Werder-Trainingslager Mielitz unter Druck

Jerez. Die Torwartfrage wird Werders Winter-Trainingslager in Jerez prägen. Für Sebastian Mielitz geht es um die Karriere.
09.01.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Mielitz unter Druck
Von Thorsten Waterkamp

Jerez. Keine andere Personalie als die Torwartfrage wird Werders Winter-Trainingslager in Jerez prägen. Sebastian Mielitz will zurück auf den Stammplatz – denn ohne Stammplatz kann er sich weder für die Verlängerung seines auslaufenden Vertrages noch für einen anderen Klub empfehlen.

Als das Spiel begann, blieb Sebastian Mielitz außen vor. Auf dem Nebenplatz übte Werders Mann, der die Nummer eins zurzeit nur auf dem Trikot trägt, das Abschlagen mit Torwarttrainer Marco Langner. Eine Schussweite entfernt durften Raphael Wolf und Richard Strebinger beim Trainingsspiel ins Tor – es war der Startschuss für jenen Zweikampf, der wie keine zweite Bremer Personalie in diesen zehn Trainingslagertagen im Fokus stehen wird. Vor allem für Sebastian Mielitz geht es um mehr als um einen Stammplatz – für ihn geht es um einen neuen Vertrag und mithin um die Fortsetzung seiner Karriere.

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Es gibt sicherlich noch weitere personelle Fragen, die Trainer Robin Dutt in Jerez klären will – zumindest deutet er so die Kaderbestückung. „Wir haben die Konkurrenzsituation auf allen Positionen ausgerufen“, sagt Dutt. Im Mittelpunkt aber steht das Duell Mielitz-Wolf. Es wird, sagt Dutt, „ein kurzer Prozess“ – schließlich kommt in nur 17 Tagen Braunschweig zum Rückrundenstart nach Bremen. Trainingseindrücke sollen bis dahin bei der Entscheidungsfindung helfen. Die Trainingsspiele, mit denen jeder Tag in Jerez abgeschlossen werden soll, werden gefilmt – die Aufnahmen nimmt Dutt als persönliches Abendprogramm mit ins Hotel.

Als Höhepunkt beim Keeper-Casting „Bremen sucht den Stammtorwart“ aber dürfen beide Protagonisten je 90 Minuten spielen: der eine im Test am Sonntag gegen NEC Nijmegen, der andere heute in einer Woche gegen Steaua Bukarest. Wer vorlegen darf, ist noch offen, soweit ist das Drehbuch dieses Duells noch nicht geschrieben. Diese Entscheidung soll Torwarttrainer Marco Langner treffen.

Sebastian Mielitz weiß um diese eine Chance, die er nutzen muss. Aber ob (und vor allem: wie) sich die vom Trainerteam verordnete Zwangspause von vier Spielen auf ihn ausgewirkt hat, darüber rätselt der 24-Jährige selbst noch. „Das weiß ich noch nicht“, sagt er und zuckt mit den Schultern, „es wird sich zeigen, wenn ich wieder spielen darf, ob mir das gut getan hat.“

Es sind so einige Sätze, die wie kleine Spitzen klingen – Spitzen, die sich Mielitz im Gespräch offenbar nicht völlig verkneifen will. Da ist zum Beispiel die Sache mit eben jenem Testspiel der Wahrheit für ihn und seinen Rivalen Raphael Wolf, der das Trikot mit der Nummer 20 trägt, aber den Status der Nummer eins behalten will. Darauf angesprochen sagt Sebastian Mielitz: „Das habe ich auch der Zeitung entnommen.“ Oder ob er habe abschalten können über die Weihnachtsfeiertage? „Ich konnte ja schon davor abschalten...“

Dass Mielitz über die Situation natürlich nicht gerade glücklich ist, das ist nachvollziehbar. Inwieweit noch Unverständnis für die unerwartete Abberufung nach seinen spielentscheidenden Fehlern gegen Mainz da ist, lässt sich der Schlussmann hingegen nicht anmerken. Er gibt sich selbstbewusst – Gründe, etwas anders zu machen als in der Vergangenheit, die sieht er nicht. „An mir werde ich nichts ändern. Ich werde meiner Linie treu bleiben. Damit bin ich bisher immer gut gefahren“, sagt er.

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Allerdings steht Mielitz stärker unter Druck als Wolf. Sein Vertrag läuft aus, und wenn er nicht spielt, kann er sich nicht empfehlen – weder für eine Vertragsverlängerung noch für einen anderen Klub. „So ist das Geschäft“, sagt Mielitz. Dutt sagt, dass auch die Rolle als Nummer zwei kein Ausschlusskriterium für eine Vertragsverlängerung sein muss: „Man müsste es nicht daran knüpfen. Aber es müsste im Gespräch mit dem Betroffenen geklärt werden.“ Eine Degradierung zur Nummer zwei indes träfe Mielitz, der sich als Stammkeeper seiner Lieblingsmannschaft aus Kindertagen einen Traum wie nur wenige Profis erfüllt hat, äußerst hart. Vertragsgespräche kann und wird es aber zunächst nicht geben. „Ich hab immer signalisiert, dass ich gesprächsbereit bin. Das bin ich immer noch“, sagt Mielitz.

Gestern Nachmittag durfte er dann für Richard Strebinger zwischen die Pfosten. Glück für Mielitz: Während Wolf sich kaum auszeichnen konnte, parierte Mielitz glänzend bei einem Kopfball von Santiago Garcia. Den Ball begrub er unter seinem Körper, hielt ihn gleich ein paar Sekunden lang fest, als wolle er zeigen, dass er gar nicht daran denke loszulassen. Bei der Videoanalyse dürfte die Szene gut zu sehen gewesen sein.

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