Stabilisator mit Torriecher Maximilian Eggestein überzeugt bei Werder

Maximilian Eggestein stammt aus Werder-Jugend. Wegen anhaltender Verletzungsprobleme kommt er zu mehr Einsätzen als erwartet - und überzeugt dabei, nicht nur wegen seines ersten Bundesliga-Tores.
06.04.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Maximilian Eggestein überzeugt bei Werder
Von Nikolai Fritzsche

Maximilian Eggestein stammt aus Werder-Jugend. Wegen anhaltender Verletzungsprobleme kommt er zu mehr Einsätzen als erwartet - und überzeugt dabei, nicht nur wegegen seines ersten Bundesliga-Tores.

Vor einer Woche kam Maximilian Eggestein ins Grübeln. Herthas Verteidiger Peter Pekarik hatte im Spiel gegen die TSG Hoffenheim sein erstes Bundesligator erzielt, bei seinem 151. Einsatz. „Als er das Tor geschossen hat, habe ich mich gefragt, wie lange ich wohl brauchen werde“, sagte Werders Mittelfeldspieler. In der 80. Minute der Partie gegen Schalke 04 war die Frage beantwortet: Eggestein hatte per Kopf sein erstes Tor erzielt – im 18. Bundesligaspiel. „Seit ich hier bin, habe ich davon geträumt, vor der Ostkurve für Werder zu treffen“, sagte Eggestein.

Auch Sportchef Frank Baumann war in dieser Minute richtig glücklich. Nicht nur, weil das Spiel durch Eggesteins 3:0 zu Werders Gunsten entschieden war. Sondern auch, weil es für ihn „eine schöne Geschichte“ war, dass Eggestein, der im Alter von 14 Jahren in Werders Internat kam, vor der Fankurve sein erstes Tor erzielt hatte. „Maxi hat hart dafür gekämpft, aber auch immer die Geduld gehabt, die junge Spieler brauchen, um den Durchbruch zu schaffen“, sagt Baumann. „Als er in dieser Saison einen Schritt zurückmachen musste, hat er das super angenommen.“

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Eggestein verbrachte fast die komplette Hinrunde bei der zweiten Mannschaft, stand in dieser Zeit nur bei einem Bundesligaspiel im Kader – um in der Rückrunde plötzlich zu einem wichtigen Bestandteil der Profi-Mannschaft zu werden. Die vielen Verletzungen im zentralen Mittelfeld haben ihm zu seiner Chance verholfen, und er hat sie genutzt. „Er hat das Vertrauen bei seinen Einsätzen sofort gerechtfertigt“, sagt Trainer Alexander Nouri. „Sofort“ bedeutet hier zweierlei: Erstens, dass Eggestein schon bei seinem ersten Einsatz unter Nouri in der Partie gegen den FC Bayern eine gute Leistung zeigte. Und zweitens, dass der 20-Jährige immer sofort voll im Spiel drin ist – auch dann, wenn er direkt von der Bank auf den Rasen muss.

Eggestein überzeugt als Einwechselspieler

Gegen Bayern war das so, da verletzte Claudio Pizarro sich nach 19 Minuten. Auch in Mainz und gegen Darmstadt wurde Eggestein nach Verletzungen von Thomas Delaney beziehungsweise Zlatko Junuzovic eingewechselt. Gegen Schalke war es wieder der Schlüsselspieler Delaney, für den Eggestein einspringen musste. Die Art, wie ihm das gelang, hat Zlatko Junuzovic tief beeindruckt: „Thomas ist extrem wichtig für uns. Dann kommt Maxi für ihn rein und spielt, als wäre er ein total erfahrener Spieler.“

Nouri weiß, dass er sich auf den Mann mit der Trikotnummer 35 verlassen kann, egal, ob er ihn von Anfang an einsetzt – wie in Wolfsburg, Leverkusen und Freiburg – oder einwechselt. „Wir sind von seiner Stabilität überzeugt“, sagt der Trainer. Das war es auch, was Eggestein Werder bei seinen Einsätzen gab: Stabilität. Meist setzte Nouri Eggestein nämlich im defensiven Mittelfeld ein. In der U 23 spielte er hingegen fast immer weiter vorn, auf seiner angestammten Position im offensiven Mittelfeld.

Baumann: „Maxi verfügt über mehr Offensivqualitäten als ich"

Als ein Reporter den älteren der beiden Eggestein-Brüder mit dem Spieler Frank Baumann verglich, war Werders Sportchef folglich nicht ganz einverstanden. „Ich sehe da schon einen Unterschied“, sagt Baumann. „Maxi verfügt über deutlich mehr Offensivqualitäten als ich. Auch wenn er in einer eher defensiven Position spielen wird, wird es nicht sein letztes Tor gewesen sein.“

Ob vor der Abwehr oder weiter vorn – die Verantwortlichen bei Werder trauen Eggestein viel zu. „Wir wissen um sein Potenzial“, sagt Nouri. Es deutet viel darauf hin, dass Eggestein der nächste Spieler aus Werders Nachwuchs sein kann, der sich bei den Profis dauerhaft etabliert. Damit könnte er gleich in zweifacher Hinsicht der Nachfolger von Florian Grillitsch werden. Zum einen, weil der 21-jährige Österreicher der bisher Letzte war, der bei Werder den Sprung aus dem Jugendbereich zu den Profis geschafft hat. Und zum anderen, weil sie ihm bei Werder zutrauen, Grillitsch zu ersetzen, der am Ende der Saison nach Hoffenheim wechselt. Als der Wechsel im Januar bekannt gegeben wurde, sagte Sportchef Baumann, Eggestein könne Grillitschs Rolle möglicherweise übernehmen.

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Wenn Werder Eggestein die Perspektive bietet, in der kommenden Saison die Chance auf einen Stammplatz zu haben, ist die Chance sehr groß, dass Eggestein in Bremen bleibt. „Das Interesse an einer Vertragsverlängerung ist auf beiden Seiten groß“, sagt Baumann. „Maxi fühlt sich bei uns sehr wohl.“ Eggestein sagte nach dem Spiel gegen Schalke, er sei definitiv gesprächsbereit, wolle aber „erst mal die Saison zu Ende spielen“. Baumann findet es „verständlich, dass er noch ein bisschen abwarten will“. Eggestein ist zwar in der Rückrunde wichtig für Werder geworden, aber er ist immer noch ein Ergänzungsspieler, dessen Einsatzzeiten von den Verletzungen der etablierten Spieler abhängen. Gelingt es Eggestein, seine Leistungen zu bestätigen, müsste Werder für das zentrale Mittelfeld zur nächsten Saison nicht unbedingt einen Kracher verpflichten, sondern vielleicht eher einen Back-up-Spieler.

Wie es sich anfühlt, Stammspieler zu sein, kann Eggestein in den nächsten Wochen schon mal erleben. Wegen der Verletzung von Thomas Delaney dürfte er in Frankfurt und auch im Nordderby gegen den HSV am Ostersonntag zur Startelf gehören.

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