Werders Spiel gegen Düsseldorf in der Analyse

Mit einfachen Mitteln zum Sieg

Werder ringt Düsseldorf in einem klassischen 0:0-Spiel mit etwas Glück und einem simplen Defensivkonzept nieder. Die Probleme in der Offensive sind aber auch nach der Winterpause noch lange nicht behoben.
19.01.2020, 12:28
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Von Stefan Rommel
Mit einfachen Mitteln zum Sieg

Viel Kampf und wenig spielerischen Glanz bot das Duell zwischen Düsseldorf (Alfredo Morales, links) und Werder (Maximilian Eggestein).

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Werder-Trainer Florian Kohfeldt änderte seine Startelf im Vergleich zum letzten Spiel vor der Winterpause in Köln gleich auf fünf Positionen: Für Milos Veljkovic, Benjamin Goller und Yuya Osako (alle Bank) sowie die vrletzten Philipp Bargfrede und Ludwig Augustinsson begannen Zugang Kevin Vogt, Ömer Toprak, Nuri Sahin, Leo Bittencourt und Joshua Sargent. Düsseldorf nahm zwei Änderungen vor: Zugang Steven Skrzybski durfte von Beginn an ran und der dritte Torhüter Florian Kastenmeier ersetzte den kurzfristig verletzten Zack Steffen.

Werder spielte mit seinem neuen „Libero“ Vogt mit einer Dreierkette in der letzten Linie und Sahin davor plus zwei Achtern. Mit dem Ball ergab sich also ein 3-5-2, gegen den Ball rückten die Flügelverteidiger nach hinten und füllten auf. In den ersten Minuten fanden die Gäste erstaunlich schnell in die Partie, wirkten griffig und auch ballsicher wie seit Wochen nicht mehr.

Anderer Aufbau bei Werder

Dabei hatte Düsseldorf eigentlich die richtige Idee gegen Werders Dreieraufbau: Der nominelle Mittelstürmer Rouwen Hennings sowie die Flügelangreifer Dawid Kownacki und Skrzybski richteten sich an ihrem direkten Gegenspieler, sprich den drei Bremer Innenverteidigern, aus. Sie liefen im Bogen von außen nach innen an, während Oliver Fink dahinter immer im Dunstkreis von Sahin agierte. Fortunas Flügelangreifer waren immer auf dem Sprung, um schnell auf einen Ball auf den jeweiligen Bremer Flügelspieler reagieren zu können.

Werder reagierte auf dieses Zustellen in den ersten Minuten richtig durch Bewegungen der Achter und das noch tiefere Anspiel auf die Innenverteidiger. Mit Vogt, der diese Rolle aus Hoffenheim bestens kennt, ließ sich die Dreierkette teilweise bis in den eigenen Sechzehner fallen, um von dort aufzubauen. Einige Male verließ Vogt nach einem Abspiel auch seine Position und zeigte sich im Rücken von Hennings auf der Sechs, um anspielbar zu sein. Das waren kleine, aber feine Unterschiede zum eigentlichen Werder-Spiel, das bisher auf „normaler“ Innenverteidigerhöhe ausgelöst wurde.

Seitlich versetzt von den Düsseldorfer Sechsern brachen in diesen Situationen Maximilian Eggestein und Davy Klaassen die Mannorientierungen ein wenig auf und machten sich für direkte Zuspiele der Innenverteidiger anspielbar. So konnte Werder in der Anfangsphase einige Situationen kontrolliert und technisch sauber auflösen, brachte die im Ansatz guten Vorträge aber nicht bis zum Abschluss in Tornähe zu Ende.

Klare Zuordnungen

Dennoch waren die ersten zehn Minuten eine Klasse besser als die zuvor gezeigten Leitungen, weil Werder auch gegen den Ball endlich wieder mehr Mut und Entschlossenheit zeigte und sich der Düsseldorfer Formation im 4-3-3 sehr gut anpassen konnte. Durch die Bremer Anordnung konnten die Düsseldorfer Spieler quasi in einer Art Manndeckung markiert werden, mit klaren Zuständigkeiten und eigentlich nur einer potenziellen Fehlerquelle: der Frage, wer bei einem Zuspiel auf die Außenverteidiger übernimmt. In der Regel bleib dies den Flügelspielern vorbehalten und nicht dem ballnahen Achter. Werder hielt seine Ideen also relativ simpel und fuhr damit richtig gut.

Dazu passte auch, dass die Bremer in der Abwehr keinerlei Risiko eingegingen. Klare Aktionen hatten den Vorrang, unter Druck wurde der Ball auch einfach mal auf die Tribüne geschossen, statt die Lage spielerisch zu lösen. Im Grunde ähnelten sich beide Mannschaften in ihren Prinzipien und im Spiel gegen den Ball sehr, obwohl die Grundformationen unterschiedlich waren. Eine weitere Gemeinsamkeit blieben die Anlaufhöhe und -intensität. Sowohl Werder als auch die Fortuna rückten aus dem Mittelfeldpressing immer mal wieder ins Angriffspressing auf, wobei die Gastgeber dieses Mittel im Laufe der ersten Halbzeit immer öfter wählten und damit die bis dahin eindeutige Bremer Spielkontrolle immer weiter aufweichten.

