Arnd Zeigler über den Transfermarkt Lieber Delaney als die Wade von Tolisso

Werder wird sicherlich noch eine clevere Lösung für den Sturm auftun, meint Arnd Zeigler. Schließlich habe Werder wiederholt bewiesen, wie geschickt es auf dem Transfermarkt agieren kann.
24.08.2017, 20:11
Lesedauer: 3 Min
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Von Arnd Zeigler

Spannende Tage: Werder muss sich in die Saison finden, die Bayern kommen, und durchs Transferfenster zieht‘s. Und das alles gleichzeitig. Der Vergleich zwischen Werder Bremen 2017 und dem Rekordmeister, gegen den es seit fast genau neun Jahren keinen Sieg mehr gab: eine Bilanz, die den Wandel in der gesamten Liga nachzeichnet.

Werder fuhr in den letzten 20 Spielen gegen die Bayern drei Unentschieden ein, bei heftigen 17 Niederlagen. Exakt in derselben Saison endete damals die schöne Zeit, in der in der Bundesliga im Prinzip jeder Meister werden konnte, wenn er nur schlau genug handelte: Wolfsburg 2008/09, Stuttgart 2006/07 – oder Werder 2003/04. In den 20 direkten Duellen vor 2008 gegen die Bayern hatte Werder eine deutlich positive Bilanz. Neun Siege, nur sechs Niederlagen. Klingt wie aus einer längst vergessenen Zeit.

Man könnte das auf Werders Schwächeln seit etwa 2010 zurückführen, aber das wäre nur die halbe Wahrheit. Werders gesamte Stammelf des vergangenen Wochenendes hat vermutlich etwa 25 Millionen Euro gekostet. Die Bayern gaben für Transfers alleine in diesem Sommer mehr als viermal so viel aus. Oder, um es deutlicher in eine Relation zu setzen: Für das, was Werder in diesem Jahr für Thomas Delaney und Ludwig Augustinsson bezahlte, hätten die Bayern ungefähr eine Wade ihres Neuzugangs Tolisso bekommen. Soll heißen: Beide Vereine bewegen sich nicht nur auf verschiedenen Transfermärkten, es sind verschiedene Fußballwelten.

Werder muss kreativ und schlau agieren

Und doch, oder vielleicht sogar gerade deshalb ist die Situation spannend. Weil sie Werder dazu zwingt, kreativer und schlauer zu sein als andere. Das gelingt nicht immer, aber schon bemerkenswert oft. Die genannten Herren Augustinsson und Delaney sind das beste Beispiel: Die Bayern könnten ihrer Anhängerschaft solche Spieler nicht vermitteln, weil sie (dem Vernehmen nach kosteten beide zusammen keine sieben Millionen Euro) nicht kostspielig waren und weil sie zuvor im gemütlichen Dänemark spielten. Dieselben Spieler derselben Qualität hätten sicherlich irgendwas im Bereich von 20 Millionen Euro gekostet, wären sie nicht von Kopenhagen nach Bremen, sondern von Lissabon zu, sagen wir mal, Tottenham gewechselt. Ähnliches kann man von Max Kruse sagen, von Fin Bartels, von Maxi Eggestein, Veljkovic, Robert Bauer, Sané oder Moisander: Alles Spieler, die einen Wert haben, der weit über dem liegt, was sie Werder einmal gekostet haben.

Es ist nicht einfach, sich auf dem Transfermarkt erfolgreich zu bewegen, aber es ist offenbar sehr wohl möglich. Cleverer sein als andere ist dafür allerdings eine zwingende Voraussetzung. Anders kann man nicht erfolgreich sein auf einem Markt, in dem mit Bayer Leverkusen zum Beispiel eine Mannschaft shoppen geht, die zuletzt hinter Werder landete. Aktueller Unterschied: Leverkusen hat für den dort noch gesuchten Stürmer 20 oder 30 Millionen Euro in der Hosentasche, Werder nicht. Dennoch spielen beide in derselben Liga auf einem sehr ähnlichen Level.

Ein Stürmer der Marke Selke oder Ujah wäre hilfreich

Dass Werder mit dem bestehenden Personal starken Teams zumindest große Probleme bereiten kann, hat die Mannschaft bewiesen. In Hoffenheim, wo man bei einer sehr offensivstarken Mannschaft kaum Torchancen zuließ. Im Bundesliga-Heimspiel gegen die Bayern im Frühjahr, als ein Punkt hochverdient gewesen wäre. Oder vergangenes Jahr im Pokalhalbfinale, das maßgeblich durch eine Vidal-Schwalbe verloren wurde. Es geht also.

Danach muss dann bekanntlich noch eine Verstärkung her. Die Entscheidung, eher keinen Verteidiger mehr zu verpflichten, finde ich logisch. In der Dreierkette ist Robert Bauer als starke Lösung dazugekommen, Veljkovic wird fast unbeachtet besser und besser, Niklas Moisander trainiert bereits wieder, Sané macht seinen Job wie eh und je. Im Sturm sucht Werder einen Spieler der Kategorie „Starker Spieler, guter Typ, funktioniert, hilft sofort weiter“. Selke wäre das gewesen, Anthony Ujah auch. Wenn Werder eine Lösung dieser Qualität findet, können wir mit einem guten Gefühl schauen, was in den kommenden Wochen passiert. Und ich bin sicher, dass das klappen wird. Zumal mir Transfers wie Augustinsson oder Delaney auch weiterhin viel lieber sein werden als eine Wade von Tolisso.

Arnd Zeigler (52) ist Moderator bei Radio Bremen. Er ist bekannt aus Funk und Fernsehen durch „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“. Im Wechsel mit Jörg Wontorra, Thomas Eichin, Lou Richter und Gastautoren schreibt Arnd Zeigler bei Mein Werder, was ihm im Bundesliga-Geschehen aufgefallen ist.

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