Nach 40 Jahren Erstklassigkeit 2:4 gegen Gladbach: Werder steigt aus der Bundesliga ab

Nach einer 2:4-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach muss Werder Bremen aus der Fußball-Bundesliga absteigen. Sowohl Köln als auch Bielefeld gewannen ihre Endspiele um den Klassenerhalt.
22.05.2021, 17:35
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Von Carsten Sander

Vier deutsche Meister-Titel hat der SV Werder Bremen in seiner Vereins-Chronik stehen, dazu sechs Triumphe im DFB-Pokal – und seit Samstagnachmittag auch zwei Bundesliga-Abstiege. Durch eine 2:4-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach und dem gleichzeitigen 1:0-Sieg des 1. FC Köln über den Tabellenletzten Schalke 04 fielen die Bremer am letzten Spieltag noch auf den direkten Abstiegsplatz zurück, müssen nun 41 Jahre nach dem ersten Abstieg wieder den Gang in die Zweite Liga antreten. Wie sich so etwas anfühlt? „Das haut dir die Beine weg“, sagte Thomas Schaaf, der das Drama am Ende auch nicht mehr verhindern konnte.

Das Bremer Team, das nach 24 Spieltagen dem Klassenerhalt mit 30 Punkten schon ganz nahe gewesen war, hatte danach einen beispiellosen Absturz hingelegt. Nur ein Punkt in den letzten zehn Partien war zu wenig, um die Klasse zu halten. Dass Bremen nun nicht mehr Bundesliga-Standort ist, der SV Werder in Liga zwei verschwindet, erscheint unbegreiflich. Kapitän Niklas Moisander versuchte aber gar nicht erst, Ausflüchte zu finden, sondern sagte, wie es ist: „Wir haben so viele Spiele nicht gewonnen. Dann ist es schwierig, zu behaupten, dass wir es verdient hätten, erstklassig zu bleiben.“

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Dabei konnte Werder trotz der klaren Verhältnisse in der eigenen Partie lange darauf hoffen, wenigstens den Relegationsplatz zu halten. Der 1. FC Köln mühte sich gegen Schalke 04 bis zur 86. Minute, ehe der entscheidende Treffer fiel. Durch das 1:0 zog der FC an den Bremern vorbei. Die Nachricht vom Tor in Köln löste bei den Werder-Reservisten und den 100 Mitarbeitern auf der Tribüne lähmendes Entsetzen aus. Aber klar: Der Abstieg ging ganz allein auf Werders Kappe. „Wir können festhalten: Das, was wir abgeliefert haben, hat nicht gereicht. Das waren wir selber, das war nicht irgendjemand anders“, sagte Schaaf, der das Team erst einen Spieltag vor Ultimo von Florian Kohfeldt übernommen hatte.

Nun musste er in den ersten Minuten nach dem Abstieg moderieren, wofür er nun wirklich nicht verantwortlich war. Aber Schaaf stellte sich und sagte, dass es ihm „unendlich leid“ täte, „dass wir das heute nicht mehr umgebogen haben“. Die Chance war sogar da. Nach dem frühen Rückstand durch Lars Stindl (3.) hatte Davie Selke den Ausgleich auf dem Fuß, musste den Ball nach Vorlage von Josh Sargent eigentlich nur noch über die Linie schieben. Doch die Leihgabe von Hertha BSC (die dahin auch zurückkehren muss) setzte das i-Tüpfelchen hinter ihre enttäuschende Saison und brachte das Kunststück fertig, an Gladbach-Keeper Yann Sommer zu scheitern (19.). Der Szene maß Schaaf hinterher eine für das Spiel entscheidende Bedeutung bei: „Das frühe Gegentor hilft dir schon nicht, auf die Beine zu kommen. Den Ausgleich hätten wir gebraucht, keine Frage. Er hätte dir die Sicherheit gegeben, dass das, was du machst, richtig ist und hinterlässt vielleicht auch Wirkung beim Gegner. Es sollte nichts sein“ In der Folge machte Werder es den Gladbachern leicht, kassierte so das 0:2 (52.), 0:3 (58.) und 0:4 (67.) durch Marcus Thuram, Ramy Bensebaini und Florian Neuhaus. Dass Milot Rashica (80.) und Niclas Füllkrug (82.) noch für Werder trafen, war völlig egal.

Füllkrug geht jetzt als letzter Bremer Bundesliga-Torschütze in die Geschichte ein – und wie lange er das bleiben wird, ist völlig offen. Zwar erklärte Sportchef Frank Baumann den direkten Wiederaufstieg direkt zum Ziel der kommenden Saison, aber die Umsetzung dürfte so leicht nicht werden. Schaafs Thema war das freilich nicht: „Ich rede nicht über morgen oder übermorgen. Wir sind mit dem Hier und Jetzt genug beschäftigt“, sagte er im Namen der Mannschaft, die laut Schaafs Schilderung geschockt und konsterniert in der Kabine gesessen habe: „Da herrscht absolute Stille. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt.“

Als jeder damit fertig war, ließ sich ein Spieler nach dem anderen auf geheimen Pfaden und quasi durch die Hintertür aus dem Stadion bringen, um den vor der Arena wartenden, aufgebrachten Fans aus dem Weg zu gehen. Niemand aus der Mannschaft zeigte sich der Menge, niemand hatte Lust, sich den Zorn abzuholen. 

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Kapitän Niklas Moisander sprach immerhin vor Fernsehkameras und entschuldigte sich für die Katastrophensaison. „Heute ist ein sehr, sehr trauriger Tag für die ganze Stadt, den Verein und die Fans. Es tut uns so leid, dass wir abgestiegen sind. Es ist ein traumatischer Tag für uns alle.“ Für den Finnen geht mit dem Abstieg wie für viele andere Spieler aus dem Kader mit dem Abstieg die Zeit bei Werder zu Ende. Das Team wird auseinanderfallen, ein Neuanfang steht an.

Aber erstmal geht es darum, das historische Versagen zu verarbeiten, die Enttäuschung irgendwie in den Griff zu bekommen. Schaaf weiß, dass es lange dauern wird, das zu schaffen: „Da ist eine große Leere – auch bei mir.“ 

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