Bei vier Spielen im Einsatz

Mutmaßliche Islamisten bei Werder als Security tätig

Zwei verdächtige Personen arbeiteten laut WDR im Sicherheitsdienst des Weserstadions. Die beiden Brüder waren bei vier Spielen im Einsatz, teilte Werder Bremen mit.
19.07.2019, 17:24
Lesedauer: 3 Min
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Von Christoph Sonnenberg und Carolin Henkenberens

Zwei Sicherheitskräfte, die für Werder Bremen und den SC Paderborn tätig waren, sollen laut Recherchen des Westdeutschen Rundfunks Kontakte in gewaltbereite islamistische Kreise gehabt haben. In Bremen sollen die beiden Ordner bei vier Spielen tätig gewesen sein, teilte der SV Werder Bremen am Freitag mit. Die beiden tschetschenischen Brüder waren bei einer Sicherheitsfirma aus Paderborn beschäftigt.

Islam und Shamil M. sollen laut WDR bereits als Jugendliche Kontakt in die islamistische Szene und zu gewaltbereiten Gefährdern gehabt haben. Demnach wurde Islam M. 2015 zu einer Arreststrafe verurteilt, weil er Sympathien für das Attentat auf die Pariser Satirezeitschrift Charlie Hebdo bekundet hatte, bei dem 13 Menschen starben. Auch Shamil M. sei damals schon aufgefallen. Dem Bericht zufolge soll er in einem Chat auf die Frage „Was ist für Dich ein schöner Tag?“ mit „Allahu Akbar“ und drei Bombensymbolen geantwortet haben.

Werder Bremen hatte den Bundesliga-Aufsteiger Paderborn nach Unterstützung beim Sicherheitspersonal gefragt, berichtet Werders Sicherheitsbeauftragter Lars Mühlbradt dem WESER-KURIER. Dies sei ein üblicher Vorgang. Die Männer seien in Bremen zuletzt beim Heimspiel gegen Schalke 04 im März zum Einsatz gekommen. Für den Bundesliga-Aufsteiger Paderborn sollen die beiden Männer laut WDR sogar bis vor Kurzem gearbeitet haben. Werder hat aufgrund der Recherchen des WDR den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und die Polizei informiert. Die Polizei Bremen bestätigte die Kontaktaufnahme und verwies auf den Staatsschutz Bielefeld, bei dem das Verfahren liege. Der Staatsschutz prüfe die möglicherweise von den Männern ausgehende Gefahr, erklärte eine Sprecherin der Polizei Bielefeld. Von Ermittlungen könne man nicht sprechen, weil bisher keine konkrete Straftat vorliege.

In Paderborn sollen die beiden Männer nur auf dem Parkplatz als Ordner zum Einsatz gekommen sein, sagt der Sicherheitsbeauftragte des SC Paderborn, Sebastian Matz. Nicht so in Bremen: Einer der Männer veröffentlichte in dem sozialen Netzwerk Instagram ein Foto aus dem Weserstadion, das dem WESER-KURIER vorliegt. Lars Mühlbradt bestätigt, dass die beiden Sicherheitsleute bei einem Einsatz im Stadion tätig waren. Die anderen Male hätten sie außerhalb des Stadions gearbeitet.

Werder Bremen weist in einer Mitteilung darauf hin, dass sämtliche gesetzlich mögliche Überprüfungen ausgeschöpft worden seien. Werder Bremen wolle den Stadionbesuch „so sicher wie nur irgend möglich“ gestalten. „Der SV Werder betreibt gemeinsam mit seinem Dienstleister Elko Security und der Polizei dafür großen Aufwand“, teilt Kommunikationschef Michael Rudolph mit. Wie genau sieht dieser Aufwand aus? Zu den gesetzlichen Anforderungen gehöre die Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses, das nicht älter als drei Monate ist, erklärt Mühlbradt. Zum Führungszeugnis kommt hinzu, dass jeder, der im Sicherheitsdienst im Stadion arbeiten will, an einer theoretischen und praktischen Schulung teilgenommen haben muss. Der DFB verpflichtet die Vereine der ersten drei Ligen seit 2016 zur Teilnahme am „Quasod“-Programm. Auch die beiden betreffenden Männer hätten diese Schulung gehabt.

Im Führungszeugnis sind allerdings nur Verurteilungen zu mehr als drei Monaten Freiheitsstrafe oder Geldstrafen von über 90 Tagessätzen vermerkt. „Wir gehen noch einen Schritt weiter“, so Mühlbradt. Wer bei Elko & Werder Security, der für Werder tätigen Sicherheitsfirma, eingestellt werden will, müsse eine Einverständniserklärung unterschreiben. Damit kann der Arbeitgeber bei der Polizei weitere Auskünfte einholen. Zusätzlich schicke man der Polizei jährlich Listen mit Namen der Mitarbeiter, sagt Mühlbradt. Die Polizei teile dann mit, ob die Personen zuverlässig sind oder nicht. Genauere Auskünfte verbiete der Datenschutz. Auch würden Personen- und Identitätskontrollen bei von Kooperationspartnern entsandten Mitarbeitern gemacht.

Islamisten in privaten Sicherheitsdiensten waren bis zu diesem Vorfall in Bremen offenbar kein Problem. Wie eine Polizeisprecherin sagt, liegen dem Staatsschutz keine Erkenntnisse vor, dass es in den vergangenen Jahren ähnliche Fälle in Bremen gegeben habe.

+++ Dieser Text wurde um 21.35 Uhr aktualisiert +++

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