Werder Bremen Mielitz ist ein starker Vertreter von Wiese

Bremen. Tim Wiese sieht im Spiel in Nürnberg die rote Karte und Vertreter Sebastian Mielitz zeigt nach seiner Einwechslung eine fehlerfreie Leistung. Mielitz kann jetzt unter Beweis stellen, dass er in Zukunft Werders Nummer eins werden kann.
19.09.2011, 05:00
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Mielitz ist ein starker Vertreter von Wiese
Von Thorsten Waterkamp

Bremen. Es gab keine Diskussionen. Für Klaus Allofs nicht: "Es war die falsche Entscheidung. Punkt." Und für den direkt betroffenen Tim Wiese auch nicht: "Dumm gelaufen - das war Rot." Dumm gelaufen war Wiese durchaus im Wortsinn in jener Szene in Nürnberg, und so überflüssig wie sein Herauslaufen war dann auch sein Platzverweis nach der Notbremse an der Club-Spitze Christian Eigler. Was für Werders Stammkeeper eine Zwangspause nach sich ziehen wird, bedeutet für Werders Nachwuchsmann im Tor eine weitere Gelegenheit, an seiner Zukunft in Bremen zu arbeiten. Und der Zeitpunkt ist günstig für den 22-Jährigen.

Zwei, möglicherweise drei Spiele dürfte Tim Wiese nach seriösen Schätzungen zuschauen müssen. Klaus Allofs' Versuch, noch am Sonnabend während der Pause via TV eine Kurzzeit-Sperre von nur einer Partie zur Diskussion zu stellen, dürfte in dieser Woche beim DFB-Sportgericht wohl keine Mehrheit finden. Denn Wiese hatte erst vor siebeneinhalb Monaten zuletzt Rot gesehen in der Bundesliga - der Platzverweis gegen den FC Bayern damals im Januar wegen des rohen Spiels gegen Thomas Müller dürften sich wohl kaum strafmildernd auf das Vergehen von Nürnberg auswirken. Und auch Wieses Erklärungen für seinen seltsamen Ausflug aus dem Strafraum ("Ich stehe am Sechzehner, dann ist Prödl in meinen Lauf gekommen") ziehen nicht so recht.

So oder so kommt nun sein Vertreter zum Zuge. Wieder zum Zuge, um genau zu sein. Denn Sebastian Mielitz hat schon in der vergangenen Saison zweimal Wiese ersetzt, und das ziemlich überzeugend. Im vergangenen Herbst musste er ran, als sich Werders Stammkraft im Champions-League-Spiel in Enschede verletzt hatte. Im vergangenen Januar brachte ihn Wieses Rot gegen die Bayern wieder ins Tor. Mielitz spielte gut, mitunter stark und außerordentlich abgeklärt für einen Schlussmann mit eher geringem Erfahrungsschatz. Auch in Nürnberg strahlte die Bremer Nummer zwei am Sonnabend Ruhe und Sicherheit aus und klärte einmal glänzend gegen Eigler.

Werders Zukunft im Tor könnte auf mittlere Sicht Sebastian Mielitz heißen. Und er hätte jetzt die Chance, wieder ein paar passende Arbeitsproben abzuliefern, die auf Sicht auch die weitere Karriere von Tim Wiese betreffen könnten. Denn es ist längst nicht ausgemacht, ob der zum Saisonende auslaufende Vertrag mit dem Bremer Nationaltorwart auch tatsächlich verlängert wird. "Vor zwei Monaten gab es ein Gespräch mit Klaus Allofs und meinem Berater", erzählte Wiese am Wochenende dem TV-Sender Sky: "Die haben ein bisschen miteinander gequatscht. Aber Konkretes ist jetzt erstmal auf Eis gelegt worden."

Werders und damit Wieses Problem ist die finanzielle Ausstattung des Bundesligisten, die keine großen Sprünge zulässt. Selbst der Verkauf von Per Mertesacker mit über zehn Millionen Euro Ablöse und der Einsparung eines Top-Gehaltes sollen dem Vernehmen nicht ausreichen, rote Zahlen am Ende des laufenden Geschäftsjahres zu verhindern. Eine Vertragsverlängerung mit Top-Konditionen ist deshalb so lange nicht machbar, ehe absehbar ist, wohin sich Werder sportlich bewegt - und damit finanziell. Das weiß auch Wiese: "Ich muss erstmal schauen, wie die sportliche Zukunft hier aussieht."

Werder-Chef Klaus Allofs hatte ebenfalls schon angekündigt, dass eine Weiterbeschäftigung Wieses vor allem von Erfolg oder Misserfolg der Mannschaft abhängig ist: Die Mannschaft müsse ihre Leistungen Woche für Woche bestätigen, sagte Allofs unlängst: "Wenn wir dann wissen, was für uns möglich ist, gehen wir auf ihn zu."

Sollte es aber keine Vertragsverlängerung geben, wird Werder wohl kaum auf einen Transfererlös für seinen letzten verbliebenen deutschen A-Nationalspieler verzichten können. Dann müsste Tim Wiese bereits im kommenden Winter nach sechseinhalb Jahren bei Werder Abschied aus Bremen nehmen. Interesse an der Nummer eins der Grün-Weißen wird Wolfsburgs Trainer Felix Magath nachgesagt, der in der vergangenen Transferperiode allerdings auf die Verpflichtung eines Torwarts verzichtet hatte - und nun zusehen muss, wie Stammkeeper Diego Benaglio verletzt und Ersatzmann Marwin Hitz mit einer Roten Karte ausfällt.

Ob Wieses Zukunft noch in Bremen liegt, "das weiß ich noch nicht", sagte Werders Schlussmann am Wochenende in aller Offenheit. "Ich habe jetzt noch ein Jahr Vertrag bis zum Sommer. Dann müssen wir mal schauen, wohin es geht. Ob ich bei Werder bleibe oder mir einen anderen Weg suche." Für seinen Vertreter Sebastian Mielitz indes könnten die nächsten Wochen, in denen Wiese zum Zuschauen verurteilt ist, ein Vorgriff auf die eigene Zukunft sein. In Nürnberg sagte er nur: "Ich habe versucht, der Mannschaft zu helfen." Der Versuch ist ihm ziemlich gut gelungen.

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