Nach Rauswurf Ex-Stadionsprecher Stoll erhebt Vorwürfe gegen Werder

Am Mittwoch teilte Werder Bremen mit, sich mit sofortiger Wirkung vom langjährigen Stadionsprecher Christian Stoll zu trennen. Der 62-Jährige äußerte Unverständnis für seinen Rauswurf.
28.09.2022, 15:35
Lesedauer: 2 Min
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Von Daniel Cottäus

Werder Bremen hatte am Mittwochmittag kaum mitgeteilt, sich vom langjährigen Stadionsprecher Christian Stoll getrennt zu haben, da meldete sich der 62-Jährige auch schon in einer schriftlichen Erklärung zu Wort, äußerte Unverständnis für seinen Rauswurf – und erhob Vorwürfe gegenüber dem Verein. Werder selbst hatte seine Entscheidung gegen eine weitere Zusammenarbeit mit Stoll zuvor ohne Nennung eines Grundes bekannt gegeben. Auch auf einen Dank für die langjährige Zusammenarbeit verzichtete der Verein.

Aus Stolls Erklärung geht nun hervor, dass es nach dem Heimspiel gegen den FC Augsburg (0:1) am 9. September zu einem Zwischenfall gekommen ist, der intern für großen Ärger sorgte. Nach Ende der "hochdramatischen Schlussphase" habe er sich in direkter Ansprache zu zwei Bemerkungen gegenüber dem Schiedsrichter Martin Petersen sowie einem Augsburger Verantwortlichen hinreißen lassen, schreibt Stoll. "Dem Referee sagte ich, er möge doch lieber Kreisliga pfeifen, dem Mitglied der Geschäftsführung der Augsburger, er habe eine Truppe von Unsympathen am Start", berichtet Stoll – und versichert: "Beide Herren habe ich selbstverständlich derweil schriftlich um Entschuldigung gebeten."

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Werders Geschäftsführung habe ihm trotzdem mitgeteilt, dass sein Verhalten nicht zu den Werten des Vereins passe und ihn über das Ende der Zusammenarbeit informiert. Laut eigener Angabe sei Stoll, der seit 25 Jahren mit dem Verein zusammengearbeitet hat und seit 2001 gemeinsam mit Arnd Zeigler als Stadionsprecher-Duo fungierte, zu einer einvernehmlichen Trennung am Jahresende bereit gewesen. Das sei von Werder aber abgelehnt worden, ebenso wie sein Wunsch, noch das kommende Heimspiel gegen Gladbach begleiten zu dürfen.

"Selbst die dringliche Bitte, dann doch wenigstens mit dem Abschied von Claudio Pizarro auch selbst aufzuhören, wurde abschlägig beschieden", schreibt Stoll – und kommt zu dem Schluss: "Ich habe mich auch bei den Vereinsverantwortlichen entschuldigt und mein falsches Verhalten ehrlich bedauert. Ich habe keine Ausflüchte gesucht und habe zu meinem Fehler gestanden. Mehr konnte ich nicht tun. Dennoch hat man mich von einem Augenblick zum nächsten vom Hof gejagt." Das habe Stoll "in meinem Stolz, Teil der Werder-Familie zu sein, gekränkt und in meiner persönlichen Ehre als Mensch verletzt".

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In seinem Verhalten nach dem Augsburg-Spiel sieht der 62-Jährige zudem nicht den wirklichen Grund, der zur Trennung führte. "Ich nehme der Geschäftsführung des SVW nicht ab, dass mein Fauxpas gegen Augsburg der wahre Grund für dieses bittere Aus ist. Es gab zuletzt mehrmals Zwistigkeiten zu unterschiedlichen Thematiken. Ich glaube zudem, man hat meine kritischen Kolumnen und Kommentare in Bremer Medien über DFB/DFL, etwa zu den Geisterspielen, dem ,Kölner Keller' oder meine Sicht auf einige Clubs der BL-Konkurrenz nicht besonders geschätzt." Vielleicht sei er auch inzwischen "zu alt und meine Art ist nicht mehr zeitgemäß", schreibt Stoll und hebt hervor: "Als Fan, als Sportjournalist, als Stadionsprecher habe ich immer alles für Grün-Weiß gegeben. Dass dieser Teil meiner Verbundenheit nun so endet, tut ungeheuer weh. Aber diese Entscheidung haben, wie stets im Sinne des Clubs, andere zu vertreten. Unabhängig davon: Werder Bremen bleibt natürlich mein Verein!"

Weitere öffentliche Äußerungen werde es von ihm zu seinem Aus nicht geben. "Da ich bekanntermaßen unter Depressionen leide, haben mir meine behandelnde Ärztin, meine Frau, meine Freunde und mein Anwalt geraten, keine weiteren öffentlichen Erklärungen als diese zu dem Thema abzugeben." Werder wollte Stolls Stellungnahme auf Nachfrage unserer Deichstube nicht kommentieren.

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