Werder Bremen Neuzugänge haben Werder schon geholfen

Bremen. Einen neuen Diego oder Mesut Özil gibt es zwar nicht, dafür haben aber zumindest fünf der sechs Verpflichtungen aus dem Sommer schon bewiesen, dass sie Werder Bremen weiterhelfen können. Die Zwischenbilanz ist überwiegend befriedigend.
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Neuzugänge haben Werder schon geholfen
Von Marc Hagedorn

Bremen. Namen wie Johan Micoud, Mladen Krstajic oder Valerien Ismaël stehen stellvertretend für eine Reihe cleverer Einkäufe, die Werder in den letzten zehn Jahren getätigt hat. Inzwischen warten die Fans aber schon etwas länger auf ähnliche Volltreffer.

Den neuen Diego oder Mesut Özil gibt es zwar auch unter den aktuellen Neuverpflichtungen nicht, dafür aber haben zumindest fünf der sechs Verpflichtungen aus dem Sommer schon bewiesen, dass sie Werder weiterhelfen können.

Markus Rosenberg (13 Spiele/3 Tore/3 Vorlagen), Weser-Kurier-Durchschnittsnote: 3,89

Thomas Schaaf verpackte die Kritik in nette Worte. Angesprochen auf die Leistung seiner Stürmer Marko Arnautovic und Markus Rosenberg im Spiel gegen Stuttgart sagte Schaaf: "Entscheidend ist, dass sie gelauert haben, dass sie Chancen gehabt haben, dass sie aktiv und wach waren." Dass beide beim 2:0 trotz bester Chancen nicht ins Tor getroffen hatten? "Man wünscht sich natürlich, dass Angreifer treffen", sagte Schaaf, mehr aber auch nicht.

Dass die Angreifer mehr treffen - das wünschen sich auch die Fans. Rosenberg wähnte man da zu Saisonbeginn noch auf einem guten Weg. Er hatte beim blamablen Pokal-Aus in Heidenheim als einziger Bremer getroffen, anschließend beide Tore zum 2:0-Auftaktsieg in der Bundesliga gegen Kaiserslautern gemacht. Seitdem, seit dem 6. August, hat sich Rosenberg allerdings sehr zurückgehalten und trotz einiger Einsätze in der Startelf nur noch ein Tor geschossen. Was bei dem Schweden jedoch gern übersehen wird: Als Vorbereiter hat er Werder schon zu Siegen verholfen. Zu Pizarros 2:1 gegen Hertha in der Nachspielzeit lieferte Rosenberg genauso die Vorlage wie zu Pizarros 3:2-Siegtor gegen Köln. In diesem Spiel hatte Rosenberg auch den Elfmeter zum 2:2 herausgeholt. Dass sie bei Werder Bremen trotzdem mehr von ihm erwarten, ist unstrittig.

Aleksandar Ignjovski (9 Spiele/0 Tore/0 Vorlagen), Durchschnittsnote: 3,72

Wenn es so etwas wie einen Lieblingsspieler von Thomas Schaaf gäbe, dann wäre Aleksandar Ignjovski ein guter Kandidat dafür. Der Werder-Trainer gerät, untypisch für ihn, geradezu ins Schwärmen, wenn er über den 20-jährigen Serben spricht, den Werder im Sommer vom Zweitligisten 1860 München geholt hat.

"Egal ob im Mittelfeld oder in der Abwehr - er ist auf jeder Position gut aufgehoben", sagte Schaaf gestern. "Aktivität" und "Einsatzfreude" lobte Schaaf, "er ist sehr agil". Hinten rechts, hinten links und zentral vor der Abwehr hat Aleksandar Ignjovski schon spielen dürfen. Exakt dort, im defensiven Mittelfeld, würde der Spieler selbst am liebsten spielen. "Besser wäre es, eine feste Position zu haben", sagt Ignjovski, der sich beeilt, diesen Satz nicht wie eine Forderung an den Trainer klingen zu lassen. "Die Hauptsache ist, dass ich überhaupt spiele."

Wenn Schaaf ihn in dieser Saison draußen ließ, hat Ignjovski es professionell und ohne aufzumucken akzeptiert. Dabei könnte er durchaus Ansprüche anmelden: Mit seiner kompromisslosen und ehrlichen Spielweise hat er sich vor allem unter den Werder-Fans schon Freunde gemacht. Ob man das erwarten durfte, als ihn Werder kurz vor Saisonbeginn nach langem Hin und Her endlich unter Vertrag nehmen konnte? Ignjovski sagt zu seiner rasanten Entwicklung: "Ich habe gedacht, dass es länger dauert."

Mehmet Ekici (14 Spiele/1 Tor/1 Vorlage), Durchschnittsnote: 4,25

Er war der teuerste Neueinkauf (5 Millionen Euro) und derjenige, von dem man sich am meisten versprach: Nach einem Jahr, das im Bremer Aufbauspiel von spielerischer Armut geprägt war, sollte Ekici für neue Impulse sorgen. Beim 1. FC Nürnberg hatte er das zuvor eindrucksvoll getan (3 Tore/9 Vorlagen). Bei Werder wirkt er auch nach dem 14. Spieltag noch nicht integriert. Thomas Schaaf und Klaus Allofs haben in den vergangenen Wochen mehrfach erklärt, dem türkischen Nationalspieler Zeit geben zu wollen.

