Werder bejubelt den ersten Saisonsieg

Mit Glück, Skripnik und di Santo

Ein "geiles Gefühl" nennt Zlatko Junuzovic den ersten Bremer Saisonsieg beim FSV Mainz 05. Trainer Viktor Skripnik war vor seinem Bundesliga-Debüt nervös, traf dann aber die richtigen Entscheidungen.
02.11.2014, 00:00
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Mit Glück, Skripnik und di Santo
Von Marc Hagedorn
Mit Glück, Skripnik und di Santo

Siegertyp: Viktor Skripnik lässt sich gern von Sportdirektor Rouven Schröder auf den Arm nehmen.

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Vier Tage nach dem 2:0 im DFB-Pokal gegen Chemnitz hat Werder auch in der Bundesliga gewonnen. Beim 2:1 (1:1) in Mainz schoss der überragende Franco Di Santo beide Tore und bescherte dem neuen Cheftrainer Viktor Skripnik einen traumhaften Einstand – zehn Jahre nach dessen Bundesliga-Abschied als Profi.

90 Minuten plus drei Minuten Nachspielzeit hatte er äußerlich ungerührt über sich ergehen lassen. Drei Tore, sechs Gelbe Karten, einen verschossenen Elfmeter und eine Rudelbildung hatte es gegeben – und Viktor Skripnik hatte am Spielfeldrand gestanden, die Arme in die Hüften gestemmt und nur ab und an eine Anweisung aufs Feld gerufen. Aber sonst? Wirkte der Mann wie die Ruhe selbst. Bis zum Schlusspfiff.

Bis Rouven Schröder, Werders Direktor Profifußball, ihn in die Arme schloss und umherwirbelte. Bis sein Mainzer Trainerkollege Kasper Hjulmand kam und gratulierte. Bis seine Assistenten Torsten Frings, Christian Vander und Florian Kohfeldt ihn abklatschten – und schließlich auch Geschäftsführer Thomas Eichin von der Tribüne zur Trainerbank herunter geeilt war, um sich zu freuen. Werder hatte gewonnen. Diesmal kein Pokalspiel bei einem Drittligisten, sondern tatsächlich ein Bundesligaspiel – 2:1 (1:1) beim FSV Mainz 05. Es war Skripniks erster Sieg in seinem ersten Spiel als Bundesliga-Trainer. Auch sein Vorbild Thomas Schaaf hatte das 1999 hinbekommen.

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Werder bleibt nach dem ersten Saisonerfolg zwar weiterhin auf einem Abstiegsplatz – aber seit Sonnabend fühlt sich die Lage nicht mehr ganz so aussichtslos an wie noch vor acht Tagen, als Werder erst sein Heimspiel gegen Aufsteiger Köln verloren und dann Trainer Robin Dutt entlassen hatte. Inzwischen feiert Bremen wieder. Die Fans sangen „Der SVW ist wieder da“ nach dem Schlusspfiff.

Dass sie diesen Evergreen überhaupt anstimmen durften, hatte vor allem mit zwei Faktoren zu tun. Damit, dass Mainz es in der ersten Hälfte versäumt hatte, eine frühe 1:0-Führung trotz drückender Überlegenheit und bester Chancen auszubauen. Und damit, dass bei Werder ein Argentinier namens Franco Di Santo stürmt. „Mausetot“ fand Zlatko Junuzovic seine Mannschaft nach 30 Minuten, einen „Zwei-Klassen-Unterschied“ wollte Werders österreichischer Nationalspieler gesehen haben. Bis wenige Augenblicke vor der Pause war das gut beobachtet.

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Dann aber bekam Werder einen kniffligen Elfmeter zugesprochen, als sich 05- Torwart Loris Karius dem heranstürmenden Fin Bartels vor die Füße warf. „Glücklich“ fand Skripnik den Elfmeterpfiff. „Er zieht zwar die Arme weg, berührt mich aber“, sagte Bartels zu der Szene, über die sich die Mainzer fürchterlich ärgerten. Di Santo war’s egal. Im Nachsetzen – Karius hatte den Schuss pariert – verwandelte er zum Ausgleich. „Da hatte ich Glück, dass mir der Ball auf den Kopf fällt“, sagte Di Santo.

Über das zweite Tor des Stürmers redeten dann lieber andere. Einen Traumpass von Felix Kroos chippte Di Santo gekonnt am herausstürzenden Karius vorbei zum 2:1 ins Tor. „Wie er das macht, weiß ich auch nicht“, staunte Bartels, am Sonnabend Sturmkollege von Di Santo. „Das kann wohl nur ein Südamerikaner“, mutmaßte Skripnik.

Werder führte 2:1, und plötzlich liefen die Dinge. Werder gewann an Ballsicherheit, Werder hatte gute Chancen (Clemens Fritz, Junuzovic, noch einmal Di Santo), Werder stand kompakter und besser gestaffelt, irgendein Werder-Profi bekam nun in den entscheidenden Momenten einen Fuß, ein Bein oder irgend ein anderes Körperteil zwischen Ball und Tor. „Manchmal sind es Kleinigkeiten, die man nicht erklären kann“, sagte Bartels nachher.

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Erklären kann man dagegen die Personalentscheidungen, die Skripnik getroffen hatte. Er setzte wie erwartet Alejandro Galvez in der Innenverteidigung ein – eine goldrichtige Entscheidung. Er brachte den wiedergenesenen Junuzovic – auch das tat Werder gut. Schließlich debütierte Ludovic Obraniak als Zehner in der Mittelfeldraute – Skripnik gab Obraniaks Erfahrung und Ballsicherheit den Vorzug vor Levent Ayciceks Jugend, der im DFB-Pokal in Chemnitz noch auf dieser Position gespielt hatte. Auf der Zehn hat Werder noch Luft.

Doch das störte am Sonnabend niemanden, zu groß war die Erleichterung über das Ende der Sieglos-Serie. Ein „geiles Gefühl“ empfand Junuzovic. Als der unermüdliche Kämpfer das sagte, hatte Skripnik den Journalisten schon ein Geheimnis verraten. Furchtbar nervös sei er gewesen, sagte der Werder-Trainer, „aber das darf ich der Mannschaft nicht zeigen“. An den Liga-Alltag wird er sich gewöhnen, davon kann man ausgehen. Er sagt: „Ich bin froh, nach zehn Jahren wieder in der Bundesliga zu sein.“ Werders Fans, den Spieler und den Verantwortlichen wird es ähnlich gehen.

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