Manager-Legende in Sorge um die Bremer

Calmund rät Werder zu strategischem Partner

Auch Manager-Legende Reiner Calmund ging der Bremer Abstieg an die Nieren. Doch er weiß auch: Tradition schießt keine Tore. Deshalb rät er Werder zum Einstieg eines Investors und warnt vor Blauäugigkeit.
31.05.2021, 11:59
Lesedauer: 2 Min
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Calmund rät Werder zu strategischem Partner
Von Jean-Julien Beer
Calmund rät Werder zu strategischem Partner

Mir grün an der Krawatte: Der langjährige Bundesligamanager Reiner Calmund sorgt sich um Werder Bremen.

dpa

Reiner Calmund hatte schon immer ein Herz für Werder Bremen, entsprechen hat den langjährigen Bundesliga-Manager der jüngste Niedergang des Vereins berührt: „Der Abstieg von Werder hat mich sehr bewegt. Ich habe an die großen und erfolgreichen Zeiten von Bremen gedacht, an die Glorreichen Sieben, von Franz Böhmert über Willi Lemke, Otto Rehhagel, Thomas Schaaf, Klaus Allofs, Rune Bratseth bis zu Rudi Völler. Werder zählte viele Jahre und Jahrzehnte zur Bundesliga-Elite und hat den deutschen Fußball auch international super vertreten.“

Doch das ist vorbei. Mit Werder Bremen verschwindet der nächste Bundesligaverein von der Landkarte der Bundesliga. „Ein Wiederaufstieg ist natürlich möglich“, meint Calmund im Gespräch mit dem WESER-KURIER, „eine Rückkehr zu den guten alten Zeiten wird aber eine schwierige Aufgabe, dafür muss schon sehr viel passen.“ Die Basis dafür wäre nach Calmunds Meinung die Umsetzung „eines modern-unternehmerischen 3-K-Konzepts“, nämlich: „Das erste K kommt von Kompetenz: Die ist realisierbar. Das zweite K kommt von Konzepte: Die sind langfristig möglich, weil die Infrastruktur mit Stadion, Sponsoren, Fans etc. in Bremen vorhanden ist. Das letzte K kommt von Kapital. Das ist für den absoluten Spitzenbereich sehr schwer zu realisieren. Klubs wie Werder werden nicht umhinkommen, strategische Partner ins Boot zu holen. Aber wie ich höre, soll Klaus Filbry mit seinem Team mittlerweile daran arbeiten.“

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Bei aller Vorfreude auf eine außergewöhnlich starke zweite Liga, in der „es Spieltage geben wird mit attraktiveren Paarungen als in der Bundesliga“, warnt Calmund vor zu viel Blauäugigkeit. Denn: „Klubs wie Werder und Schalke müssen in ohnehin schweren Zeiten nun mit großen finanziellen Einbußen rechnen. Das ist eine besondere Aufgabe, die nicht jeder lösen wird, denn nur zwei Vereine steigen direkt auf. Der Rest muss sich auf mehrere Jahre Zweitliga-Fußball einstellen. Da sehe ich am Horizont durchaus die Gefahren, dass es auch einem großen Klub so gehen kann wie Kaiserslautern oder München 1860. Allerdings sind Bremen und Schalke aktuell besser aufgestellt.“

Grundsätzlich sei er zwar „ein Freund von Tradition“, betont Calmund, „trotzdem gilt die These im Fußball: Tradition schießt keine Tore. Und Tradition sichert auch keine Umsätze. Auf seine Vergangenheit sollte man sich nie verlassen. Es mag abgedroschen klingen, aber der beste Weg in die Zukunft ist, sie proaktiv zu gestalten. Da sind mutige und kluge Entscheidungen gefragt.“ Zum Beispiel in Form eines strategischen Partners, der ausreichend Kapital einbringt.

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