Niklas Moisander glaubt an Werders Stärke

Zurück in der Verantwortung

Niklas Moisander hat in seinen bisher fünf Bremer Jahren reichlich Abstiegskampf erlebt. Er glaubt an seine persönliche Stärke - und an Werders Stärke. Seine Zukunft lässt er offen.
15.04.2021, 11:20
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Von Björn Knips
Zurück in der Verantwortung

Niklas Moisander hat klare Vorstellungen vom Auftreten seiner Mannschaft in den kommenden Begegnungen.

Andreas Gumz

Mit 35 Jahren ist er der älteste Spieler im Kader des SV Werder Bremen. Und in dieser Saison hat Niklas Moisander auch noch seinen Stammplatz an einen Jüngeren im Team verloren, an Marco Friedl (23). So gehen im Fußball oft Karrieren zu Ende. Doch Moisander denkt gar nicht daran, sich jetzt damit zu beschäftigen. Der Finne, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, lässt in einer Medienrunde nicht nur seine Zukunft offen, sondern betont zugleich: „Ich bin noch gut genug für die Bundesliga.“ Er wird es beweisen können – als Ersatz des verletzten Abwehrchefs Ömer Toprak.

„Es ist sehr schade, dass Ömer ausfällt. Er hat sehr gut gespielt“, sagt Moisander. Aber nicht er alleine, nur das gesamte Team könne so einen Verlust ausgleichen. Und da ist der Kapitän guter Dinge, auch was grundsätzlich den Kampf um den Klassenerhalt betrifft. „Wir haben in dieser Saison gezeigt, dass wir eine richtige Mannschaft sind. Wir machen alles füreinander. Wir hören nie auf!“, setzt der ansonsten eher nicht so wortgewaltige Finne fast zur Kampfansage an und verbreitet in einer Woche, in der die Angst vor dem Abstieg nach Bremen zurückgekehrt ist, sehr viel Optimismus: „Ich bin überzeugt davon, dass wir das schaffen.“

Und Moisander ist jemand, der sich durchaus mit Abstiegskampf auskennt. Das hat er bei Werder gelernt. Vor knapp fünf Jahren war er von Sampdoria Genua an die Weser gewechselt. Fast immer musste er sich danach mit dem Thema Klassenerhalt beschäftigen. Am Ende blieben seine Bremer stets drin. Nur er nicht im Team. Der Verlust des Stammplatzes zu Saisonbeginn schmerzt ihn noch immer, das ist nicht zu überhören. „Es ist kein Spaß, nicht zu spielen“, gesteht Moisander: „Aber ich habe in diesem Jahr gelernt, auf mich zu schauen.“ Das bedeutete, sich im Training voll reinzuhängen, „immer mein Bestes zu geben“, wie er es beschreibt, um dann für den Moment der Rückkehr ins Spiel bereit zu sein.

Und das war er – vor allem im Pokal. In allen vier Partien stand der Ex-Nationalspieler jede Minute auf dem Platz und ließ mit seinen Kollegen kein Gegentor zu. Vereinsrekord eingestellt. Aber die Gegner kamen auch allesamt nicht aus der ersten Liga.

Im Fußball-Oberhaus ist Moisanders Weste dagegen längst nicht so weiß. Bei seinen sechs Startelf-Einsätzen erlebte er keinen Sieg, sondern nur drei Unentschieden und drei Niederlagen. Die letzten beiden Gegner von Moisander in der Liga hießen allerdings auch FC Bayern (1:3) und RB Leipzig (1:4). Nun geht es am Sonntag nach Dortmund – mit einem gewissen Erling Haaland im Sturm. „Er ist so ein großes Talent, den kannst du nicht alleine aus dem Spiel nehmen“, sagt Moisander. „Wir müssen zwei Sachen verbessern: Erstens im Strafraum aggressiver sein als gegen Leipzig, und zweitens mehr Tore machen. Wir müssen insgesamt einfach schärfer sein.“

So spricht ein Kapitän. Es ist zu spüren, dass er diese Rolle nun wieder mehr einnehmen will als in der Vergangenheit. Nachvollziehbar. Als Reservist ist es immer problematisch, die Leistung der Kollegen auf dem Platz öffentlich zu bewerten. Es bestünde schnell der Verdacht, damit auch seine eigene Rolle verbessern zu wollen. Und natürlich will Moisander spielen, so wie er es eigentlich immer in seiner Karriere getan hat. Der Finne war stets Stammspieler.

„Es ist das erste Mal anders“, sagt er. Aber das sei nun absolut zweitrangig. Gerade im Endspurt einer Saison gehe es nicht mehr um persönliche Dinge. Deswegen will er auch nicht über seine Zukunft reden, obwohl der Vertrag am 30. Juni ausläuft. „Ich verstehe ja die ganzen Fragen und Spekulationen“, antwortet er ganz freundlich, um das Thema dann schnell wieder zu beenden: „Aber das ist jetzt nicht der Moment, darüber zu sprechen. Ich will mich voll und ganz auf die aktuelle Situation fokussieren. Nach dem letzten Spiel werde ich dann mit meiner Familie eine Entscheidung treffen.“

Auf ein Karriereende deutet nichts hin. Beim 35-Jährigen ist noch sehr die Lust auf Fußball, und zwar auf Profi-Fußball zu spüren. Eine Vertragsverlängerung bei Werder ist aufgrund seines Alters eher unwahrscheinlich, die Grün-Weißen wollen ihr Team eigentlich weiter verjüngen. Weil Moisanders Frau eine Schwedin ist, wird bereits spekuliert, dass er künftig für einen Klub in Stockholm spielen könnte. Dort will die Familie schließlich irgendwann sesshaft werden, hat Frau Moisander mal verraten. Doch das alles muss noch ein paar Wochen warten, vielleicht auch länger.

Die volle Konzentration gilt dem Saison-Endspurt. „Wenn wir nicht punkten, dann wird es gefährlich“, warnt Moisander, macht sich aber keine Sorgen, dass ein Spieler die Lage unterschätzen könnte oder mit dem Druck überfordert wäre: „Wir wussten von Anfang an, dass es bis zum Ende der Saison spannend bleiben kann.“

Die Mannschaft sei definitiv auf einen Krimi vorbereitet. Die Art und Weise, wie dabei gespielt werde, sei „nicht so wichtig“. Es gehe jetzt einzig und allein um den Klassenerhalt. „Die Besten müssen spielen, egal, wie alt sie sind“, findet Moisander, der mit 35 Jahren älteste Spieler im Kader des SV Werder Bremen.

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