Werder will Schwung aus Pokal mitnehmen Lukrativer Lernprozess

Die Stimmung nach dem Spiel gegen Fürth ist bei Werder gut: Das Team ist eine Runde weiter, es gibt eine ordentliche Geldprämie. Nun hofft Kohfeldt auf ein konstantes Spiel in der Liga.
03.02.2021, 18:29
Lesedauer: 3 Min
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Von Björn Knips

So richtig zufrieden ist Florian Kohfeldt eigentlich nie. Doch nach dem souveränen 2:0-Erfolg im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Greuther Fürth hielt der Coach des SV Werder Bremen kurz inne und stellte dann genüsslich fest: „Das gibt es wirklich selten im Leben eines Fußball-Trainers. Heute ist ziemlich viel in eine gute Richtung gelaufen. Die Jungs haben es stark gemacht, und wir haben die Belastungssteuerung gut hinbekommen.“ Ömer Toprak und Leonardo Bittencourt konnten nämlich ihre Blessuren auf der Bank weiter auskurieren, wurden nicht für den Notfall gebraucht. Der war nicht eingetreten, weil das Team seinen Lernprozess fortgesetzt und dem Verein ganz nebenbei auch noch eine schöne Pokal-Prämie von einer Million Euro beschert hatte. Nun hofft Kohfeldt, dass der spielerische Fortschritt auch in der Bundesliga konstanter zu sehen sein wird.

„Wir haben heute bewiesen, dass wir deutlich mehr in der Lage sind, auf Automatismen zu vertrauen und uns spielerisch durchzusetzen, wenn die individuelle Qualität des Gegners etwas sinkt“, sagte Kohfeldt und blickte kurz zurück: „Das war in jedem Pokalspiel so, das war in den Testspielen so - und das wird auch in der Bundesliga immer mehr - siehe die zweite Halbzeit gegen Augsburg oder die zweite Halbzeit gegen Schalke. Deswegen bin ich mit der Gesamtentwicklung zufrieden.“

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Die Phase, in der die Bremer nach dem Fast-Abstieg vor allem auf die defensive Stabilität gesetzt haben, könnte langsam enden. Kohfeldt dreht immer häufiger am berühmten Rädchen für die Balance zwischen Defensive und Offensive. Gegen Fürth hat er das schon ganz deutlich vor der Partie gemacht. Seine Spieler gingen sofort auf die Jagd, gaben dem Gegner kaum Ruhe. „Es war sehr wichtig, dass wir mit dieser Haltung ins Spiel gegangen sind, das kann gerade unterklassige Gegner verunsichern“, sagte Sportchef Frank Baumann.

Wenige Tage zuvor war das übrigens auch schon der Plan gewesen. Doch gegen den Tabellenletzten aus Schalke erreichten viele Spieler, vor allem die jungen, nicht ihr Limit, kamen ins Grübeln – und dann gegen die immer noch hohe individuelle Klasse des Gegners gar nicht mehr zurecht. Kohfeldt reagierte in der Pause, nahm das Trio Romano Schmid, Felix Agu und Manuel Mbom runter. Danach lief es viel besser.

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Nur Schmid durfte nun gegen Fürth wieder von Beginn an ran – und machte seine Sache ziemlich gut. Genauso wie später auch Agu, dem als Joker sogar das 2:0 gelang. Mbom bekam auch noch etwas Einsatzzeit. Und Kohfeldt freute sich: „Es war super wichtig, wie sie sich zurückgemeldet haben.“ Mentalcoach Jörg Löhr habe sich bei der Arbeit mit der Mannschaft eines bekannten Mottos bedient und eine wichtige Leitlinie geschaffen, so Kohfeldt: „Du kannst hinfallen, musst aber immer wieder aufstehen – und das so schnell wie möglich.“

Doch nicht nur der Mentalcoach hatte offenbar einen Anteil an der positiven Entwicklung, sondern auch ein gewisser Viktor Skripnik. „Die klare Ansage war: Nicht runterziehen lassen! Ein sehr guter Trainer, von dem ich viel gelernt habe, hat mal gesagt: Brust raus, aber nicht Nase hoch“, erinnerte Kohfeldt an seinen einstigen Chef. Nun hat er selbst das Sagen und hebt das gute Klima in der Mannschaft hervor. Bei allem Ehrgeiz würden sich die Spieler immer wieder gegenseitig helfen. Keiner würde zwar gerne auf der Bank sitzen, so der Coach, aber jeder respektiere die eigene Rolle – und sei dann voll da, wenn er gebraucht werde.

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Wie zum Beispiel Kapitän Niklas Moisander, der für den angeschlagenen Toprak die Abwehr organisierte. Mit dem Finnen auf dem Platz ist Werder in dieser Pokal-Saison in drei Spielen noch ohne Gegentor geblieben. „Niklas macht das überragend“, lobte Kohfeldt den 35-Jährigen.

Ganz ohne Kritik ging es dann aber doch nicht. Die Chancenverwertung gefiel Kohfeldt so gar nicht. Nach der frühen Führung durch Kevin Möhwald (12.) musste Werder lange warten, ehe Agu (73.) alles klar machte. „Wir hätten sehr viele Tore mehr schießen müssen“, haderte Kohfeldt, nahm aber Chancentod Josh Sargent ausdrücklich in Schutz: „Das wird kommen. Wir vergessen häufig, ich übrigens auch, wie jung Josh noch ist, weil er schon so lange zu uns gehört.“ Der Lernprozess ist bei Werder eben längst noch nicht abgeschlossen.

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