Poker um Junuzovic geht weiter Mehr als ein Kaffeekränzchen

Frank Baumann war am Mittwoch öffentlich bemüht, das Treffen mit Trabzonspor-Präsident Muharrem Usta herunterzuspielen. Derweil laufen im Hintergrund die Verhandlungen weiter.
05.07.2017, 19:44
Lesedauer: 3 Min
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Mehr als ein Kaffeekränzchen
Von Christoph Sonnenberg

Vertragsverhandlungen im Fußball können mitunter eine äußerst komplizierte Angelegenheit sein. Anders als in anderen Wirtschaftsbranchen unterliegt der Fußball einer extremen Beobachtung durch die Medien. Das kann ein Nachteil sein, etwa wenn die Konkurrenz durch eine Meldung erst auf die Idee kommt, diesen oder jenen Spieler ebenfalls verpflichten zu wollen. Es kann aber auch ein Vorteil sein. Ein Klub, ein Spieler oder sein Berater können Druck aufbauen, um eigene Interessen besser und leichter durchzusetzen.

Ein gutes Beispiel sind die Verhandlungen zwischen Werder und Trabzonspor über einen Transfer von Zlatko Junuzovic (29). Der türkische Erstligist will den Österreicher an die Schwarzmeerküste holen, und Junuzovic ist einem Wechsel nicht abgeneigt. In der Türkei wäre sein Gehalt höher als die 2,4 Millionen Euro, die er in Bremen pro Jahr kassiert. Und der Steuersatz niedriger. Es wäre der letzte große Vertrag seiner Karriere, ein goldener Herbst im Urlaubsparadies. Kurz gesagt, ein verlockendes Angebot.

Erste Verhandlungen am Montag

Aber Werder will Junuzovic nicht gehen lassen. Das sagt Frank Baumann zumindest öffentlich. „Wir haben sehr klar betont, unsere Leistungsträger halten zu wollen. Es gibt von uns keinerlei Bestreben, ihn abzugeben. Wir haben sportliche Ambitionen und dafür brauchen wir Zlatko.“ Das klingt eigentlich wie eine klare Absage an Trabzonspor, die Verhandlungen könnten damit beendet sein. Das sind sie aber natürlich nicht.

Am Montag verhandelte Baumann mit Trabzonspor Präsident Muharrem Usta, es war das erste Treffen beider Parteien. Ein Ergebnis hatte das Gespräch nicht zur Folge. „Wir hatten einen netten Austausch. Trabzon hat sich bedankt für die Getränke und den Kaffee. Da ist soweit alles gut“, sagt Baumann. Es klingt wie ein Kaffeekränzchen. Und tatsächlich wollte der Manager dieses Treffen nicht mal als Verhandlung bezeichnen. „Es sagt keiner, dass wir verhandelt haben. Es gab den Wunsch nach einem Treffen. Wir haben uns ausgetauscht und soweit alles besprochen, was es zu besprechen gibt.“

Dass der Präsident von Trabzonspor einfach mal für einen Austausch und eine Tasse Kaffee aus der Türkei nach Bremen fliegt, ist wenig wahrscheinlich. Im Vorfeld einer Verhandlung klopfen Berater ab, ob grundsätzlich die Möglichkeit eines Transfers besteht. Es ist also Teil der Strategie, die Verhandlung als eine ernsthafte Angelegenheit zu bezeichnen oder eben nicht.

Stattdessen dreht Werder den Spieß um. Nun will der Klub den in einem Jahr auslaufenden Vertrag mit Junuzovic verlängern. „Wir haben bereits Ende der Saison gesagt, dass wir uns zusammensetzen werden. Das werden wir jetzt in der Vorbereitung tun“, sagt Baumann. Nach fünfeinhalb Jahren in Bremen ist Junuzovic eines der Gesichter des Klubs. Baumann: „Zlatko weiß, dass er hier die Wertschätzung hat. Das war all die Jahre so und ist sicher nicht weniger geworden.“

Im Hintergrund wird weiter gesprochen

Trotz des öffentlichen Bekenntnisses zu Junuzovic laufen die Gespräche mit Trabzonspor im Hintergrund weiter. Am Mittwoch, als Baumannn erklärte, Junuzovic nicht gehen lassen zu wollen, gab es nach Informationen des WESER-KURIER ein weiteres Treffen mit dem türkischen Klub. Präsident Usta weilte noch immer in Bremen und traf sich erneut mit Baumann. Die Bremer sind also zu weiteren Verhandlungen bereit. Dafür, dass Werder Junuzovic doch ziehen lässt, muss Trabzonspor das abgegebene Angebot erhöhen. 3,5 Millionen Euro als erstes Gebot sind zu wenig, Werder verlangte im Gegenzug sieben Millionen für den Österreicher. Zu viel für Trabzonspor. Jetzt geht es darum, ob sich beide Seiten aufeinander zu bewegen.

Der Geschäftsführer Sport hat vergangenen Montag den Abschied weiterer wichtiger Spieler ausgeschlossen. Gnabry, Fritz, Wiedwald, Pizarro, Garcia musste oder hat Werder ziehen lassen. Wichtige Figuren im komplizierten Gebilde einer Mannschaft. Denn auch wenn Pizarro keinen Stammplatz mehr hatte, war er für die Mannschaft wichtig. In der Kabine, im Training, mit einem hohen Stellenwert in der Hierarchie. Mit Junuzovic würde ein weiterer wichtiger Baustein wegfallen, sollte er in die Türkei wechseln.

Aber natürlich hat bei einem Klub wie Werder alles seinen Preis. Und darum sagt Baumann zum einen, dass er Junuzovic nicht gehen lassen will. Er sagt aber auch: „Im Fußball sollte man nichts ausschließen.“ Er hätte auch sagen können, der Preis muss stimmen. Denn am Ende geht es natürlich um Geld.

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