Vorangebracht hat das den 21-Jährigen bis dato noch nicht. Über seine Situation redet Ekici nicht gern. Für die "Sport-Bild" machte er kürzlich eine Ausnahme: "Ich bin noch nicht da, wo ich sein will. Die Erwartungen an mich hier in Bremen sind höher als vergangene Saison in Nürnberg." Schneller werde bei Werder gespielt, zudem sieht man ihn in Bremen auf der zentralen offensiven Mittelfeldposition. In Nürnberg spielte er meist auf der rechten Halbposition. Die ist bei Werder in dieser Saison bisher von einem wichtigen Spieler belegt: vom neuen Kapitän Clemens Fritz.

Sokratis Papastathopoulos (12 Spiele/0 Tore/0 Vorlagen), Durchschnittsnote: 3,50

Sokratis freut sich auf den Sommer. Dann spielt er mit Griechenland bei der Europameisterschaft. In der Nationalmannschaft ist er Stammspieler, hat als Innenverteidiger maßgeblich dazu beigetragen, dass die Griechen nur vier Gegentore in der Qualifikation kassiert haben. Bevor das Turnier im kommenden Juni beginnt, wird der 23-Jährige auch wissen, wo er nach der EM spielen wird. Es könnte weiterhin in Bremen sein. Für die festgeschriebene Summe von 3,5 Millionen Euro kann Werder ihn vom CFC Genua verpflichten.

In Bremen hat sich Sokratis auf Anhieb als rechter Verteidiger etabliert, in der Mannschaft ist er hoch angesehen; die Sportliche Leitung schätzt ihn wegen seiner durch und durch professionellen Einstellung. Sokratis' Teamkollege und Konkurrent auf der rechten Verteidigerposition, Ignjovski, rechnet für das Spiel gegen die Bayern mit einer Rückkehr des Griechen in die Startelf: "Er hätte ja auch gegen Stuttgart gespielt." Was einzig deshalb nicht ging, weil Sokratis am vergangenen Sonntag eine Gelb-Rot-Sperre absitzen musste.

Andreas Wolf (12 Spiele/0 Tore/1 Vorlage), Durchschnittsnote: 3,50

Der 29-jährige kam mit der Empfehlung, 175 Bundesligaspiele für den 1. FC Nürnberg gemacht zu haben und eine "Club"-Ikone zu sein. Als Werder am 6. Spieltag mit Wolf in Nürnberg spielen musste, hatten die dortigen Fans ein Sonderheft aufgelegt und ihrem Liebling ein nachträgliches Abschiedsgeschenk überreicht. So groß ist die Anerkennung in Bremen noch nicht.

Doch immerhin ist Trainer Thomas Schaaf schon so sehr von Wolf überzeugt, dass er nach dem 0:5 in Gladbach Sebastian Prödl und nicht Wolf aus der Mannschaft nahm, obwohl beide Innenverteidiger große Schwächen gezeigt hatten. So spielte Wolf gegen Stuttgart und bot beim 2:0 prompt eine solide Leistung - wieder mal. Damit sind Wolfs Qualitäten beschrieben: Aussetzer wie gegen Freiburg (5:3) oder in Augsburg (1:1) sind bei ihm die Ausnahme, in der Regel liefert Wolf das unspektakuläre Handwerk eines Innenverteidigers ab. Allerdings hat er Schwächen in der Spieleröffnung.

Lukas Schmitz (12 Spiele/0 Tore/3 Vorlagen), Durchschnittsnote: 3,75

Als Werder neulich zum Sponsorenabend geladen hatte, da gehörte Schmitz neben Mannschaftskapitän Clemens Fritz und Marko Marin zu der kleinen Abordnung aus Spielern, die für diese exklusive Veranstaltung ausgewählt worden waren. Das zeigt, dass der Ex-Schalker neben dem Platz längst eine gewisse Wertschätzung in seinem neuen Verein erfährt. Das gilt auch auf dem Platz - allerdings mit Abstrichen. Nur dreimal (beim 1:1 in Nürnberg, beim 2:3 in Hannover und beim 0:5 in Gladbach) ließ Schaaf den Linksverteidiger beim Anpfiff freiwillig draußen.

Lukas Schmitz dankt das Vertrauen mit drei bis vier herzhaften Offensivaktionen pro Spiel. Defensiv indes leistet sich der 23-Jährige Fehler im Stellungsspiel und übersieht hin und wieder Gegenspieler in seinem Rücken. Das birgt ein Risiko, und mit Blick auf das nächste Spiel bei den Bayern lautet die Frage, ob Schaaf dieses Risiko eingeht bei einem Außenbahnwirbler und möglichen Schmitz-Gegenspieler wie Arjen Robben, oder ob er stattdessen nicht lieber den defensivstärkeren Ignjovski bringt. Gestern im Training stand Schmitz in der vermeintlichen A-Elf. Als Schaaf üben ließ, wie eine Viererkette zu knacken ist, hießen die Nebenleute von Schmitz: Naldo, Wolf und Ignjovski, also exakt so wie am Sonntag beim 2:0-Sieg über den VfB Stuttgart.

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