Aufstiegsrennen Erlebt Werner mit Werder sein zweites Kiel?

Bei seinem Ex-Club Kiel scheiterte er knapp - nun muss Ole Werner nach seiner bislang so starken Performance in Bremen beweisen, dass er auch den letzten, entscheidenden Schritt mit einer Mannschaft gehen kann.
01.05.2022, 14:19
Lesedauer: 4 Min
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Von Björn Knips

Der Gegner und das Ergebnis – bei Ole Werner dürften nach dem 2:3 seines SV Werder Bremen gegen Holstein Kiel fast zwangsläufig Gedanken an die vergangene Saison aufgekommen sein. Denn mit seinem Ex-Club Kiel vergab er jeweils durch 2:3-Niederlagen gegen Teams aus dem Tabellenmittelfeld (Karlsruhe und Darmstadt) zwei Matchbälle zum direkten Aufstieg in die Bundesliga. In der Relegation scheiterte Werner dann mit seiner Mannschaft an Erstligist 1. FC Köln.

Mit Werder droht ihm nun ein ähnliches Schicksal, doch nicht nur Werner wehrt sich gegen diese Vergleiche – aus nachvollziehbaren Gründen. Trotzdem muss der Coach nach seiner bislang so starken Performance in Bremen beweisen, dass er auch den letzten, den entscheidenden Schritt mit einer Mannschaft gehen kann.

„Das sind zwei völlig unterschiedliche Situationen. Damals war Oles Mannschaft zwei Mal in Quarantäne, da ging es dann auch viel um die Fitness bei den vielen Spielen in kürzester Zeit. Für mich hat diese Geschichte keine Relevanz“, betont Clemens Fritz als Werders Leiter Profifußball im Gespräch mit unserer Deichstube.

Vor einem Jahr hatte sich Corona gleich zwei Mal bei Holstein breitgemacht. Damals waren die Regeln noch etwas anders, das ganze Team musste in die Isolation, Spiele wurden verlegt. Das sorgte dafür, dass die Kieler ab dem 24. April quasi im Drei-Tage-Rhythmus antreten mussten. Am Ende waren es inklusive DFB-Pokal-Halbfinale gegen Borussia Dortmund und Relegation elf Spiele in nur einem Monat. Werners Truppe ging nicht nur auf dem Zahnfleisch, sondern im letzten Spiel gegen Köln dann sogar mit 1:5 unter. Geplatzt war der Traum vom Aufstieg.

„Damals ging es eigentlich nur noch darum, wie man sich innerhalb von zwei Tagen auf ein Spiel vorbereitet und genug Leute zusammenkratzt, die annähernd 90 Minuten laufen können“, hatte Werner schon vor dem Wiedersehen mit seinem Ex-Club Vergleiche mit der damaligen Situation als unsinnig bezeichnet. Die Nerven dürften aber damals wie heute eine ähnliche Rolle gespielt haben.

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Werder muss auch aufs Torverhältnis schauen

Gegen Kiel verspielten die Bremer eine frühe 2:0-Führung, weil sie sich zu sicher fühlten. Als das Spiel dann kippte, konnten sie den Schalter nicht mehr umlegen. Schalke und Darmstadt nutzten Werders Ausrutscher, um in der Tabelle vorbeizuziehen. Vor allem der Darmstädter 6:0-Erfolg gegen Aue war am Samstagabend ein deutliches Statement. Und das ausgerechnet gegen Werders nächsten Gegner.

Das erhöht noch einmal die Erwartungshaltung, am Sonntag in Aue nicht nur dreifach zu punkten, sondern auch etwas für das Torverhältnis zu tun. Denn da hinkt Werder mit +17 Toren weit hinterher. Schalke hat nicht nur zwei Zähler mehr, sondern auch +26 Tore auf dem Konto. Die punktgleichen Darmstädter bringen es auf eine Differenz von +23 – und der Hamburger SV mit drei Zählern Rückstand auf Werder auf stolze +30. Lediglich der FC. St. Pauli steht mit +14 etwas schlechter da, könnte diesen Rückstand aber genauso schnell aufholen wie die drei Punkte.

