Kohfeldt-Verletzung beeinflusst Vorbereitung

Matchplan im Wohnzimmer

Aufgrund einer Fußverletzung fehlt Florian Kohfeldt kurz vor Rückrundenauftakt im Training. Als Reaktion darauf wurde die Gegneranalyse ins Wohnzimmer des Trainers verlegt. Beim Spiel ist Kohfeldt wieder dabei.
19.01.2020, 08:22
Lesedauer: 3 Min
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Matchplan im Wohnzimmer
Von Christoph Sonnenberg
Matchplan im Wohnzimmer

Zur Besprechung des Düsseldorf-Spiels trifft sich das Trainer-Team im Wohnzimmer Florian Kohfeldts.

Kokenge

Verschwörungstheoretiker hätten vermutlich ihren Spaß daran, dass Werder nach den vielen verletzten Spielern der Hinrunde das Unheil auch im neuen Jahr treu bleibt. Ausgerechnet jetzt, vor dem so wichtigen ersten Spiel der Rückrunde bei Fortuna Düsseldorf am Sonnabend, hat sich der Trainer verletzt. Seit Mittwoch schon fehlt Florian Kohfeldt bei den Übungseinheiten am Weserstadion. „Krankheitsbedingt", teilte Werder zunächst mit. Um eine Krankheit handelt es sich aber eher nicht, wie am Donnerstag herauskam. Kohfeldt hat sich am Fuß verletzt und das offenbar ziemlich heftig.

„Florian hat richtig Schmerzen. Er kann nicht auftreten und hat Bettruhe verordnet bekommen. Er wurde untersucht und behandelt", teilte Frank Baumann am Donnerstag auf der Pressekonferenz in einem ausführlichen Krankenbericht mit. „Wir hoffen, dass er Freitag beim Training dabei sein kann." In jedem Fall würde die Verletzung des Trainers einen Wendepunkt markieren nach all den Ausfällen, die die Mannschaft hinnehmen musste, so Baumann. „Es war der Höhepunkt – oder der Tiefpunkt, je nachdem, wie man es sehen möchte. Ab jetzt geht es aufwärts. Ich hoffe, dass wir da in der Rückrunde etwas mehr Glück haben werden."

Besprechung in Schwachhausen

Der malade Fuß mag Kohfeldt davon abhalten, auf dem Platz zu stehen. Von der Arbeit hält ihn die Verletzung, deren Ursprung Werder geheim hält, nicht ab. Dann fährt er jetzt eben nicht zur Arbeit, sondern die Arbeit kommt zu ihm. Kurzerhand wurde die obligatorische Besprechung des Matchplans, also wie Werder die Fortuna bespielen will, vom Weserstadion in Kohfeldts Wohnzimmer verlegt. Dort, im Herzen Schwachhausens, traf sich am Donnerstag das Trainer-Team, der Videoanalyst Mario Baric und Baumann, um auszuhecken, wie Düsseldorf zu knacken ist.

Es soll ja nicht so weitergehen im neuen Jahr, wie das alte geendet ist. Dafür trifft es sich gut, dass die Bremer auswärts antreten müssen. Im Weserstadion war die Punktausbeute noch magerer als in der Fremde, ganze fünf Zähler gegenüber neun. Passend ist auch der Gegner, Düsseldorf überholte Werder am letzten Spieltag des vergangenen Jahres in der Tabelle und liegt nun einen Punkt vorn. Ein Sieg würde sich sofort im Tabellenstand widerspiegeln, was durchaus ein zusätzlicher Anreiz ist. „Das kann helfen„, bestätigte Baumann die besondere Konstellation und fügte dann hinzu: „Insbesondere, wenn man das Spiel gewinnt.“

Vogt als Hoffnungsträger

Das ist natürlich der Plan. Auch wenn nach der kurzen Vorbereitung inklusive der acht Tage Trainingslager auf Mallorca eine Standortbestimmung schwierig ist. Der Sportchef gibt zu, dass nicht alles so glatt gelaufen sei, „wie wir uns das vorgestellt haben". Es gebe trotzdem einige Anzeichen einer Wende zum Besseren. Zum einen die Einsicht der Spieler nach den vier Niederlagen zum Jahresausklang. Sehr selbstkritisch seien sie gewesen, sagt Baumann. Dann der Urlaub, der wichtig war, „um den Kopf frei zu bekommen". Auch die Trainingseinheiten und Testspiele waren ganz in Ordnung und haben in der Summe dazu geführt, dass die Spieler „in kleinen Schritten wieder selbstbewusster auftreten".

Einer, der das Selbstvertrauen nicht erst in kleinen Schritten erlernen muss, ist Kevin Vogt. Seit Sonntag ist er in Bremen, nicht mal eine handvoll Trainingseinheiten hat die Leihgabe aus Hoffenheim mit den neuen Kollegen in den Beinen. Ein Problem scheint das nicht zu sein, zumindest ist Baumann davon überzeugt. Vogt habe der Mannschaft einen neuen Impuls versetzt. „Kevin trägt das Selbstvertrauen in sich und dokumentiert das auf dem Platz. Er hilft der Mannschaft, mit einem anderen Gesicht aufzutreten."

Toprak wie ein Neuzugang

In ähnlicher Form soll das auch Ömer Toprak schaffen, wenngleich er schon seit Sommer für Werder spielt. Nur nicht allzu regelmäßig, vier Einsätze waren es bisher. Auch Toprak sieht der Sportchef deshalb eher unbelastet von all schlimmen Erlebnissen der jüngeren Vergangenheit, mangelndes Selbstvertrauen sollte auch bei ihm kein Problem sein. „Ein Stück weit ist er ein Neuzugang„, sagt Baumann. Und ein gesunder noch dazu, wie er betont: „Ömer macht einen sehr guten Eindruck. Die 90 Minuten sind kein Problem. Er wird voll dabei sein, voll fit sein.“

Das gilt in abgeschwächter Form auch für Fin Bartels, der unter der Woche wieder ins Training eingestiegen ist. Bartels bezeichnet Baumann als Kaderkandidat. Bei Milos Veljkovic und Claudio Pizarro sieht es ebenfalls gut aus. Auch bei Leonardo Bittencourt, der Mittwoch ein Training ohne Probleme absolviert hat. Donnerstag spulte er ein leicht reduziertes Pensum ab. Sie alle werden in Düsseldorf dabei sein, sagt Baumann.

Augustinsson fällt aus

Fehlen wird hingegen Ludwig Augustinsson, was wenig überrascht. Mannschaftstraining war in dieser Woche noch nicht möglich. „Da müssen wir Vorsicht walten lassen, ein Einsatz Sonnabend ist ausgeschlossen", sagt Baumann. Auf der linken Seite dürfte Marco Friedl verteidigen.

Aber es gibt noch eine gute Nachricht zur Personalsituation: in Düsseldorf ist Kohfeldt definitiv dabei. Die Abschlussbesprechung am Freitagabend im Hotel wird er leiten und am Sonnabend am Spielfeldrand stehen. Wobei: „Vielleicht wird Florian ein bisschen mehr sitzen, als man es sonst gewohnt ist."

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