Neuer Werder-Aufsichtsratsvorsitzender

Darum sieht sich Marco Fuchs als "Übergangslösung"

Der zum neuen Werder-Aufsichtsratsvorsitzenden gewählte Marco Fuchs sieht sich als "eine Übergangslösung". Warum, dazu nahm der 59-Jährige jetzt noch einmal Stellung.
11.10.2021, 19:19
Lesedauer: 4 Min
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Von Björn Knips

Seit 2014 ist Marco Fuchs im Aufsichtsrat des SV Werder Bremen – und seit wenigen Tagen nun der Vorsitzende des Kontrollgremiums. Was seine Vorgänger mit Stolz erfüllte, löste beim 59-Jährige eher Unbehagen aus.

Er hätte gerne auf dieses Amt verzichtet, was auch mit Marco Bode zu tun hat. Fuchs musste überredet werden. Und er machte umgehend nach seiner Wahl in einer Pressemitteilung und einem Video mit dem vereinseigenen Internet-Fernsehen deutlich, dass er sich nur als „eine Übergangslösung“ sieht. Schon in einem Jahr würde er den Vorsitz gerne wieder abgeben. Ein ungewöhnliches Verhalten, das für Fuchs aus verschiedenen Gründen allerdings alternativlos war, wie er nun noch mal erklärt hat.

„Das Beste wäre es, wenn der Vorsitz im Aufsichtsrat in den Händen des wieder- oder neugewählten Präsidenten liegen würde“, sagt Fuchs und verweist auf die gerade eingerichtete Strukturkommission. Die beschäftigt sich vor allem mit der Frage, ob der Verein als alleiniger Gesellschafter der ausgegliederten Kapitalgesellschaft für den Profi-Fußball weiterhin einen derer Geschäftsführer stellen darf. Aus Gründen von Good Governance, einer guten Unternehmensführung, sei die aktuelle Regelung nicht mehr zeitgemäß, so Fuchs.

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Aktuell ist Hubertus Hess-Grunewald gleichzeitig Präsident und Geschäftsführer. In einem Jahr endet seine Wahlperiode, ob er wieder antritt, ist noch offen. Es kommt ihm auch auf seine Perspektive an. Hess-Grunewald wird damit geködert, dass er als Präsident künftig automatisch Aufsichtsratsvorsitzender sein wird und dafür auch eine entsprechende Entlohnung bekommt. Entschieden ist noch nichts. Allerdings hofft Fuchs, dass die Strukturkommission, der er selbst angehört, bis Mitte 2022 Ergebnisse liefert. Die sollen dann im Spätherbst bei der nächsten Mitgliederversammlung umgesetzt werden.

Mindestens bis dahin behält Fuchs also den Vorsitz im Aufsichtsrat. Trotz dieser möglicherweise nur kurzen Amtszeit wäre der Vorstandsvorsitzende der OHB System AG gerne nur ein ganz normales Mitglied des sechsköpfigen Gremiums geblieben. Und das hat stark mit seinem Vorgänger Marco Bode zu tun. „Ich habe ihn sehr geschätzt. Er hätte Werder weiterhin gutgetan. Das ist nach wie vor ein großer Verlust“, sagt Fuchs über Werders Ehrenspielführer und gesteht: „Das ist auch ein bisschen der Hintergrund, warum ich selbst so zögerlich war bei der Übernahme dieser Rolle. Ich habe da eine Erwartungshaltung gespürt, die sportlichen Dinge so tief bewerten zu müssen, wie es Marco konnte. Aber das wird mir nicht möglich sein.“ Er sei nun einmal kein Ex-Profi. Und als solcher konnte Bode auch viel Zeit in seine Aufgabe bei Werder investieren. Fuchs ist das nicht möglich. „Ich bitte zu berücksichtigen, dass ich voll berufstätig bin. Ich will damit die Erwartungen an meine Person managen. Ich bin nicht der Aufsichtsratsvorsitzende, der derart intensiv in der Öffentlichkeit auftreten und sehr nah am operativen Geschäft dran sein wird.“

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Genau das hatte Bode gemacht. Er war ein Werder-Gesicht, wurde gerne auch mal vierter Geschäftsführer genannt, wogegen er sich selbst aber immer wehrte. Bode wurde zum Allrounder bei den Bremern, der den Bundesligisten gemeinsam mit den Geschäftsführern Klaus Filbry und Frank Baumann lenkte – und auch einen engen Kontakt zum damaligen Trainer Florian Kohfeldt pflegte. Fuchs geht einen ganz anderen Weg: „Es wird eher eine normalere Rolle sein, in der der Aufsichtsrat, wie es das Wort schon sagt, mehr Aufsicht und Rat gibt.“ Ohnehin plädiert er dafür, „jetzt nicht hektisch zu versuchen, mehr und alles intensiver zu machen. Wir brauchen etwas Ruhe und etwas Ordnung“.

Es klingt wie eine Ansage an seine neuen Kollegen im Aufsichtsrat. Harm Ohlmeyer, Florian Weiß, Dirk Wintermann und Ulrike Hiller wurden neu in das Kontrollgremium gewählt. Sie hatten sich zuvor mächtig ins Zeug gelegt, um die Mitglieder zu überzeugen – mit Ideen und Visionen. Von neuen Investoren war die Rede, von einem großen Wunsch nach Veränderungen und der Lust am Mitgestalten. „Wir haben auch in der Vergangenheit versucht, unsere Fähigkeiten und Stärken einzubringen“, hält Fuchs dagegen. Die Ankündigungen seiner neuen Kollegen seien eben auch dieser ersten echten Wahl geschuldet. Bislang waren die Kandidaten stets en bloc gewählt worden, hatten keine Niederlage zu befürchten. 

Das engagierte Auftreten der Kandidaten löste allerdings auch eine gewisse Aufbruchstimmung im und um den Verein aus. Die wird von Fuchs nun etwas gebremst, was er selbst gar nicht abstreitet, aber anders einordnet: „Dass wir vorangehen und etwas aufbauen wollen, ist doch klar. Dass der Aufsichtsrat da eine gewisse Rolle spielt, ist auch klar. Aber ich glaube nicht, dass das Signal des Aufbruchs so zentral vom Aufsichtsrat kommen muss. Das muss erst mal aus dem sportlichen Bereich kommen.“

Geht es nach Fuchs, wird der Aufsichtsrat künftig also eher im Hintergrund agieren. Ob das im Sinne aller Mitglieder ist, wird sich zeigen. Bei der Abstimmung über Fuchs herrschte zwar Einigkeit, wahrscheinlich aber nur, weil eine Alternative fehlte. Favorit Harm Ohlmeyer hatte abgewunken. Der Finanzvorstand von adidas hielt sich für den Vorsitz für ungeeignet, weil er nicht in Bremen wohnt. Das gilt auch für Axel Plaat und Florian Weiß sowie mit Abstrichen für Dirk Wintermann, der im niedersächsischen Umland lebt. Als echte Bremer blieben nur Fuchs und Hiller, die nun Stellvertreterin ist. Wie lange das alles so bleibt, ist offen – für Fuchs aber kein Problem: „Für mich ist es kein Makel, darauf hinzuweisen, dass diese Konstellation vielleicht nicht für die ganzen vier Jahre gilt. Man sollte nicht überbewerten, ob ich oder jemand anders den Vorsitzenden macht.“
 

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