Gegner Gladbach in der Analyse

Mit den Werder-Ideen erfolgreich

Borussia Mönchengladbachs Spiel basiert auf vielen Eckpfeilern, die auch Werder gerne für sich nutzt – bei einer etwas höheren individuellen Qualität. Gladbachs Schlüsselspieler erinnert an ein Bremer Pendant.
10.11.2018, 14:54
Lesedauer: 4 Min
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Von Stefan Rommel
Mit den Werder-Ideen erfolgreich
dpa

Das sind Gladbachs Stärken:

Die Borussia hat sich mit der Umstellung seiner Grundordnung selbst einen Gefallen getan. In den letzten Jahren war ein flaches 4-4-2 in Gladbach mehr oder weniger gesetzt, sowohl mit als auch gegen den Ball. Nun mischt die Mannschaft zwei, manchmal auch drei, Anordnungen durch und kommt so ähnlich wie Werder wie ein Hybrid daher. Mit Ball hat sich Dieter Heckings Mannschaft auf ein 4-3-3 eingelassen, das relativ schnell gelernt war und im Grund so funktioniert wie das der Bremer.

Zum Beispiel ohne echten Stoßstürmer, dafür aber mit einem omnipräsenten Lars Stindl (oder Raffael) in vorderster Linie, der sich immer wieder fallen lässt und so sowohl gute Verbindungen zwischen Mittelfeld und Angriff, als auch Überzahlsituationen in Ballnähe herstellen kann. Im Spielaufbau rücken die Außenverteidiger mittlerweile weiter mit auf, während die Achter schnell in den Zwischenlinienraum gehen und sich dort anspielbar machen. Florian Neuhaus und Jonas Hofmann bewegen sich dabei sehr intelligent und vorausschauend.

Entscheidend und sehr gut sind dazu die Bewegungen des Sechsers. In letzter Zeit füllte Tobias Strobl diese Rolle aus: Strobl bewegt sich oft entgegen der Ballbewegung, um den Raum für ein direktes Zuspiel der Innenverteidiger auf die Achter zu öffnen. So erarbeitet sich Gladbach immer wieder Passlinien, die direkt in die Spitze oder in den Raum vor der gegnerischen Abwehr führen und nimmt dann erst so richtig Tempo auf.

Starke Angreifer, eingespielte Abläufe

Alassane Plea und Thorgan Hazard unterscheiden sich zwar in ihrem Profil – Zugang Plea ist sehr direkt und eher wuchtig, dafür technisch nicht immer sauber, Hazard ein toller Tempodribbler mit Zehner- und Abschlussqualitäten – spielen inhaltlich aber ähnliche Rollen: Beide sollen aus der Tiefe kommen und nachschieben. Einen klassischen Wandspieler hat die Borussia nicht.

Gegen den Ball formt sich die Mannschaft mit einem ballfern herausrückenden Achter gerne in das gelernte 4-4-2 um, auch das ein typisches Werder-Merkmal. Dadurch wird das Zentrum gut versperrt, weil die beiden Pressingspitzen sehr akkurat mit ihren Deckungsschatten arbeiten und das Passspiel des Gegners so früh und ohne hohes Tempo auf die Flügel drücken. So kann die Mannschaft auch gut variieren zwischen Mittelfeldpressing und dem Aufrücken in ein aggressiveres Angriffspressing.

Gladbach ist mit Ball kreativ und schnell und ohne Ball einigermaßen stabil in seinen Abläufen. Und die Mannschaft verfügt über eine bärenstarke Kadertiefe. Die Bank ist gespickt mit hochkarätigen Ergänzungsspielern für alle Mannschaftsteile wie Elvedi, Kramer, Johnson, Zakaria, Traore, Herrmann oder Raffael.

Das sind Gladbachs Schwächen:

Es gibt ein paar grundlegende Probleme, die Gladbach auch nach knapp einem Drittel der Saison noch nicht dauerhaft beheben konnte. Das Gegenpressing ist an und für sich gut, weil die vorbereitende Struktur im Ballbesitz verlässlich ist. Aber: Manchmal können sich die beteiligten Spieler nicht schnell genug entscheiden zwischen Nachrücken und Durchschieben und dem Fallen in ihre eigentliche Position. Die Folge sind längere Wege und ein gewisser Zeitverlust, der im Gegenpressing natürlich brandgefährlich werden kann.

Das Herausrücken des oder manchmal auch beider Achter im Pressing hinterlässt für ein paar Momente Gladbachs Sechser allein in einem sehr großen Raum. Geht die Borussia einem ins Pressing lockenden Gegner auf den Leim, der dann in der Lage ist, sauber über die Pressinglinie zu spielen, ist der Raum vor der eigenen Abwehr nicht besonders solide gesichert.

Mit Mannorientierungen des Gegners kommt die Borussia auch noch nicht besonders gut klar. Zu oft lassen sich die Achter aus der Zone drängen, die sie eigentlich besetzen sollten. Und wird Strobl vor der Abwehr konsequent und früh gestört, stockt das Spiel ins Übergangsdrittel schnell.

Das aggressive und sehr offensiv interpretierte Vorrücken der Außenverteidiger lässt Platz in deren Rücken für schnelle Konterangriffe, wenigstens aber als Anspielstelle, um von dort aus mit etwas mehr Zeit und Ruhe Angriffe zu starten. Ein klarer Arbeitsauftrag an Werders Achter oder Flügelspieler - beziehungsweise der Angreifer, die in einem möglichen 4-4-2 mit Raute aus dem Zentrum ausweichen könnten.

Das ist der Schlüsselspieler:

Lars Stindl ist als Kapitän und Anspielstation sehr wichtig für die Borussia, Tobias Strobl hat Weltmeister Christoph Kramer überraschend verdrängt. Und trotzdem ist die prägende Figur der ersten Spieltage Jonas Hofmann. In Hoffenheim (in der Jugend), Mainz oder Dortmund zeigte Hofmann wie auch in den Spielzeiten davor in Gladbach immer wieder gute Ansätze, konnte sich aber nie entscheidend durchsetzen. Ein Problem war dabei offenbar, dass es für den Allrounder im Mittelfeld keine optimale Position gab, zuletzt eben in Heckings 4-4-2.

Mit der Umstellung auf eine 1-2-Anordnung im Mittelfeld mit einem absichernden Sechser hinter und mindestens zwei ballnahen Spielern vor Hofmann bringt der seine Qualitäten nahezu optimal ein. Mit kurzen, präzisen Pässen oder einem Dribbling auch durch den engen Raum eröffnet Hofmann Möglichkeiten und findet vermehrt auch selbst den Weg zum Torabschluss. Dazu kommt eine außerordentlich hohe Laufleistung. Das alles erinnert ein wenig an den Emporkömmling auf Seiten des kommenden Gegners: An Maximilian Eggestein.

Die Umfrage zum Spiel gibt es hier:

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