Fokus auf den Abstiegskampf

Die Macht der Mentalität - wer für Werder jetzt wichtig werden könnte

Einsatz, Leidenschaft, Aggressivität - Werder Bremen ist im Abstiegskampf auf der Suche nach Mentalitätsmonstern. Gegen Leipzig empfahlen sich gleich mehrere Spieler dafür.
02.05.2021, 16:29
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Von Daniel Cottäus
Die Macht der Mentalität - wer für Werder jetzt wichtig werden könnte

Der Einsatz von Davie Selke gegen Leipzig kam überraschend - doch Selke überzeugte vollends im mit seiner Einstellung.

Carmen Jaspersen / dpa

Sie bot gehobenen Unterhaltungswert, diese kleine Szene kurz vor dem Pausenpfiff. Und auch wenn sie für den Ausgang von Werder Bremens Pokalspiel gegen RB Leipzig letztlich irrelevant bleiben sollte, ging doch eine Botschaft von ihr aus. Bei einem Leipziger Angriff hatte Werder-Stürmer Davie Selke den Franzosen Nordi Mukiele bis tief in die eigene Hälfte verfolgt, den Zeigefinger dabei auf den Gegenspieler, den Blick jedoch immer wieder in Richtung Außenlinie gerichtet. „Muss ich mit? Muss ich mit?“, wollte er schreiend von seinem Trainer Florian Kohfeldt wissen. Die Antwort: Er musste. Und Selke zog durch. Längst zählt für Werder jeder Meter, in der Bundesliga noch viel mehr als im Pokal, weil die Lage eben extrem angespannt ist. Da braucht es Typen mit der richtigen Mentalität, wie es im Fußball gerne so herrlich unspezifisch heißt. Ein Schlagwort, hinter dem sich Eigenschaften wie Einsatzwille, Führungsqualität, Selbstbewusstsein oder Aggressivität verbergen. Kohfeldt dürfte vor den letzten drei Spieltagen genau darauf achten, wer dies in seinem Kader verkörpern kann. Die gute Nachricht: Während des Leipzig-Spiels haben sich gleich mehrere Kandidaten dafür empfohlen.

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Dass Selke beispielsweise in diesem Halbfinale in der Startelf stand, hatte durchaus etwas Überraschendes, ergab nach wenigen Minuten aber plötzlich Sinn. Weil er eklig spielte, sprich die Leipziger mal in unangenehme Zweikämpfe, mal in lautstarke Wortgefechte zwang. Weil er Bälle behauptete, nachsetzte und gerade in der sensiblen Anfangsphase des Spiels kaum einen Bremer Querpass ohne aufmunternden/lobenden/pushenden Kommentar rollen ließ. Seinen Teamkollegen, so der Eindruck im Stadion, hat das sehr geholfen. „Riesenrespekt an die Mannschaft, Riesenrespekt an den Staff, dass wir bei der Phase, aus der wir kommen, so eine Leistung gegen so einen starken Gegner wie Leipzig abliefern. Das ist nicht selbstverständlich“, sagte Selke, der seit seiner Rückkehr nach Bremen so vieles schuldig geblieben war, nun aber angedeutet hat, dass er im Saisonfinale noch wertvoll werden könnte. Vor allem, wenn er künftig auch noch Torgefahr entwickelt, was ihm gegen Leipzig – kein unwesentlicher Kritikpunkt – nicht gelungen war.

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Dass sich Mentalität auf dem Platz auch gänzlich anders zeigen kann, hat derweil der Auftritt von Christian Groß unterstrichen. Gefühlt geräuschlos ging der Mann aus der Mittelfeldzentrale seiner Arbeit nach. So unaufgeregt, als würde ihn das alles gar nichts angehen, eroberte er manchen Ball und leitete ihn weiter, was einen großen Teil zur Bremer Stabilität in der Defensive beitrug. Dass ihm Sportchef Frank Baumann später im Scherz einen „Ganzkörperkrampf“ attestierte, war wohl das größtmögliche Lob für den aufopferungsvollen Einsatz des 32-Jährigen, der nach 119 Minuten ausgepumpt ausgewechselt wurde.

Auch Ludwig Augustinsson und Manuel Mbom stachen aus einer insgesamt kampfstarken Bremer Mannschaft mit ihren körperbetonten Auftritten noch heraus – jeweils garniert mit einer Monstergrätsche. Die 1:2-Niederlage konnten zwar auch sie nicht verhindern, was unter dem Strich aber blieb, war eine neue Bremer Zuversicht. Zart, zerbrechlich, bis mindestens zum Leverkusen-Spiel aber allemal zweckdienlich. Diese Mannschaft, so scheint es, ist gewillt zu kämpfen. Jetzt muss sie es nur noch in der Bundesliga fortführen. Dass am Samstag in Ömer Toprak ein Spieler zurückkehren soll, der per se für Führungsqualität steht, schadet da sicher nicht.

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