Nach Pfiffen gegen Werder

Anfang fordert Realismus

Nach dem 1:1 gegen Hannover pfiffen einige Werder-Fans im Weserstadion lautstark. Trainer Markus Anfang zeigte dafür Verständnis, bat aber auch um eine realistische Einschätzung der aktuellen Situation.
25.07.2021, 13:14
Lesedauer: 2 Min
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Von Björn Knips
Anfang fordert Realismus

Markus Anfangs erstes Heimspiel als Werder-Trainer endete mit Pfiffen von der Tribüne.

Andreas Gumz

Die Fans des SV Werder Bremen galten mal als die nachsichtigsten in der Bundesliga. Pfiffe gegen die eigene Mannschaft waren eigentlich tabu. Doch nach zwei ganz schlimmen Jahren mit dem Abstieg als Krönung ist der Geduldsfaden nur noch eine Faser – wenn überhaupt.

Denn schon beim Zweitliga-Auftakt gegen Hannover 96 gab es Pfiffe, erst vereinzelt zur Pause beim Stand von 0:0, dann ziemlich deutlich hörbar nach dem Spielschluss. Mit Werders Auftritt beim 1:1 waren nicht wenige der 14.000 Besucher unzufrieden. Der neue Coach Markus Anfang kann die Reaktion einiger Fans zwar einerseits verstehen, fordert andererseits aber auch Realismus ein.

„Für mich ist es kein Drama“, sagte der 47-Jährige. „Ich habe auch eine Phase erlebt, wo richtig Stimmung in der Bude war.“ Zum Beispiel direkt nach dem Anpfiff oder nach der Führung. Da war das Weserstadion wieder das Weserstadion, das in der Branche durchaus gefürchtet wird. Doch so gut blieb die Stimmung nicht.

Wurden die Pfiffe zur Pause noch durch ein „Werder, Werder“ aus der Ostkurve übertönt, setzten sich die schrillen Töne nach der Partie länger in den Ohren der Anwesenden fest. „Am Ende will jeder Fan auch gewinnen“, äußerte Anfang zunächst durchaus Verständnis. „Jeder muss aber auch anerkennen“, fuhr der Coach umgehend fort: „Das ist 2. Liga!“

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Anfang verwies auf das Auftaktspiel zur Saison am Freitag, das der zweite Absteiger FC Schalke gegen den Hamburger SV mit 1:3 verloren hatte. „Auch das ist 2. Liga.“ Auf der anderen Seite würden Mannschaften mit Qualität stehen. „Marvin Ducksch hat gezeigt, dass er auch ein guter Fußballer ist“, sagte Anfang über Hannovers Torschützen und betonte noch einmal ausdrücklich: „Wir werden nicht jede Mannschaft aus dem Stadion schießen.“

Die Werder-Fans müssen sich also an solche Spiele wie gegen Hannover gewöhnen, was hart ist. Denn nach dem Abstieg hatten sie eigentlich gehofft, dass wieder bessere Zeiten kommen. Die Enttäuschung ist entsprechend groß und entlädt sich dann mit Pfiffen. Beim nächsten Spiel wird es keine aus den eigenen Reihen gegen Werder geben, am Samstagabend in Düsseldorf sind Gäste-Fans nicht erlaubt. Das nächste Heimspiel ist dann erst am 15. August gegen den SC Paderborn.

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