Werder will Heim-Bilanz retten

Letzte Chance gegen Köln

Im letzten Heimspiel des Jahres soll es einen Sieg geben - es wäre für Werder der erste seit Ende September. Damals wie am Sonnabend hieß der Gegner Köln. Nun soll die schwarze Serie beendet werden.
11.12.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Letzte Chance gegen Köln
Von Olaf Dorow

Im letzten Heimspiel des Jahres soll es einen Sieg geben - es wäre für Werder der erste seit Ende September. Damals wie am Sonnabend hieß der Gegner Köln. Nun soll die schwarze Serie beendet werden.

Und jetzt ein Heimspiel. Damit ist schon eine Menge gesagt, wenn man auf Werder im Dezember 2015 schaut. Damit ist eine Chance benannt, eine letzte in dieser Hinrunde der Bundesliga, sowie ein Problem. Das Problem: Von bislang sieben Heimspielen gingen in dieser Hinrunde sechs verloren. Die Chance: Gegen den 1. FC Köln könnte am Sonnabend (15.30 Uhr) eine verhängnisvolle Serie, die schon zweieinhalb Monate andauert, endlich ein Ende finden. „Ich hoffe, dass die Diskussion nach dem Köln-Spiel beendet ist“, sagt Werders Sportchef Thomas Eichin.

Basta, jetzt mal Schluss mit Lamentieren! So gibt sich Eichin gern, für den die Sache mit der Heimschwäche ohnehin mehr ein öffentlich viel diskutiertes Thema ist als ein tatsächliches Problem seiner Elf. Es würde doch immer auf den Spielplan und die jeweilige Verfassung des jeweiligen Gegners ankommen. Er wolle „überhaupt nicht von einem Heimkomplex“ sprechen, sagt Eichin. Das sei Unsinn, dass Werder diesen Komplex habe. Dafür seien die Spielverläufe einfach zu unterschiedlich gewesen.

Wird das Video nicht angezeigt? Dann klicken Sie hier!

Wer dem Manager unvoreingenommen zuhörte, musste zu dem Ergebnis kommen: Werder hatte einfach nur ein bisschen zu viel Pech. Pech mit dem Spielplan, der in dieser Hinrunde mit Ausnahme des VfL Wolfsburg alle Spitzenmannschaften der Liga nach Bremen schickte. Und wenn es keine Spitzenmannschaft der Liga war, dann war sie gerade richtig gut drauf, so wie letztens der HSV. Oder es gab, wie gegen Ingolstadt, unglücklicherweise kurz vor dem Abpfiff einen Elfmeter.

Glück und Pech, das ist das, worauf Eichin und Werders Trainer Viktor Skripnik gerne hinweisen, wenn es um Erklärungen für die von ihnen geführte Mannschaft geht. Werder sei momentan nun mal keine Mannschaft, die für gewöhnlich als klarer Favorit in seine Spiele geht. „Wir müssen uns jetzt nicht in Sphären begeben, in denen wir nicht sind“, sagt Eichin, „du kannst alles abrufen und liegst trotzdem nach drei Minuten hinten.“

Skripnik erklärt, dass sich doch eigentlich keiner erklären kann, warum Werder im Februar auf einmal fünf Spiele in Folge gewonnen hat und warum jetzt reihenweise seine Spieler schwächeln. Mit vielen Mannschaften liege Werder im Grunde fußballerisch gleichauf, Kleinigkeiten würden über Sieg und Niederlage entscheiden. Der Trainer erinnert an nicht gegebene Elfmeter oder Aluminium-Treffer. Glück und Pech. „So ist Fußball.“ Der Satz wird im Fußball oft verwendet, um etwas zu erklären. Von Skripnik wird er sehr oft verwendet.

Lesen Sie auch

Werders Heimschwäche, zu der mit Abstand die meisten Fragen kommen auf der Pressekonferenz vor dem Köln-Spiel, sei kein Thema in der Mannschaft, sagt auch Skripnik. Nur um sie herum. „Jeder weiß das, jeder sagt das“, sagt er. Er könne sich das nicht so recht erklären, warum es in dieser Hinrunde nicht klappt zuhause, muss sein Kapitän Clemens Fritz hingegen zugeben. Das sei echt schwierig. Er spiele aber nach wie vor „lieber zuhause als auswärts“. Zuhause hat Werder bislang drei, auswärts elf Punkte geholt.

Dass jetzt im letzten Heimspiel vor Weihnachten der Gegner 1. FC Köln heißt, hat einerseits wenig zu sagen und ist andererseits womöglich eine ziemlich gute Sache für Werder. Vor sechs Wochen hat Werder diesen Gegner besiegt, als er zum Pokalspiel ins Weserstadion kam. Es war ganz schön viel Bremer Glück dabei beziehungsweise Kölner Pech. Aber es war nun mal so, dass dieses 1:0 die Niederlagen-Serie in den Heimspielen gegen die Bundesligisten unterbrach und dass Werder zwischen der ersten Pokalrunde im Sommer und jetzt kein weiteres Zu-Null-Spiel gelungen ist.

Wird das Video nicht angezeigt? Dann klicken Sie hier!

„Wir spielen gegen die Mannschaft, die wir schon geschlagen haben“, sagt Skripnik mehrfach. Und das ist wohl das Beste, was er sagen kann an einem Punkt, an dem Werder seit fünf Wochen nicht mehr gewonnen hat, in der Tabelle viel weiter unten als erhofft steht und zumindest punktemäßig die schlechteste Hinrunde aller Zeiten droht. Das ist sie, die große Chance, die natürlich auch im Köln-Spiel liegt. Werder könnte den Abstand zum Tabellenende vergrößern und könnte sich mit einem erneuten Erfolg gegen die Kölner neues Selbstvertrauen holen. Würde Werder gegen Köln und in einer Woche in Frankfurt siegen, wären es zu Weihnachten immerhin 20 Punkte. Mehr als in den vergangenen beiden Spielzeiten.

„Wir wollen mit einem guten Gefühl in die Winterpause gehen“, sagt Clemens Fritz. Das hört sich sowieso gut an, aber es ist auch nicht nur so dahingesagt. Vor einem Jahr war Werder mit einem überraschenden 2:1 gegen Borussia Dortmund ins neue Kalenderjahr gewechselt, um es mit lauter Siegen zu beginnen. „Das Dortmund-Spiel“, sagt Fritz, „das war für mich schon das entscheidende Spiel der letzten Saison.“ Es sei das Spiel gewesen, in dem er und seine Mitspieler gemerkt hätten: „Ja, es geht!“

Aus neutraler Sicht ist es am Sonnabend das Spiel des Tabellen-15. gegen den Tabellen-10. Aus Bremer Sicht ist es ein Spiel, das etwas gerade rücken kann, was inzwischen ganz schön schief aussieht. Er freue sich auf das Spiel, sagt Eichin, weil er sich sicher sei, „dass alle darauf brennen, jetzt auch endlich mal diesen Bock umzustoßen und unseren Fans endlich mal wieder einen Heimsieg zu schenken“.

Damit hatte er dann, wenn auch unbeabsichtigt, ein sehr passendes Bild gefunden vor einem Heimspiel der heimschwachen Bremer gegen den 1. FC Köln. Dessen Vereinswappen ist bekannt: ein Geißbock.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+