Zurückgeblättert: 29. März 1974

„Morgen abend aller Sorgen ledig?“

Seit 1963 spielt Werder in der Bundesliga, mehr als fünf Jahrzehnte, in denen sich im Fußball, bei Werder und in der Berichterstattung viel verändert hat. Mein Werder zeigt die Originaltexte und Zeitungsseiten.
28.03.2019, 09:25
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Von mw
„Morgen abend aller Sorgen ledig?“
Archiv WESER-KURIER

Am 28. März schrieb der WESER-KURIER:

Morgen abend um 17.15 Uhr, so hofft man beim SV Werder, wird ein Schlußstrich gezogen sein — der Schlußstrich unter das Kapital „Abstiegsgefahr", an dem in den vergangenen Monaten stets geschrieben wurde. „Wenn wir Wuppertal schlagen", davon ist Trainer Sepp Piontek überzeugt, „haben wir 16 Punkte und sind endgültig aus dem Schneider, dann können wir an die nächste Saison denken!" Den entscheidenden Schritt in die Zukunft allerdings sollen die älteren Spieler des Aufgebots schaffen: „Junge Talente wie Erkenbrecher, Brexendorf und Schildt haben in den letzten Wochen zu wünschen übriggelassen", berichtete Piontek, „sie brauchen offensichtlich eine Erholungspause!"

So wird Werder die gleiche Mannschaft aufbieten, die das überraschende 0:0 in Berlin holte, die im Gegensatz zum Spiel im Olympiastadion allerdings diesmal den Erfolg im Angriffsspiel suchen wird. Zwar hat sich Piontek abermals nur für zwei Sturmspitzen (Görts und Weist) entschieden, hofft jedoch, daß die Mittelfeld- und Abwehrspieler die sich bietenden Lücken nutzen werden. „Leute wie Roentved und Bracht beweisen im Training oft genug, daß sie schießen können, warum soll es nicht auch einmal im Spiel klappen?"

Nicht zuletzt die Tatsache, daß der Däne Thygesen und Schildt beim 7:2 Werders am vergangenen Dienstag in Fallingbostel enttäuschten, veranlaßte den Trainer, keine Angriffsänderung vorzunehmen. Und den 19jährigen Amateur Ohling, der am Dienstag bekanntlich fünf der sieben Tore erzielte, gleich einzubauen, hält Piontek noch für zu verfrüht. Er hat stark gespielt, ist ein großes Talent und wird seine Chance erhalten. Aber in einem solchen Spiel zählt doch Routine mehr", glaubt der Trainer.

So wird auch Peter Dietrich wieder mit von der Partie sein, obwohl ihn seit langem eine Rückenverletzung quält, die aller Voraussicht nach in absehbarer Zeit sogar operativ behandelt werden muß. Piontek: „Es ist ein harmloser Eingriff, aber er ist wohl nicht zu umgehen!" Neben Dietrich sind Bracht, Roentved und Zembski für das Mittelfeld vorgesehen. Die Vierer-Abwehrkette vor Torwart Burdenski bleibt mit Kontny, Assauer, Höttges und Kamp unverändert.

Wird Bayern München den Zweipunktevorsprung gegenüber Borussia Mönchengladbach behaupten können? Die Beckenbauer-Elf muß zum MSV Duisburg, wo sie seit neun Jahren auf einen Sieg wartet. Doch diesmal wollen die Bayern das Wedau-Stadion stürmen. „Es müßte doch mit dem Teufel zugehen, wenn wir es in der augenblicklichen Verfassung nicht schaffen", meinte Kapitän Franz Beckenbauer im Kreise seiner Nationalmannschaftskameraden nach dem Länderspiel in Frankfurt. Die Bayern hoffen außerdem, daß Borussia Mönchengladbach auf dem Betzenberg in Kaiserslautern stolpert.

Im übrigen steht der 28. Spieltag erneut im Zeichen des Abstiegskampfes. Der VfL Bochum hofft endlich wieder auf einen Sieg. Doch wird der Hamburger SV ein hartnäckiger Gegner sein. Spannung beim „Schlußlicht" in Hannover. Mit Hertha BSC kommt die Mannschaft, die noch vor gut zwei Wochen von Helmut Kronsbein trainiert wurde. Der MSV Duisburg will die Bayern schlagen, und Fortuna Köln hat nach dem 3:2 über Eintracht Frankfurt gegen den etwas demoralisierten
1. FC Köln durchaus eine Chance.

Das Bundesliga-Programm

Eintracht Frankfurt — Rot-Weiß Essen

MSV Duisburg — Bayern München

Hannover 96 — Hertha BSC

VfB Stuttgart — Kickers Offenbach

Werder Bremen — Wuppertaler SV

VfL Bochum — Hamburger SV

Fortuna Düsseldorf — Schalke 04

1. FC Kaiserslautern — Bor. M.-Gladbach

1. FC Köln — Fortuna Köln

Das hochauflösende PDF der Original-Zeitungsseite gibt es hier (bei iOS den Link länger gedrückt halten).

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