Mbom kam mit 13 Jahren ins Werder-Internat

Ein Debüt mit sieben Jahren Anlauf

Nur einen Spieler holte Werder schon mit 13 Jahren ins Internat: Manuel Mbom. Der ambitionierte Plan von Manager Frank Baumann ging nun auf, Mbom schaffte sein Bundesligadebüt und spielte dabei richtig stark.
27.09.2020, 18:30
Lesedauer: 3 Min
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Ein Debüt mit sieben Jahren Anlauf
Von Jean-Julien Beer
Ein Debüt mit sieben Jahren Anlauf

Das Talent und sein Förderer: Manuel Mbom rennt vor Florian Kohfeldt über den Bundesliga-Rasen.

nordphoto

Spätabends nach dem wichtigen Sieg in Gelsenkirchen stand Frank Baumann in der leeren Schalker Arena und blickte zurück ins Jahr 2013. Damals, vor sieben Jahren, hatte Werder mit einer heiligen Regel gebrochen und einen erst 13 Jahren jungen Spieler aus Göttingen ins Werder-Internat geholt: Manuel Mbom. „Ich weiß noch, wie wir ihm und seiner Familie davon erzählt haben, dass es ein sehr langer Weg ist, wir aber dafür arbeiten, dass er eines Tages für Werder in der Bundesliga aufläuft“, erzählte der Bremer Sportchef, „und er hat sich das über die Jahre wirklich erarbeitet.“

Denn an diesem 26. September 2020 war es so weit, Mbom feierte sein Debüt in der Bundesliga. Mehr noch: Der inzwischen 20-Jährige stand in diesem bedeutenden Kellerduell sogar in der Startelf und verdiente sich eine gute Note. Baumann lobte: „Er hat abgeklärt, mutig, voller Leidenschaft und Elan gespielt – so, wie wir ihn kennen.“

Schon damals gab es viel Konkurrenz

Mbom sei damals „der erste und einzige Spieler gewesen, den wir schon im U14-Jahrgang geholt haben“, berichtete der Sportchef, „wir kannten ihn schon, hatten ihn zuvor bereits zwei Jahre über das Talentteam begleitet.“ Schon in jenen jungen Jahren sei Mbom „sportlich, körperlich und vom Kopf her sehr weit“ gewesen, erinnerte sich Baumann, „deshalb haben wir bei ihm eine Ausnahme gemacht. Und auch, weil die Konkurrenz damals schon sehr groß war. Wir wollten da nicht länger warten und hatten auch mit seiner Familie immer einen guten und engen Austausch darüber. Es standen alle dahinter, und Manuel hat sich auch immer dafür belohnt.“

Schon im Training wirkte es bei Werder in den vergangenen Tagen und Wochen nicht so, als ob da ein 20-jähriger Grünschnabel darum kämpfe, auch mal Bundesligaluft schnuppern zu dürfen. Mbom ist nach seiner erfolgreichen Leihe zum Drittligisten KFC Uerdingen körperlich sehr gereift, und auf keinen Fall ist er den meisten übrigen Werder-Profis in Sachen Robustheit deutlich unterlegen. Auch aufgrund dieser Eindrücke reifte in Florian Kohfeldts Gedanken die Idee, den jungen Mbom gegen die durchaus kräftigen Schalker von Beginn an zu bringen. „Er hat sich über die Vorbereitung angeboten und passte gut zu dem, was wir gegen Schalke machen wollte, nämlich ein aggressives und hohes Pressing spielen“, erklärte der Bremer Trainer. Deshalb brachte er Mbom nicht etwa, wie es in der Vorbereitung üblich war, in der Abwehr, sondern im Mittelfeld, mitten im Geschehen.

Lob von Trainer und Manager

„Ich bin sehr zufrieden mit ihm“, sagte Kohfeldt nach dem Bundesligadebüt seines Schützlings, „er hat das gemacht, was wir mit ihm besprochen und was wir erwartet haben. Er hat eine gute Aggressivität gegen den Ball eingebracht, aber keine übertriebene Härte. Er hat sehr abgeklärt gespielt, er wollte nichts Besonderes machen. Nervosität war aus meiner Sicht bei ihm nicht zu sehen.“ Auch Baumann, früher ein defensiv denkender Mittelfeldakteur von internationalem Format, war angetan von Mboms Spielanlage: „Er ist große Wege gegangen, mit einem hohen Tempo und hoher Intensität. Es freut mich, dass er zu seinem ersten Bundesligaeinsatz gekommen ist, er in der Startelf gestanden ist und er auch noch eine wirklich sehr ansprechende Leistung gezeigt hat.“

Ursprünglich war Mbom in dieser Saison als erster Ersatz für die Rechtsverteidiger-Position vorgesehen. „Er ist auch weiterhin der erste Backup für Theo Gebre Selassie“, erklärte Kohfeldt nach dem Spiel, „aber er hat uns jetzt auch im Mittelfeld die nötige Physis gebracht.“ Für Werders Trainer, im Vorjahr von nicht enden wollenden Personalproblemen geplagt, ist das nun eine komfortable Situation. Dass der Abwehrspieler Mbom nun im Mittelfeld überzeugt habe, das sei für ihn kein Widerspruch, sagte Kohfeldt mit zufriedener Miene, „sondern eine Erweiterung unserer Optionen“. Weitere Bundesligaspiele werden nach diesem Debüt sicher folgen.

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