gesehen, sondern nach seinem Wechsel von Hertha zu Werder durchaus auch andere Ansprüche gestellt. Nach der ersten Halbserie kann man konstatieren, dass Langkamp mit seiner Einschätzung durchaus Recht hatte. Langkamp kam auf insgesamt neun Einsätze, stand dabei fünf Mal in der Startelf, wurde vier Mal ein- und nur einmal ausgewechselt - am letzten Spieltag in Mainz, als er sich vor der Halbzeitpause verletzt hatte. So sammelte der 30-Jährige immerhin 410 Spielminuten im Bremer Trikot und wurde gerade in der Schlussphase der Saison zu einer absolut verlässlichen Größe in der Innenverteidigung.

66,7

Mit 1,91 Metern Körpergröße war Langkamp zusammen mit dem scheidenden Ishak Belfodil der größte Feldspieler bei Werder. Seine imposante Statur und die Tatsache, dass er als Innenverteidiger fast nur Defensivkopfbälle mit bestem Blick auf Ball und Gegenspieler sowie der Möglichkeit, mit Anlauf in den Ball zu gehen, spielen konnte, schraubten seine Erfolgsbilanz in den Luftzweikämpfen auf sehr starke 66,7 Prozent. Also exakt zwei Drittel aller Kopfballduelle konnte Langkamp zu seinen Gunsten entscheiden. Er war damit bester Kopfballspieler bei Werder, noch vor Theo Gebre Selassie, Thomas Delaney oder den Innenverteidigerkollegen Moisander und Veljkovic.

0

Langkamp sollte seine Kopfballstärke eigentlich auch bei eigenen Standards einbringen und für etwas mehr Torgefahr von den Innenverteidigern sorgen. Das funktionierte in den Spielen mit seiner Beteiligung noch gar nicht. Langkamp war nur selten der Zielspieler bei Werders Varianten und hatte mit dem Kopf keinen einzigen Torabschluss zu verzeichnen. Der eine Torschuss, der ihm gelang, war in der Schlussphase im Spiel gegen Hannover, als Langkamp aus wenigen Metern mit dem rechten Fuß übers Tor zielte.

2,0

Apropos Hannover: Das 1:2 im kleinen Nordderby war das einzige Spiel, das Werder mit Langkamp auf dem Platz verlor. Aus den restlichen acht Partien gab es fünf Siege und drei Remis. Das machte in der Summe 18 Punkte bei neun „Langkamp-Spielen“. Der Punkteschnitt von 2,0 war mit weitem Abstand der beste aller Bremer Spieler. Dahinter folgten Zlatko Junuzovic (1,54) und Aron Johannsson (1,50).

Sebastian Langkamp über…

…seine neue sportliche Heimat: „In Bremen gibt es keinen Stadtteil, der abseits des Fußballs liegt.“

…über seine Ambitionen bei Werder: „Ich sehe mit nicht als Option drei.“

…über die Arbeit mit Florian Kohfeldt: „Jeder hat das Gefühl, wichtig zu sein.“

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