Werder Bremen Mehmet Ekici steht im Abseits

Bremen. Seit vier Wochen wechselt Robin Dutt Mehmet Ekici nicht mal mehr ein. Er bleibt in seiner inzwischen dritten Werder-Saison ein Versprechen.
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Mehmet Ekici steht im Abseits
Von Olaf Dorow

Er schien zu den Profiteuren des Trainerwechsels von Thomas Schaaf zu Robin Dutt zu gehören. Doch seit vier Wochen wechselt ihn Robin Dutt nicht mal mehr ein. Mehmet Ekici (23) bleibt in seiner inzwischen dritten Werder-Saison ein Versprechen. Die Idealposition für den Kreativspieler sei noch nicht gefunden, gibt Dutt zu. Ekici selbst schweigt vorerst lieber.

Nach übereinstimmenden Berichten sind Fußball-Trainer wie Puzzle-Spieler. So geübt sie aber auch sein mögen, es bleiben stets ein paar Puzzleteile übrig – in den seltensten Fällen kommt es vor, dass nur exakt elf Profis bereitstehen, um sie zu einer Mannschaft zusammenzufügen. In letzter Zeit bleibt bei Werder Bremen andauernd Mehmet Ekici übrig. Einsatzzeit seit Mitte Oktober: null Minuten. Er ist dabei weder verletzt noch krank noch gesperrt. Er ist außen vor. Mal wieder.

Das ist inzwischen zum Merkmal seiner Werder-Zeit geworden. Ein allseits als begabt eingeschätzter Mittelfeldspieler kommt nicht zum Zuge. Schon bei Thomas Schaaf war das so, der ihn 2011 holte und Großes mit ihm vorhatte. Auch als Robin Dutt im Sommer Schaaf ablöste, schien der Trainer sehr angetan zu sein vom türkischen Nationalspieler, der beim FC Bayern aufwuchs und beim FC Nürnberg brillierte. Dutt brachte ihn regelmäßig, ehe er ihn seit vier Spielen nicht mal mehr einwechselt. Was ist passiert? „Tja, ich weiß auch nicht, was da im Trainerkopf immer so vorgeht“, sagt Dutt. Eine solche Frage muss erstmal ausweichend beantwortet werden, das macht man so im Fußball-Business, wo alles immer alles gleich eine große Geschichte ist.

Konkurrenz im Vorteil

Einen kleinen Einblick in den Kopf des Trainers gewährte Dutt später doch. „Im Mittelfeld sind da halt ein paar Spieler, auf die ich ungern verzichte und die ich auch ungern auswechsle“, sagt er. Und beschreibt, wie beim Puzzlen das Teilchen mit Ekicis Namen plötzlich über ist. Auf der Position des Zehners sei es schwer, an Aaron Hunt vorbeizukommen. In einem Modell mit zwei Sechsern vor der Abwehr, sei es ebenso schwer, an Cedrick Makiadi und Felix Kroos vorbeizukommen.

Lesen Sie auch

Ein Spiel mit nur einem Sechser wiederum sei nicht unbedingt etwas für Mehmet Ekici. Außerdem sei es in diesem Fall immer schwerer, an Felix Kroos vorbeizukommen. „Wir haben in diesem Jahr noch nicht die Position für Mehmet gefunden“, gibt Dutt zu. Wenn in diesem Moment Thomas Schaaf neben ihm gestanden hätte, dann hätte der ergänzen können: In den letzten beiden Jahren auch nicht.

Unter Schaaf sollte er ein Spielmacher sein, doch Schaaf gab das Experiment bald auf. Unter Dutt erinnerte nur noch die Nummer zehn auf dem Trikot an den Spielmacher Ekici. Dutt setzte ihn vorwiegend auf der Seite ein. Von dort aus gelang dem Profi, dem am Ball einerseits großes Geschick, andererseits ein gewisses Phlegma unterstellt wird, zwar das Tor des Tages beim wichtigen 1:0-Sieg gegen Augsburg.

Es folgten aber weder weitere Tore noch Torvorlagen. Auf dem Flügel zu spielen mag er nicht so sehr, wie in der Mitte zu spielen, als Zehner, Achter oder Sechser, hatte Ekici gesagt. Als er noch spielte. Seit er nicht mehr spielt, sagt er auch nichts mehr. Interviewanfragen lehnt er ab. Das hat er auch so gemacht, als Thomas Schaaf ihn dauerhaft nicht mehr berücksichtigte. Aus dem sportlichen Tief hat er sich zwar herausgewühlt, aber nur, um erneut in eines hineinzurutschen. Das nagt an ihm. „Es wäre komisch, wenn man ihm das nicht anmerken würde“, sagt Dutt.

Werders Sportchef Thomas Eichin sagte jüngst der Syker Kreiszeitung auf die Frage, ob Ekici ein Verkaufskandidat sei: „Nein. Die Saison ist lang. Er ist ein Kreativspieler, den du brauchst.“ Weil aber 2015 Ekicis Vertrag ausläuft, und weil deswegen nur noch 2014 eine Ablösesumme für den einst fünf Millionen Euro teuren Bayernprofi zu erzielen wäre, kursieren Gerüchte auf dem Transfermarkt. Türkische Medien verbreiteten die Überlegungen von Galatasaray-Trainer Roberto Mancini, wieder mehr türkische Nationalspieler in sein Team nach Istanbul zu holen. Dabei sei angeblich auch der Name Ekici gefallen. Zur türkischen Nationalmannschaft wurde er allerdings seit 13 Monaten nicht mehr eingeladen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+