Nordderby

Anfang will das Feuer in den Werder-Fans entzünden

Nachdem die Fans des SV Werder noch vor wenigen Wochen gefrustet waren, herrscht vor dem Nordderby vorsichtiger Optimismus in Bremen. Werder-Coach Markus Anfang will die Anhänger nun vollends zurückerobern.
17.09.2021, 09:09
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Von Daniel Cottäus

Es sind nur knapp fünf Wochen, die zwischen den beiden Spielen liegen, von Mitte August bis Mitte September, und dennoch ist es ein Zeitraum, der sich für Markus Anfang am Samstagabend gegen 22.20 Uhr größer anfühlen könnte. Deutlich größer. Um Welten größer sogar.

Nur zur Erinnerung: Nach der 1:4-Heimniederlage gegen den SC Paderborn hatte Werders Trainer am dritten Spieltag erfahren, wie sich ein restlos bedientes und zutiefst enttäuschtes Weserstadion anhören kann: laut, ungehalten und schrill. Läuft es nun am Samstagabend aber gut, gelingt also der heiß ersehnte Heimsieg im Nordderby gegen den Hamburger SV, dürfte sich über Anfang das komplette Gegenteil von den Rängen ergießen: die überbordende Freude, die kollektive Glückseligkeit. „In solchen Derbys kannst du dir sehr viel Kredit zurückholen“, weiß der Trainer, dessen Team die Fanseele mit zuletzt guten Leistungen schon wieder deutlich milder gestimmt hatte – und sie am Samstag nun endgültig zurückerobern möchte.

In den ersten Wochen der neuen Saison, so der allgemeine Eindruck, der sich nach dem Paderborn-Spiel dann auch akustisch entlud, war die Geduld vieler grün-weißer Anhänger durch den noch tiefsitzenden Abstiegsfrust, einen nur schleppend anlaufenden Umbau des Kaders sowie den mäßigen Saisonstart inklusive Pokal-Aus nahezu aufgebraucht. Mittlerweile hat sich die Stimmung gedreht.

„Die Enttäuschung nach dem Abstieg und vielleicht auch darüber, dass die Fans wegen der Pandemie so lange Zeit nicht im Stadion helfen konnten, lässt jetzt langsam nach“, hat Anfang festgestellt. Die späten Verpflichtungen von namhaften Spielern wie Marvin Ducksch und Mitchell Weiser sowie die guten Ergebnisse in jüngster Zeit haben viele Gemüter wieder beruhigt. „Wir sind auf dem Weg, dass wir wieder alle gemeinsam durch die Saison gehen“, sagt Anfang über die Beziehung zu den Fans. Das Derby gegen den HSV sieht er dabei „als große Chance“, um auf diesem Weg einen entscheidenden Schritt voranzukommen.

Wir sind auf dem Weg, dass wir wieder alle gemeinsam durch die Saison gehen
Werder-Trainer Markus Anfang über die Beziehung vom Team zu den Fans 

Wenn die Partie am Samstagabend um 20.30 Uhr angepfiffen wird, werden 21.000 Fans im Stadion sitzen, etwas mehr als 1000 davon aus Hamburg. Und schon jetzt steht fest: Ganz unabhängig vom Geschehen auf dem Platz wird die Stimmung anders sein als bei vorherigen Nordderbys. Keine aufwendigen Choreografien, keine per Megafon angestimmten Fangesänge, kein Dauer-Support. Das liegt daran, dass sowohl die Bremer als auch die Hamburger Ultra-Gruppen während der Pandemie nach wie vor nicht zu den Spielen ins Stadion kommen – und somit seit ihrem Bestehen für das wohl erste ultrafreie Nordderby sorgen.

Fürs Anfeuern müssen also erneut die anderen Fans sorgen. In Anfangs Augen ist ihnen das zuletzt ziemlich gut gelungen: „Die Stimmung gegen Rostock und auch in Ingolstadt war sehr, sehr gut“, betont der Trainer, der ohnehin seine Mannschaft in der Hauptverantwortung dafür sieht, dass die Fans in Wallung kommen: „Wir sind diejenigen, die dafür sorgen müssen, dass der Funke überspringt und dass die Zuschauer uns unterstützen.“

Davon, wie das im Derby gelingen kann, hat Anfang eine klare Vorstellung. Der 47-Jährige erwartet von seiner Mannschaft einen körperbetonten Auftritt, eine gewisse Grundaggressivität, „damit wir unser Spiel durchbringen. Nur mit ein bisschen Fußballspielen wird es gegen den HSV auf gar keinen Fall funktionieren. Dafür ist der Gegner qualitativ viel zu gut aufgestellt.“

Bei einem Sieg könnte sich Werder (aktuell auf Platz drei) mit dann 14 Punkten auf dem Konto vorerst in der Spitzengruppe festsetzen und zugleich dem ewigen Rivalen aus Hamburg (Platz neun, neun Punkte) einen Dämpfer verpassen. „Unsere Aufgabe fürs Wochenende lautet, ein gutes Spiel zu machen und uns dafür am Ende auch zu belohnen“, erklärt Anfang. Wird sie erfüllt, gibt es neben den drei Punkten nach dem Abpfiff für den Trainer und seine Spieler noch eine zusätzliche Art der Anerkennung: ein komplett neues Stadionerlebnis.

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