Werder-Neuzugang Mehr Optionen dank Laszlo Kleinheisler

In Laszlo Kleinheisler hat Werder Bremen für eine Ablöse von rund 300.000 Euro einen interessanten Spielertypen verpflichtet. Die Verantwortlichen trauen dem Ungarn viel zu - und der Spieler will erst einmal schnell Deutsch lernen.
21.01.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Mehr Optionen dank Laszlo Kleinheisler
Von Olaf Dorow

Werders Neuzugang Laszlo Kleinheisler unterschreibt in Bremen einen langfristigen Vertrag – und will der Mannschaft schon in Kürze helfen. Die Ablösesumme soll sich auf rund 300.000 Euro belaufen.

Man muss dazu anmerken, dass der Werder-Weg keine Werder-Erfindung ist, man findet ihn überall. Zum Beispiel in Ungarn: Dort gründete man vor einigen Jahren eine Jugend-Akademie, deren Ziel und Anspruch schon am Namen abzulesen war. Sie wurde zu Ehren des wohl berühmtesten ungarischen Fußballers aller Zeiten Ferenc-Puskas-Akademie genannt. Neue Puskas für Ungarn, das wär’s. An der Akademie wuchs dann der heute 21 Jahre alte Mittelfeldspieler Laszlo Kleinheisler heran, der im November vergangenen Jahres vielleicht nicht gleich zum Puskas des 21. Jahrhunderts wurde. Aber immerhin zu einem Mann, den seitdem ganz viele Leute kennen in Ungarn.

Probe in Werders Trainingslager

Kleinheisler schoss am 12. November im Hinspiel der EM-Qualifikation in Oslo das 1:0 gegen die favorisierten Norweger. Es war Kleinheislers erstes A-Länderspiel und es war ein Tor, dass im ungarischen Fußball seinen gebührenden Platz finden wird. Das Team, trainiert von den Deutschen Bernd Storck und Andreas Möller, besiegte Norwegen auch im Rückspiel – Ungarn darf erstmals seit 44 Jahren wieder bei einer Europameisterschaft mitspielen.

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Und Werder hat ab sofort mit der Rückennummer 6 einen EM-Teilnehmer im Kader, der quasi weit weg von Bremen den gewünschten Werder-Weg gegangen ist. In der vergangenen Woche hatte er zur Probe in Werders Trainingslager in der Türkei mitgespielt. Am Mittwoch unterschrieb er in Bremen einen Vertrag bis zum Jahr 2019. Die Ablösesumme, die an den ungarischen Meister Videoton FC zu überweisen ist, soll sich auf rund 300.000 Euro belaufen.

Großartige Leistung

Seine Weigerung, den Vertrag zu verlängern, soll der Grund gewesen sein, dass Videoton ihn vor ein paar Monaten in die zweite Mannschaft abgeschoben hat. Nationaltrainer Storck hielt das nicht davon ab, den kleinen, aber sehr robust wirkenden Mittelfeldmann für das K.o-Spiel gegen Norwegen zu nominieren. Nach dem Triumph kommentierte Storck: „Mir ist egal, was der Klub mit ihm macht. Seine Leistung ist großartig. “

Wie großartig seine Leistungen in Bremen sein werden, kann niemand wissen. Aber Werder setzt große Hoffnungen in den kleinen Mann, der wegen seiner roten Haare, seiner Statur – und ein bisschen auch wegen seiner Spielweise an den früheren Manchester-United-Star Paul Scholes erinnert. „Er besitzt großes Potenzial“, lässt sich Werders Sportchef Thomas Eichin in der Pressemitteilung zitieren.

Der Traum des kleinen Mannes

Sportdirektor Rouven Schröder sagt: „Der Junge ist total geradlinig.“ Er würde „gute Sachen“ mitbringen, arbeite spielfreudig mit – und aggressiv gegen den Ball. Und sei eben „ein guter Junge“. Der Gelobte selbst sprach „von einem Traum, der für mich wahrgeworden ist.“ Am Dienstagabend war Kleinheisler nach Bremen geflogen, hatte am Morgen danach den Medizincheck, am Mittag die Vertragsunterzeichnung und am Nachmittag das vereinsinterne Testspiel im Weserstadion als Programmpunkte. Am Abend eines ereignisreichen Tages sagte er artig: „Ich hoffe, dass ich mit Werder erfolgreich sein werde. Mein Ziel ist es, so viele Spiele wie möglich zu machen.“ Dafür wolle er jetzt hart trainieren und schnell Deutsch lernen.

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Schon seit längerer Zeit hatte Werder laut Rouven Schröder in engem Austausch mit dem Ungarn-Trainer Bernd Storck gestanden. In dem Moment, in dem Laszlo Kleinheisler durch sein goldenes Tor in Oslo automatisch die Aufmerksamkeit von Scouts und Agenten auf sich zog, hätte Werder schon „die Zügel in der Hand“ gehabt. Schröder zeigt sich „überzeugt, dass Laszlo uns mit seiner Qualität schon in der aktuellen Saison und in den nächsten Jahren weiterhelfen wird.“

Auffälligster Spieler im Mittelfeld

Im Rahmen des Trainingslagers von Belek hatte Kleinheisler Werders Testspiel gegen Inter Baku zur Eigenwerbung nutzen können. Er gehörte zu den auffälligsten Spielern der Veranstaltung. Auffällige Spieler im Mittelfeld: Das ist in Bremen derzeit etwas, das man als eine vom Aussterben bedrohte Gattung bezeichnen möchte. „Ich gehe davon aus, dass er ein EM-Stammspieler werden wird“, prophezeit Schröder. Sollte es so kommen, dann könnte das Eröffnungsspiel der EM-Vorrundengruppe F am 14. Juni in Bordeaux eine besondere Bremer Note erhalten.

Dann könnte der Ausgang des Duells zwischen Österreich und Ungarn davon abhängen, ob sich der Österreicher und gestandene Werder-Profi Zlatko Junuzovic mehr in Szene setzen kann – oder der Ungar und Werder-Profi Laszlo Kleinheisler. Der Mann, der mal ein gestandener Werder-Profi werden will.

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