Werder hatte gegen Kiel Probleme auf der rechten Abwehrseite

Der Druck auf die Grün-Weißen könnte vor den letzten beiden Spieltagen also kaum größer sein. Da ist jetzt auch der Trainer gefordert. Er war es schon im Spiel. Und dabei gab es in der ersten Halbzeit ungewöhnliche Szenen zu beobachten. Immer wieder kamen Profis bei Spielunterbrechungen zu Werner gelaufen und redeten mit dem Coach. Das hatte schon etwas von einem Hilferuf, denn gerade auf der rechten Abwehrseite passte es überhaupt nicht.

„Wir hatten dort Probleme in der Zuordnung, speziell ,Mitch'“, bestätigte Werner nach der Partie und sprach dabei Mitchell Weiser an. So stark der Außenbahnspieler in der Offensive agierte, so schwach verteidigte er. Bei ihm war die später kritisierte Sorglosigkeit im Bremer Spiel am besten zu erkennen. Nicolai Rapp konnte das Problem als rechter Innenverteidiger genauso wenig lösen wie Romano Schmid im rechten Mittelfeld, beide hatten genug mit sich selbst zu tun. Und Werner? Der gab den Fragestellern zwar Antworten, verzichtete aber auf große Veränderungen.

„Ich glaube nicht, dass eine Umstellung in personeller Natur in irgendeiner Form etwas geändert hätte“, erklärte der 33-Jährige. Erst nach dem Kieler Ausgleich brachte er Niklas Schmidt für Schmid. Der servierte Füllkrug per Flanke fast das 3:2, doch der Stürmer köpfte knapp vorbei. Und so fiel der dritte Treffer auf der anderen Seite, mit einem Angriff über die rechte Bremer Abwehrseite. „Auch die Situation ist aus meiner Sicht mit einer einfachen Zuordnung relativ leicht zu verteidigen“, analysierte Werner. Mit seinem Team wird er da noch mehr ins Detail gegangen sein. Denn so einfach darf sich Werder in den nächsten beiden Partien nicht mehr ausspielen lassen.

Ole Werner setzt auf Kontinuität und Ruhe

Werner vertraut dabei seinem bisherigen Weg, er will nun keine Sonderaktionen starten, er setzt auf Kontinuität und Ruhe. In Kiel wurde ihm bei aller Begeisterung für seine Arbeit nachgesagt, nicht immer krisenfest zu sein und in solchen Situationen dünnhäutig zu werden. An der Ostsee schmiss er früh in dieser Saison die Brocken hin, weil er keine Chance mehr auf Veränderungen sah und dem in den Tabellenkeller abgerutschten Team einen neuen Impuls wünschte. Das wird ihm vor Ort auch gerne mal als Weglaufen vorgeworfen.

Bei Werder lief es für ihn dabei bislang sehr glatt. Der 33-Jährige startete im Dezember mit einer fast schon historischen Siegesserie mit sieben Dreiern am Stück. Inzwischen hat Werner mit den Grün-Weißen gegen alle Teams der 2. Liga gespielt und nur gegen Heidenheim und Kiel verloren. Dazu kommen noch Unentschieden gegen Ingolstadt, Sandhausen, St. Pauli und Nürnberg. Die anderen elf Spiele wurden gewonnen. Der Punkteschnitt liegt bei über zwei, das reicht über eine ganze Saison gesehen für den Aufstieg. Doch jetzt helfen eigentlich nur noch sechs Punkte aus den letzten beiden Partien in Aue und dann daheim gegen Regensburg.

Werner hat das bereits als Ziel ausgegeben. Wohl wissend, dass diesmal noch mehr auf dem Spiel steht als im vergangenen Jahr. Damals war Kiel die Überraschungsmannschaft, Werder ist als Traditionsverein der Favorit – da würde nach dem jüngsten Saisonverlauf schon der Relegationsplatz schmerzen und der Sturz auf die Nicht-Aufstiegsplätze einer ins Tal der Tränen sein. 

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