Werder Bremen Naldo ist wieder ganz der Alte

Bremen. Bei Prognosen ist Naldo vorsichtig geworden. Er weiß ja aus leidlicher Erfahrung, wie schwer Vorhersagen zu treffen sind. Jetzt ist Naldo zurück, er ist wieder Stammspieler, er macht seine Sache gut. Werders Weg hingegen bereitet Sorge.
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Naldo ist wieder ganz der Alte
Von Thorsten Waterkamp

Bremen. Bei Prognosen ist Naldo vorsichtig geworden. Er weiß ja aus leidlicher Erfahrung, wie schwer Vorhersagen zu treffen sind - zu oft hatte er danebengelegen, wenn er während seiner 16-monatigen Verletzungsmisere auf ein Comeback spekuliert hatte. Jetzt ist Naldo zurück, er ist wieder Stammspieler, er macht seine Sache gut. Ärgerlich nur für den Brasilianer: Während er mit seinem breiten Lächeln von eigenen Erfolgserlebnissen berichten kann, lässt Werders Weg der letzten Wochen eher Sorgenfalten zu.

Es geht abwärts in der Tabelle - Platz sechs ist es noch nach dem 1:1 in Augsburg, nach dem dritten Spiel ohne Sieg in Folge. "Wir müssen gewinnen", mahnt deshalb auch Naldo an, "wir brauchen die drei Punkte gegen Mainz." Wenn es schon nicht mit den drei eingeplanten Punkten in Augsburg gereicht hat, wenn schon Werder statt Bayern-Jäger nur noch Sechster ist - dem letzten Platz, der zur Teilnahme am internationalen Wettbewerb berechtigt. Schnell geht's nach oben, schnell geht's nach unten: Es ist eng in der Bundesliga, die Differenz von Rang zwei zu Rang acht beträgt nur drei Zähler.

"Platz zwei oder drei ist unser Ziel"

Es ist Skepsis eingekehrt bei den Bremern, wohin der Weg führen mag in dieser Saison. Clemens Fritz beispielsweise sieht Werder nach zwei Niederlagen und einem Remis nun einsortiert in der Liga: "Wir stehen da, wo wir momentan hingehören", sagte der Kapitän dem "Kicker". Werder-Chef Klaus Allofs mahnte in Augsburg sogar an, die eigenen Ziele, die Teilnahme am internationalen Geschäft, nicht zu verpassen.

Naldo, der Glückliche dieser Tage, scheut sich dagegen nicht, nach oben zu schauen, auch wenn sich seine Leistung von der der Mannschaft abgekoppelt hat. "Die Bayern haben verloren", sagt er und lächelt sein Lächeln, "das sind nur fünf Punkte." Ob das nicht heißen solle, dass sich Werder an den Münchnern orientiere? Naldo reagiert schnell und wischt die mögliche Prognose beiseite - zu gefährlich, zu gewagt. "Nein, nein, wir schauen nicht auf die Bayern", korrigiert er, "zweiter oder dritter Platz, das ist unser Ziel. Deshalb müssen wir wieder gewinnen."

Er selbst hat in Augsburg seinen Teil dazu beigesteuert, dass es mit dem Sieg eigentlich hätte klappen müssen. Naldo war der Leuchtturm in einer lange blassen Bremer Mannschaft. Er war präsent, zweikampfstark, der beste Feldspieler auf dem Platz. "Das Wochenende hat gezeigt, wie wichtig er ist", sagt Clemens Fritz über Naldo - der Kapitän staunt selbst, wie weit der Innenverteidiger wieder ist: "Er macht einen sehr, sehr guten Eindruck. Nach so einer langen Verletzungspause ist das nicht normal."

Aber wie weit ist Naldo tatsächlich nach 15 Monaten, in denen gar nichts ging? Er selbst antwortet: "Ich bin wieder der alte Naldo." Bei 100 Prozent fühle er sich, "laufen, sprinten, Kopfball - es ist alles wieder da". Die Belastung, der sein operiertes Knie in der Bundesliga ausgesetzt ist, macht ihm nichts aus, sagt er und verweist auf die täglichen Einheiten im Bremer Übungsbetrieb: "Wir trainieren sehr hart." Überglücklich sei er, wieder eine Leistung zeigen zu können wie vor der schweren und langwierigen Verletzung.

Dabei hatte er sich schon eher die Rückkehr in die Startelf gewünscht, wochenlang drängte er, bat er, forderte er vom Trainer das grüne Licht für den Einsatz von Beginn an. Doch Thomas Schaaf gestand ihm im Liga-Betrieb zunächst nur ein paar Kurzeinsätze zu. Hier mal fünf Minuten gegen den HSV, dort mal 30 Minuten in Nürnberg. Naldo war ungeduldig: "Ein Spieler will immer spielen. Ich auch", sagt er und lächelt entschuldigend. Im Nachhinein aber gibt er Schaaf für das Bremsen Recht: "Der Trainer hat eine gute Nase gehabt." Als Naldo erst gegen Dortmund und dann in Augsburg zum Anpfiff auf dem Feld stand, war er fast wieder der Alte. Die 100 Prozent, von denen Naldo selbst spricht, hatte er noch nicht ganz - aber der Weg stimmt.

Eine Einschätzung vom Trainer über die Leistungsfähigkeit gibt es nicht. 100 Prozent oder weniger? Schaaf winkt sichtlich genervt ab. "Die Gedanken mache ich mir nicht", sagt er. "Naldo spielt gut. Das ist die Hauptsache."

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