Werder siegt 5:4 bei St. Pauli Naldo meldet sich nach 458 Tagen zurück

Hamburg. Der Brasilianer Naldo ist nach über einjähriger Leidenszeit auf die Fußballbühne zurückgekehrt . Er stand bei Werders Testspiel-Sieg am Dienstagabend beim FC St. Pauli 57 Minuten auf dem Platz und Werder siegte mit 5:4 am Millerntor.
17.08.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Naldo meldet sich nach 458 Tagen zurück
Von Marc Hagedorn

Hamburg. Die Bühne für das Comeback des Jahres wirkte ein wenig sonderbar. Als das Testspiel FC St. Pauli gegen Werder Bremen am Millerntor gestern Abend angepfiffen wurde, war die Südkurve komplett besetzt, die Nordtribüne exakt zur Hälfte, während der ganze Rest des Stadions leer war. Das war außergewöhnlich, aber außergewöhnlich war ja auch das, was auf dem Rasen passierte: Nach 458 Tagen Pause stand Werders Innenverteidiger Naldo erstmals wieder in der Profimannschaft. Als er unter dem Applaus der Zuschauer nach 56 Minuten ging, führte Werder mit 5:2, am Ende hieß es 5:4.

Es gäbe einiges zu erzählen über dieses Fußballspiel. Zum Beispiel, dass 7324 Zuschauer gekommen waren, obwohl diese Partie erst zwei Tage zuvor terminiert worden war. Oder dass Aleksandar Ignjovski seinen Einstand gefeiert hatte, genauso wie U17-Nationalspieler Cimo Röcker. Oder dass Marko Arnautovic eine bemerkenswerte Partie abgeliefert hatte. Arnautovic bereitete ein Tor wunderschön via Doppelpass mit Marko Marin vor, es war das 2:1. Das 3:1 und das 4:1 schoss Arnautovic dann selbst; zunächst mit einem großartigen Solo von der Mittellinie gegen vier (!) St. Paulianer. Wenig später nach einem 30-Meter-Pass von Claudio Pizarro, der als Seitenwechsel gedacht war. Arnautovic nahm den Ball volley aus 20 Metern - und traf in den Winkel.

Es hätte gestern das Arnautovic-Spiel sein können, es war aber das Naldo-Spiel. Die gut 800 mitgereisten Fans applaudierten dem Innenverteidiger bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Es dauerte keine Minute, dann spielte Rückkehrer Naldo seinen ersten Pass auf Nebenmann Leon Balogun - Applaus. In der zwölften Minute klärte Naldo mit einem langen Bein gegen Pauli-Stürmer Florian Bruns, der sonst freie Bahn gehabt hätte. Applaus. Nach 17 Minuten das gleiche Spiel noch einmal, nur diesmal per Kopf. Wieder Applaus.

So ging das im Prinzip die ganze Zeit. Naldo lieferte einen soliden Auftritt ab in einem Spiel, in dem beide Mannschaften auf harte Zweikampfführung nahezu verzichteten. Diese Partie war der ideale Einstieg für einen Mann wie Naldo, der länger als ein Jahr kein Spiel bestritten hatte. Entsprechend üppig fiel das Lächeln aus, als Naldo hinterher vor die Reporter trat. "Ich fühle mich wundervoll", sagte er. Und: "Es ist ein ganz tolles Gefühl, wieder das Werder-Trikot zu tragen." Probleme habe er keine gehabt, überhaupt nicht. Das bezog Naldo vor allem auf das Knie, das ihn so lange geärgert hatte. Wenn es Probleme gab, dann waren die eher fußballerischer Natur. Beim ersten Tor der Hamburger etwa stand Naldo so ungünstig im Raum, dass er dem kleinen Ignjovski nicht mehr zur Hilfe eilen konnte, als Torschütze Kevin Schindler diesen einfach übersprang.

Solche und ähnliche Aktionen, nur Kleinigkeiten zwar, reichten aber, damit Cheftrainer Thomas Schaaf feststellen konnte: "Das war schon ganz gut. Ein bisschen fehlt aber noch, in der einen oder anderen Situation muss noch ein bisschen mehr kommen." Mit Blick auf das Bundesliga-Spiel am kommenden Sonnabend gegen den SC Freiburg kann das nur bedeuten, dass ein Einsatz in der Startelf nicht zur Diskussion steht, höchstens für einen Platz im Kader könnte es reichen.

Naldo, der gern mehr will, der gern schneller zurück möchte, wird damit aber leben können. So wichtig nimmt er sich dann doch nicht. Das gab es sehr schön in der 51. Minute zu bestaunen: Werder bekam einen Elfmeter. "Naldo, Naldo" skandierte die Tribüne. Naldo winkte ab, als Sandro Wagner ihm die Ausführung anbot. Wagner schoss und traf, und Naldo sagte: "Sandro ist Stürmer, er braucht ein Erfolgserlebnis mehr als ich. Ich bin Innenverteidiger, mein Job ist es Tore zu verhindern." Seit gestern Abend macht er das wieder.

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