Zurückgeblättert: 5. Februar 2004

Lisztes: Ich bin nicht gierig

Seit 1963 spielt Werder in der Bundesliga, mehr als fünf Jahrzehnte, in denen sich im Fußball, bei Werder und in der Berichterstattung viel verändert hat. Mein Werder zeigt die Originaltexte und Zeitungsseiten.
28.01.2019, 08:24
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Von mw
Lisztes: Ich bin nicht gierig
Archiv WESER-KURIER

Der WESER-KURIER schrieb am 05.02.2004:

Dass in den Zeitungen stand, er würde den SV Werder verlassen, um bei einem anderen Verein mehr Geld zu kassieren, hat Krisztian Lisztes nicht gefallen: „Ich bin nicht gierig, mir ging es nicht nur ums Geld." Es ist schwer, ihm nicht zu glauben, denn die Unschuldsmiene, die Lisztes in diesem Moment aufsetzt, passt doch so gut in das Bild, dass der Ungar seit 2001 in Bremen verbreitet hat: Zurückhaltend, beinahe ein bisschen schüchtern, eben ein netter Typ.

Aber woran mag es denn noch gelegen haben, dass er das Angebot des SV Werder nicht angenommen hat? Krisztian Lisztes überlegt einen Moment, dann blickt er seinen Gesprächspartner mit großen Augen an
und sagt: „Ich wollte eine Woche länger Zeit." Am Abend vor dem Pokalspiel in Fürth, berichtet Werders Nummer 8, habe er bis gegen 23.30 Uhr mit Sportdirektor Klaus Allofs zusammengesessen.
Weit hätten sie in ihren Vorstellungen nicht mehr auseinander gelegen. Doch während der Spieler um weiteren Aufschub gebeten habe, wollte der Verein eine Entscheidung. „Weil sie mit anderen Spieler verhandeln", erklärt Lisztes, „das kann man ja auch verstehen." Ihm sei unter diesen Umständen allerdings keine andere Möglichkeit geblieben, als die Offerte seines Klubs auszuschlagen. „Die Zeit wird zeigen, ob es eine gute oder eine schlechte Entscheidung war", schließt Lisztes - so ganz wohl ist ihm offenbar nicht in seiner Haut.

Dass es letztlich nur an einer Woche gescheitert sein soll, sorgt allerdingsfür einige Verwunderung bei seinem Trainer. „Bei unserem letzten Gespräch hat er verdeutlicht, dass er keine Zeit mehr braucht. Eine Woche hätte ihm also auch nichts gebracht", sagt Thomas Schaaf, bevor er noch mal an den Verlauf der Verhandlungen erinnert: Seit November laufen die Gespräche, eigentlich habe sich Lisztes schon vor Weihnachten entscheiden sollen. „Ich kann einen Tag auf ein Papier starren und auch zehn Tage, aber dann erfahre ich
auch nicht mehr - die Situation war ausgereizt", pflichtet Sportdirektor Klaus Allofs dem Trainer bei.

Einer der Spieler, die nach Lisztes' Sichtweise Druck auf die Verhandlungen ausgeübt
haben, ist Gustavo Nery. Der Brasilianer, WM-Teilnehmer 2002, sollte bereits zur Winterpause verpflichtet werden, „aber das war finanziell nicht möglich", so Allofs. Jetzt, da die Bremer zumindest im Fall von Krisztian Lisztes Klarheit haben, sollen die ohnehin schon fortgeschrittenen Verhandlungen weiter intensiviert werden.
Gestern hatte der Sportdirektor allerdings einen Termin mit Ivan Klasnic, dem zweiten Bremer, dessen Vertragsverlängerung offenbar kein Selbstgänger ist. „Wir sind weiter gekommen und werden im Laufe der Woche nochmals reden", so Allofs. Geduld ist auch beim zweiten Stürmer aus Werders Sturmbesetzung gefragt: Ailton erschien mit einer Erkältung und leichtem Fieber zum Auslaufen.

Der Torjäger wurde zur Sicherheit wieder nach Hause geschickt, ob sein Einsatz am Sonnabend in Mönchengladbach gefährdet ist, werden die kommenden Tage zeigen. Auf Angelos Charisteas wird Thomas
Schaaf dagegen mit ziemlicher Sicherheit verzichten müssen: „Harry hat weiterhin Probleme im Adduktorenbereich. Aller Voraussicht nach wird er uns am Sonnabend nicht zur Verfügung stehen."

Das hochauflösende PDF der Original-Zeitungsseite gibt es hier (bei iOS den Link länger gedrückt halten).

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