Echte Konkurrenz für Veljkovic Langkamp – mehr als ein Ersatzspieler

Sebastian Langkamp gleicht nicht nur Werders Unwucht in der Innenverteidigung aus, sondern dürfte auch den etwas eingeschlafenen Konkurrenzkampf neu forcieren.
01.02.2018, 12:11
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Rommel

Die Signale waren einigermaßen unmissverständlich für Sebastian Langkamp. Zu Saisonbeginn bildete Langkamp zusammen mit Zugang Karim Rekik das Innenverteidigerpärchen bei Hertha BSC, in den letzten Spielen vor der Winterpause fand er sich dann aber plötzlich nur noch auf der Ersatzbank wieder und auch als sich Rekik gegen Hannover verletzte und eine Woche später Jordan Torunarigha gegen Leipzig vom Platz flog, rückte Langkamp nicht wieder zurück in die Mannschaft.

Trainer Pal Dardai hatte die interne Hierarchie der Berliner Innenverteidiger durcheinandergewürfelt, setzte zuletzt auf die beiden Mittelfeldspieler Niklas Stark und Fabian Lustenberger in der Innenverteidigung. Langkamp war hinter den beiden, hinter dem derzeit immer noch verletzten Rekik und hinter Talent Torunarigha nur noch die Nummer fünf.

Langkamp belebt die Konkurrenz

Die Gelegenheit für Werder, den Spieler im Winter und auf den letzten Drücker zu bekommen, hat sich erst kurzfristig ergeben. Werders Scoutingteam um Tim Steidten hat ein gutes Gespür für die Situation gezeigt und offenbar schnell und überzeugend genug gehandelt. In der Innenverteidigung gab es schon vor Lamine Sanes Eskapaden eine offene Planstelle. Im Sommer wollte Werder noch einen zentralen Abwehrspieler holen oder auf Sicht Jesper Verlaat bei den Profis installieren. Dann kam die Kehrtwende und Außenverteidiger Robert Bauer fand sich plötzlich als Halbverteidiger in der Dreierkette wieder.

Milos Veljkovic hat sich in den letzten Monaten als Stammspieler etabliert, der Serbe hat eine gute Entwicklung genommen und war auch auf Grund fehlender Konkurrenz in den letzten Spielen als rechter Innenverteidiger in der Abwehrkette gesetzt. Für Werders spielerischen Ansatz mit vertikalen Pässen ins Mittelfeld oder diagonalen Schlägen auf den Flügel war Veljkovic‘ Aufbauspiel im Vergleich zu dem von Sane besser und zuverlässiger.

Mit Langkamp dürfte nun aber nicht ein Backup für Veljkovic verpflichtet worden sein, sondern ein ernsthafter Konkurrent im Kampf um den Platz neben Niklas Moisander. Veljkovic hatte zuletzt einige Wackler in seinem Spiel mit dem Ball und leistete sich in München den groben Schnitzer vor dem Ausgleich der Bayern. Schwankungen dieser Art sind bei jungen Spielern normal, vielleicht fehlte Veljkovic als einer von nur zwei Rechtsfüßern aber auch ein wenig die Konkurrenzsituation. Das Experiment mit Bauer ist längst gescheitert und Sane, der in den Spielen unter Florian Kohfeldt nur noch starten durfte, wenn Werder in einer Fünferkette verteidigte, konnte diesen Druck nicht mehr aufbauen. Mit Langkamp ändert sich nun die Ausgangslage.

Erfahrung als wichtiger Baustein

„Sebastian bringt nicht nur sportlich alles mit, um unsere Mannschaft zu verstärken, sondern war in Berlin auch über Jahre durch sein Auftreten und seine Erfahrung ein Führungsspieler. Diese Qualitäten bringt er nun auch in unser Team ein. Dazu ist er einfach ein richtig guter Typ, der super in unsere Mannschaft passen wird“, sagt Kohfeldt über die Neuverpflichtung. Das zu befürchtende Ungleichgewicht mit vier Linksfüßern (Moisander, Luca Caldirola und Marco Friedl) aber nur Veljkovic als einzigem gelernten Innenverteidiger mit einem starken rechten Fuß ist damit wieder ausgeglichen.

Langkamp besitzt jede Menge Erfahrung, auch im Abstiegskampf. In Augsburg wurde der 30-Jährige zu einem Eckpfeiler der Mannschaft und im ersten Jahr Bundesligazugehörigkeit der bayerischen Schwaben zu einem echten Torjäger: gleich vier Treffer gelangen Langkamp damals allein in der Rückrunde. Die Abschlussstärke bei Standards kam in den letzten Spielzeiten nicht mehr so durch, in Berlin sammelte der ehemalige U-21-Nationalspieler aber ein wenig internationale Erfahrung.

Sein Aufbauspiel ist solide, sein Kopfballspiel stark, der Antritt allerdings nicht mehr ganz der schnellste. Das gute Stellungsspiel und ein sauberes Tackling machen dieses Defizit aber wieder wett. Nur 31 Gelbe Karten und zwei Platzverweise in 153 Bundesligaspielen sind für einen Innenverteidiger verhältnismäßig wenig. Für die Teamhygiene kann Langkamp nicht nur wegen seines Alters und seiner Erfahrung ein wichtiger Baustein werden. „Sebastian ist nicht der typische Fußballer, sondern ein sehr intelligenter, reflektierter Mensch“, sagt Frank Baumann. Werder dürfte sich mit dem Tausch von Sane zu Langkamp auf einigen Ebenen verbessert haben.

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