Interview mit Klaus Allofs "Manchmal braucht man einen Neuanfang"

Bremen. Kurz vor dem Bundesligastart steht Werders Geschäftsführer Klaus Allofs im Interview mit dem WESER-KURIER Rede und Antwort zur aktuellen Lage im Verein. Er spricht über Probleme, Ziele und blickt auf die letzte Saison zurück.
04.08.2011, 17:11
Lesedauer: 3 Min
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Von Olaf Dorow

Bremen. Nach sieben Jahren voller Erfolge und fast durchgängiger Champions-League-Teilnahme steht Werder vor einer Saison ohne Europacup-Spiele. Gelingt die Rückkehr ins internationale Geschäft? Olaf Dorow sprach mit Werder-Chef Klaus Allofs.

Herr Allofs, wo steht Werder im Sommer 2012?

Da kommen Sie ja gleich vorneweg mit der schwersten Frage. Wir wissen, dass so eine Saison von sehr vielen Kleinigkeiten abhängig ist. Ich bin aber schon zuversichtlich, dass wir in der oberen Hälfte dabei sein werden. Unsere Position, unsere Meinung ist, dass wir zu den Top-Klubs gehören. Diese Position haben wir nicht verloren.

Die letzte Saison war also nur ein Ausrutscher?

Ich würde das nicht als Ausrutscher bezeichnen. Keiner außer dem FC Bayern war in den letzten Jahren so konstant wie wir. Es gehört in unserem Metier dazu, dass man sich erneuern muss. Wenn man Champions League spielt, ist der Moment dafür eher schlecht, Veränderungen vorzunehmen. Insofern war das für mich eine Art zwangsläufige Geschichte. Wenn man dann noch ohne Naldo und fast ohne Pizarro spielt, dann kann so etwas eintreten.

Was sind neben diesen Ausfällen Ihre Gründe für Werders Scheitern im letzten Jahr?

Es war eine Saison nach der WM. Wir sind mit vielen sehr belasteten Spielern in die Saison gegangen. Dann kamen ganz früh die Spiele in der Champions-League-Qualifikation. Und dann hatten wir Schwierigkeiten, dass es in der Gruppe nicht so reibungslos ablief, wie wir uns das vorgestellt hatten.

Haben Sie den Faktor Teamgeist unterschätzt?

Wir haben in den letzten Jahren Außergewöhnliches erreicht. Manchmal konnten wir uns aus aussichtslosen Positionen noch für den internationalen Wettbewerb qualifiziert. Und nicht allein deswegen, weil wir besser waren als die anderen. Wir wissen, welche große Bedeutung der Zusammenhalt im Team hat. Wir haben das in der Winterpause korrigiert, aber viele Dinge hatten sich verselbständigt. Manchmal braucht man einen Neuanfang.

Der Neuanfang steht im Zeichen des Sparzwangs...

Wenn ich unsere Mannschaftsteile durchgehe, dann verfügen wir über sehr gute Spieler. Wenn im Abwehrbereich alle gesund sind, dannsind wir dort, abgesehen von den Außenpositionen, sogar außergewöhnlich stark besetzt. Im Mittelfeld sowieso, und auch im Sturm haben wir durch die Rückkehr von Markus Rosenberg Alternativen.

Kommt dem Teamgeist heutzutage eine größere Bedeutung zu als früher? Wenn man den Erfolg von Dortmund, Mainz oder Hannover sieht, könnte man das annehmen.

In Dortmund wird es auch wieder anders aussehen, wenn die vier, fünf Jahre wieder international gespielt haben. Ich denke, das sind immer so Zyklen, und das ist jetzt keine völlig neue Entwicklung im Fußball. Was sicherlich auffällig ist: Wir haben in Deutschland derzeit einen stärkeren Nachwuchs als in früheren Jahren.

Sie haben in Bremen zunächst mal weniger Einnahmen als früher. Gilt nun: Die fetten Jahre sind vorbei?

Für Werder Bremen können es auch fette Jahre sein, wenn man eine Mannschaft hat, für die man weniger Geld ausgibt. Wir können diese Rolle weiterspielen, es hängt davon ab,wie sich die jungen Spieler entwickeln.

Hat der öffentlich ausgetragene Konflikt um den Etat dem Image des Klubs geschadet?

Man ist als Spitzenverein eben automatisch Teil dieser Berichterstattung, die sich in Extremen bewegt. Ich glaube aber nicht, dass das jetzt ein Problem von Werder Bremen wird. Wenn jetzt bei uns von einer Schieflage gesprochen wird, dann müssten bei anderen Klubs noch ganz andere Begriffe benutzt werden.

Was wären die Auswirkungen, wenn Werder erneut den Europacup verpasst?

Wenn wir eine Mannschaft haben, die diese Ausrichtung hat, und wenn diese Mannschaft das nicht erreicht, dann müssen wir das verändern. Dann müssten wir mit einem anderen Etat arbeiten.

Das Interview ist ursprünglich im Sonderheft "Werder-Spezial" des WESER-KURIER erschienen.

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