Skripnik-Nachfolger nur Übergangslösung? Nouris Chance bei Werder Bremen

Er ist laut Frank Baumann ein Übergangslösung auf dem Cheftrainer-Posten bei Werder Bremen: der bisherige U23-Trainer Alexander Nouri. Aber Nouri hat in seiner Karriere schon oft überrascht.
18.09.2016, 23:41
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Freye und Marc Hagedorn

Er ist laut Frank Baumann ein Übergangslösung auf dem Cheftrainer-Posten bei Werder Bremen: der bisherige U23-Trainer Alexander Nouri. Aber Nouri hat in seiner Karriere schon oft überrascht.

Reden kann er. Wenn Alexander Nouri über seine Arbeit bei Werders U 23 spricht, dann redet er gern davon, seine Spieler „inspirieren“ zu wollen, und davon, dass „jeder eingeladen ist, sich der Herausforderung zu stellen“. Alexander Nouri ist ein Trainer, der eine positive Grundstimmung zu den wesentlichen Voraussetzungen für sportlichen Erfolg zählt. Für Nouri geht es um die Lust am Gewinnen, nicht um die Angst vor der Niederlage. Deshalb spricht der 37-Jährige auch so oft von Chancen, die sich bieten.

Nun erhält Alexander Nouri selbst die Möglichkeit, sich zu beweisen – ein gutes Jahr, nachdem er die Lizenz als Fußballlehrer erworben hat und knapp zwei Jahre nach seinem Einstieg bei Werders U23. Im Oktober 2014 war er zum ersten Mal auf Viktor Skripnik gefolgt. Nouri ist mit der U23 seitdem einmal aufgestiegen und hat sie in der vergangenen Saison in der dritten Liga gehalten. Das sind starke Referenzen.

„Wir glauben, dass er einen neuen Impuls hier setzen kann.“

Frank Baumann über Alexander Nouri

Für Frank Baumann ist das überzeugend genug, um Nouri nun zum Bundesliga-Trainer zu befördern, auch wenn noch nicht klar ist, für wie lange. „Wir glauben, dass er einen neuen Impuls hier setzen kann“, sagte Werders Sportchef am Sonntag, „er braucht keine große Anlaufzeit. Er kennt die Mannschaft, er kennt einige Spieler, kennt die Strukturen hier.“ Mindestens im nächsten Heimspiel gegen Mainz am Mittwoch und wohl auch am Sonnabend gegen Wolfsburg wird Nouri als Cheftrainer im Weserstadion an der Linie stehen. Nouris Aufgaben bei der U23 wird vermutlich sein Vor-Vorgänger Thomas Wolter, seit drei Jahren Sportlicher Leiter des Leistungszentrums, übernehmen. Vielleicht sogar für länger, wenn Nouri bei den Profis überzeugt?

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„Er ist eine Übergangslösung“, sagt Baumann. Einerseits. Andererseits sagte Baumann am Sonntag aber auch: „Es ist immer alles möglich.“ Für die „nächsten Tage und Wochen“ sieht Baumann Werder mit Nouri gut aufgestellt. Und es gibt ja tatsächlich Beispiele von Interimslösungen, die schnell zu Dauerlösungen geworden sind. Werders jüngster Gegner Borussia Mönchengladbach war so ein Fall: Dort hat Andre Schubert, zuvor U23-Coach und als Übergangskandidat für die Profis gedacht, inzwischen als Cheftrainer das Sagen.

Als Nouri im Sommer 2014 in Bremen antrat, war nicht annähernd absehbar, dass sich die Dinge so entwickeln, wie sie es gerade tun. Zu Beginn seiner Bremer Trainerzeit gab sich Nouri umgänglich und pflegte einen lockeren Umgang mit den jungen Kickern. Seine aktive Karriere war ja gerade erst seit zwei Jahren beendet. Doch bereits damals hatte Alexander Nouri auch deutliche Worte gefunden: „Es geht mehr um die Inspiration, denn wenn ich einen Spieler noch motivieren muss, hat er im Leistungsfußball nichts zu suchen.“ Das sollte heißen: Das Leben als professioneller Kicker bietet viele Möglichkeiten, und Nouri ist auch gern behilflich dabei, sie zu entdecken. Die wesentlichen Voraussetzungen muss der Spieler aber immer noch selbst mitbringen; etwa das Bewusstsein für das Privileg, diesen Sport überhaupt zum Lebensinhalt machen zu dürfen.

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Alexander Nouri lebt das vor. Er betrachte das Amt als „Geschenk“ und sei dem Verein „unheimlich dankbar für diese Chance“, hatte der Trainer zum Einstieg bei der U23 gesagt. Dass Werder eine Herzensangelegenheit für Alexander Nouri ist, war auch schnell deutlich geworden: „Für mich hat immer das Für- und Miteinander diesen Verein ausgemacht.“

Es waren die Erfahrungswerte eines Mannes, der gerade zum zweiten Mal an die Weser gewechselt war. Aufgewachsen ist Alexander Nouri in Buxtehude. Nach Stationen in der Heimat war er mit 15 in den Werder-Nachwuchs gewechselt. Vier Jahre später unterschrieb er einen Lizenzspielervertrag und wurde zur festen Größe der Werder-Amateure. Zum Sprung in den Profikader reichte es für den Mittelfeldspieler, 1999 für eine Spielzeit an die Seattle Sounders ausgeliehen, allerdings nicht. Stattdessen wechselte Nouri 2001 nach Uerdingen und trat später noch für den VfL Osnabrück (2004 bis 2008), Holstein Kiel (2008 bis 2010) und den VfB Oldenburg (2010 bis 2012) an.

In Oldenburg gelang Alexander Nori auch sein erstes kleines Meisterstück. Denn nach einigen Jahren als Athletik- und Co-Trainer wurde er im Frühjahr 2013 zum Cheftrainer des Regionalligisten befördert – und entfachte eine Euphorie, von der der VfB bis heute zu profitieren scheint. Nouri gelang es damals, seine Mannschaft, ihr Umfeld und die Fans auf ein gemeinsames Ziel einzuschwören. Der dritte Platz in der Saison 2013/2014 galt denn auch als kleine Sensation.

Gern ließ man Nouri seinerzeit nicht abwandern in Richtung Werder, wo er als Bindeglied zwischen Profiteam (Robin Dutt) und U23 (Viktor Skripnik) fungieren sollte. Dass er diese Funktion nicht wie geplant ausüben konnte, sondern eher eine Art Co-Trainer für das Nachwuchsteam wurde, umschrieb er gekonnt mit dem Satz: „In die Bundesliga bin ich weniger involviert.“ Reden kann er, der neue Trainer. Und in die Bundesliga involviert ist er ab sofort auch.

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