Werders heutiger Testgegner RB Leipzig Mateschitz ist der starke Mann

Blankenhain. Werders heutiger Testspielgegner RB Leipzig tut sich schwer damit, wie ein normaler Verein zu handeln. So sind aktives und passives Wahlrecht nur ausgewählten "oderdentlichen Mitgliedern gestattet.
23.07.2013, 05:00
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Mateschitz ist der starke Mann
Von Thorsten Waterkamp

Blankenhain. Die Kühlschränke sind allgegenwärtig. In jedem Büro von RB Leipzig steht einer, gefüllt mit Red Bull und anderen Getränken aus dem Hause des österreichischen Brause-Imperiums. So ist das in der Firmen-Welt der roten Bullen, und Rasenballsport Leipzig e.V. macht da keine Ausnahme.

Wobei sie in Leipzig großen Wert auf das unscheinbare Anhängsel legen, das sie als "eingetragener Verein" ausweist. Doch Werders heutiger Testspielgegner (Anstoß: 18 Uhr) tut sich schwer damit, zu handeln wie ein normaler Verein.

Es ist gar nicht einfach, Informationen über das Konstrukt zu bekommen, das am 19. Mai 2009 Eingang ins Vereinsregister fand. Eine Anfrage zur Struktur von RB Leipzig, zum Verhältnis der beiden Machtzentren Ehrenrat und Vorstand? Nein, bescheidet Pressesprecher Sharif Shoukry, "zu heikel, um sie am Telefon beantworten zu können". Was daran heikel sei? "Aus unserer Sicht ist nichts heikel." Antworten gibt’s dennoch nicht.

Zuletzt berichtete die "Sächsische Zeitung" über Umstände, die so gar nicht ins Bild eines eingetragenen Vereins passen. Es ging um die Satzung von RB, die – kurz gesagt – wenigen Personen komplette Machtfülle erlaubt. Denn aktives und passives Wahlrecht (und damit Mitbestimmung), sonst essenzieller Bestandteil eines Vereins, wird bei RB satzungsgemäß nur ausgewählten "ordentlichen Mitgliedern" gestattet.

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Derer gibt es, bestätigt Shoukry gegenüber dem WESER-KURIER, genau neun – laut Medienangaben aktuelle oder ehemalige hochrangige Red-Bull-Mitarbeiter. Sie wählen den dreiköpfigen Ehrenrat, der wiederum den ebenfalls dreiköpfigen Vorstand beruft. Die übrigen 251 Rasenballsportler dürfen an Mitgliederversammlungen teilnehmen. Aber abstimmen? Nein.

Wer von ihnen den Wunsch verspürt, selbst in den erlesenen Kreis der ordentlichen Mitglieder aufgenommen zu werden, hat es nicht leicht. 800 Euro wären als Jahresbeitrag zu zahlen, 100 Euro darüber hinaus als Aufnahmegebühr. Doch selbst Geld ebnet keinesfalls den Weg: Der Vorstand kann das Aufnahmegesuch ablehnen – ohne Angabe von Gründen.

RB-Geschäftsführer Ulrich Wolter, ein Bremer, beschrieb einem Leipziger Radiosender kürzlich die Gründe für die Ausgrenzung. Große Mitgliederversammlungen hätten bei anderen Klubs "zu kuriosen Entscheidungen oder zu Besetzung von Aufsichtsratspositionen geführt, die nicht immer zum Wohl des Vereins waren". In Leipzig muss man sich nicht mit solch aufmüpfigen Mitgliedern herumschlagen – und alles im Namen der Dose.

Denn die uneingeschränkte Kontrolle über RB Leipzig liegt in Fuschl am See, dem Stammsitz des Brause-Konzerns. Das Sagen hat dort ein einziger Mann: Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz. Der Herr der Dosen nutzt die Allgewalt, greift in Leipzig regelmäßig direkt ein, heuert und feuert Personal und kontrolliert selbst vermeintliche Kleinigkeiten – und sei es ein Spielansetzungsplakat des Drittliga-Aufsteigers.

Auch dem DFB war das Konstrukt RB Leipzig nicht geheuer. Zweieinhalb Jahre stritten "Verein" und Verband, ehe sie sich kürzlich einigten. Ergebnis der Einigung? Geheim – hüben wie drüben. Nur so viel will Shafir Shoukry verraten: "Die Satzung ist mit den Richtlinien des DFB vereinbar."

Mit der 50+1-Regel übrigens auch – zumindest streng juristisch. Denn die Vorgabe, die besagt, dass ein Verein eine Mehrheit (mindestens 50 Prozent plus eine Stimme) an seiner ausgelagerten Profifußball-Gesellschaft halten muss, umdribbelt RB erstligareif. Ein solches Fußballunternehmen gibt’s in Leipzig schlichtweg nicht.

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