Nach Friseur-Kritik

Bei Werder wird nur privat geschnitten

Der „Zentralverband Friseurhandwerk“ hatte sich zuletzt über die Haarpracht der Bundesliga-Profis in Coronazeiten verwundert gezeigt. Werder hat nun auf den Vorwurf der mangelnden Vorbildfunktion reagiert.
14.01.2021, 16:49
Lesedauer: 2 Min
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Von Daniel Cottäus

Vielen Menschen ist es bereits anzusehen, dass ihnen die Sache allmählich über den Kopf wächst, was in diesem Fall keine Metapher, sondern wörtlich zu verstehen sein soll. Da wegen der Corona-Pandemie momentan niemand zum Friseur darf, hat der Wildwuchs, wahlweise auch der Kahlschlag Einzug gehalten. Nur eben bei Fußballprofis, so monierte es der „Zentralverband Friseurhandwerk“ kürzlich in einem offenen Brief an DFB-Präsident Fritz Keller, sei das nicht zu erkennen. Kritisiert wird eine mangelnde Vorbildfunktion der Spieler. Bei Werder Bremen fühlen sie sich davon aber nicht angesprochen.

„Wir sensibilisieren unsere Spieler immer wieder, sich weiterhin an die Vorgaben zu halten“, sagte Sportchef Frank Baumann am Donnerstag – und betonte: „Dazu gehört natürlich auch, einen Friseur nicht inoffiziell aufzusuchen.“ Der Friseurverband hatte angeprangert, dass die top-gestylten Fußballer, die sich Woche für Woche einem Millionen-Publikum im Fernsehen präsentieren, ein fatales Signal senden würden. „Frischfrisierte Fußball-Stars setzen eine gesamte Branche unter Druck“, heißt es in dem Brief. Die Nachfrage nach illegalen Friseur-Dienstleistungen sei bei den Mitgliedern des Verbands stark zunehmend.

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Von Werder war vor allem Offensivspieler Tahith Chong in den Fokus geraten, weil er sich während des Spiels in Leverkusen nicht mehr mit Wuschelmähne, sondern mit frisch geflochtenen Cornrows präsentierte. „Für die Veränderung gibt es eine gute Erklärung“, sagte Baumann und berichtete, dass sich Chong „von seiner Mutter stylen lässt“. Verteidiger Milos Veljkovic hatte tags zuvor angegeben, sich von seiner Schwester die Haare schneiden zu lassen.

„Ich glaube, dass wir als Fußballbranche seit dem vergangenen März mit ganz wenigen Ausnahmen sehr verantwortungsvoll mit der Corona-Situation umgegangen sind“, sagte Baumann und fügte scherzhaft hinzu: „Man kann ja klar sehen, dass ich als Vorbild vorangehe und in den letzten Wochen nicht beim Friseur war.“ Abschließend äußerte Baumann Verständnis für die schwierige Lage der Friseure und vermutete, dass der Verband „den Fußball vielleicht ein wenig benutzt hat, um auf die Probleme der eigenen Branche hinzuweisen“.

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