Düsseldorfs Offensive unpassend besetzt

Düsseldorf bekam mehr Zeiten am Ball, versuchte es im tiefen Aufbau immer mal wieder mit der Dreierkette und konnte Werder ins Übergangsdrittel überspielen, hatte aber die erwartbaren Probleme im Positionsspiel und für diese Spielphase auch schlicht nicht das passende Offensivpersonal. Weder ist Routinier Fink ein Zehner, noch haben Skrzybski und Kownacki besondere Qualitäten in engen Räumen oder im Dribbling. So war Alfredo Morales der auffälligste Düsseldorfer, der das Spiel mit ein paar Verlagerungen auch mal öffnen konnte.

Anschließend folgte aber immer Schema F: Das bisschen Platz wurde nicht genutzt, es folgte einer Flanke aus dem Halbfeld, die Werders große Innenverteidiger bequem verteidigen konnten. Bis auf eine missglückte Bremer Gegenpressingsituation samt Chance von Hennings und einem Fernschuss von Morales ließ Werder nichts zu und zeigte sich auch bei Düsseldorfs Standards aufgeräumt und wach - mit der kleinen, aber feinen Einschränkung, dass in Erik Thommy und Kevin Stöger die beiden etatmäßigen und gefährlichsten Standardschützen da noch auf der Bank saßen.

Keine offensiven Lösungen

Das Bremer Problem lag eher in der Offensive. Sahin war größtenteils zugedeckt, Moisander und Vogt leisteten sich gegen Ende der ersten Halbzeit einige Abspielfehler im Aufbau, die linke Angriffsseite war kaum existent, Marco Friedl konzentrierte sich auf seine Defensivaufgaben, Klaassen war nicht so auffällig wie Eggestein. Bittencourt schob über rechts deutlich mehr an und kam am etwas schwerfälligen Markus Suttner auch ein paar Mal vorbei. Aber auch daraus entwickelte sich kaum Torgefahr. Rashicas Zurückfallen ins offensive Mittelfeld brachte ebenfalls wenig ein. Dieser Schachzug sollte den Angreifer aus der unmittelbaren Bewachung der Innenverteidiger nehmen, hatte aber bis auf ein paar Fernschüsse und den einen oder anderen etwas schlampigen Ball in die Tiefe auf Sargent auch wenige Effekte.

Düsseldorf fehlt es an Ideen

Die zweite Hälfte begann etwas wilder, mit einer Rashica-Chance nach einem guten Bremer Angriff und je zwei Halbchancen für die Fortuna. Düsseldorf wechselte nach dem glücklichen Bremer Führungstreffer nach und nach mehr Kreativität und Dribbelstärke ein. Mit Stöger und Thommy kamen auch die beiden Standardschützen. Stöger hatte auch ein paar brauchbare Ideen aus dem freien Spiel, zeigte einige schöne Tiefenpässe - im Grunde änderte sich an der Düsseldorfer Ideenlosigkeit gegen konzentrierte Bremer aber nichts. Kohfeldt musste seinerseits zwar einen ausgepumpten Spieler nach dem anderen aus dem Spiel nehmen, erst Toprak, dann Bittencourt, dann Sargent. Ein Leistungsabfall war deshalb aber nicht zu erkennen.

Düsseldorf lockerte eine Viertelstunde vor Schluss langsam seine Defensive, schickte Kaan Ayhan immer mal wieder mit nach vorne und schlug noch mehr Flanken als schon im ersten Durchgang. Am Ende waren es 33, wirklich gefährlich wurde aber keine davon - weil Werder nicht nur die Lufthoheit hatte, sondern immer auch genug Personal am und um den Strafraum, um einen Abpraller aufzusammeln oder einfach zu klären.

Die fehlende Entlastung wurde deshalb zu keinem großen Problem mehr, wenngleich sich Werder dabei nicht besonders geschickt anstellte und Düsseldorf so immer wieder schnell in Ballbesitz kam. In den letzten Minuten zog Kohfeldt Eggestein nach rechts hinten und stellte im Anlaufen auf 5-4-1 um, Düsseldorf spielte fast nur noch lange Bälle in die Spitze und hoffte auf den einen oder anderen Abpraller.

Am Ende reichte eine aufmerksame Defensivleistung gegen die vermutlich spielschwächste Mannschaft der Liga zum Bremer Sieg. Im Spiel mit dem Ball hat Werder aber noch gehörig Luft nach oben. Anderthalb Torchancen in 90 Minuten sind viel zu wenig, bezeichnenderweise schubste sich Düsseldorf den Ball selbst ins Tor. Das muss im Verlauf der Rückserie zwingend besser werden, darüber darf auch der wichtige Dreier nicht hinwegtäuschen.

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