Die Sturm-Analyse

Nur ein Bremer ist effektiv

Nur 24 Tore in 19 Spielen sind der Beleg, wie groß Werders Probleme in der Offensive sind. Doch es gibt noch mehr Zahlen, die Anlass zur Sorge sind. Viele Gründe, weshalb ein weiterer Stürmer notwendig ist.
30.01.2020, 13:28
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Nur ein Bremer ist effektiv
Von Christoph Sonnenberg
Nur ein Bremer ist effektiv

Mit sieben Liga-Treffern ist Milot Rashica bester Bremer Torschütze.

nordphoto/Mauelshagen

Bildlich ausgedrückt lässt sich über einen Grund der Bremer Krise sagen: Im Sturm steckt der Wurm. Nur 24 Tore in 19 Spielen sind für eine Mannschaft, die lange mit offensiver Grundordnung angetreten ist, dürftig. In den jüngsten Spielen waren Chancen Mangelware, zuletzt kam Weder kaum noch in die Zone, in der in der Regel Tore erzielt werden.

Folgerichtig soll Verstärkung für den Sturm her, bislang hat Frank Baumann aber noch keine gefunden. Es gilt der Satz, dass ein Zugang besser sein muss als die Offensivspieler, die im Kader stehen. Was, wenn man den Ist-Zustand nimmt, noch allzu schwer sein dürfte. Alle Spieler der Offensiv-Abteilung haben Probleme.

Milot Rashica

In der Hinrunde schien er lange Zeit immun gegen die Krise zu sein, als die Mannschaft schon mitten drin steckte. Mittlerweile hat die Verunsicherung auch Rashica erreicht. Sein Versuch, sich in Spielen durch Dribblings Selbstvertrauen zu holen, scheitert derzeit. Dennoch hat er zweifelsfrei die Fähigkeit, die nötigen Tore für den Klassenerhalt zu erzielen. Das hat er im Laufe der Saison bewiesen: Sieben sind es bisher in 15 Einsätzen, 184 Minuten benötigte er pro Treffer. Damit ist Rashica – abgesehen von Füllkrug – effektivster Bremer Torschütze und zugleich der einzige, der effektiv ist.

Niclas Füllkrug

Auf ihm ruhten alle Offensiv-Hoffnungen dieser Saison, bis er sich am 20. September einen Kreuzbandriss zuzog. Zurecht, in zuvor vier Spielen mit einer Nettospielzeit von 292 Minuten traf Füllkrug zweimal und legte ein Tor auf. Das ist eine Torquote, die Werder jetzt gut gebrauchen könnte. Auch als Typ fehlt er – Füllkrug hat diese Ist-mir-doch-egal-Haltung, die eine Mannschaft speziell in schwierigen Phasen braucht. Drei Knorpelschäden hat der 26-Jährige in seiner Karriere bereits erlitten. Für einen Spieler mit dieser Verletzungshistorie keinen Ersatz im Kader zu haben, muss sich Werder vorwerfen lassen.

Yuya Osako

Lange wurde er von Florian Kohfeldt geschützt. Intern bezeichnete er Osako schon mal als seinen Lieblingsspieler, der stets gesetzt sei. Davon ist der Trainer abgerückt, in der Rückrunde wurde Osako zum Einwechselspieler degradiert. Nachvollziehbar, der Japaner wirkt lust- und teilnahmslos wie jemand, der Dienst nach Vorschrift verrichtet. Nach Schiedsrichter-Entscheidungen reklamiert er mit mehr Engagement als er während der Spiele zeigt. Vier Treffer und eine Vorlage verteilen sich auf 14 Einsätze beziehungsweise 973 Minuten, macht alle 243 Minuten ein Tor.

Johannes Eggestein

Für Werders U19 erzielte er in einer Saison 33 Tore in 26 Spielen. Eine eingebaute Tor-Garantie wurde Johannes bei den Junioren nachgesagt, völlig zurecht. Im Seniorenbereich war damit Schluss, in der U23 erzielte er in 31 Spielen nur drei Treffer. Bei den Profis muss Eggestein im Mittelfeld ran, vor das Tor kommt er so nur selten. Noch seltener kommt er aktuell zum Einsatz: Ein Tor in elf Spielen ist sein Bilanz.

Josh Sargent

An seinen Fähigkeiten bestehen keine Zweifel. Diese konstant abzurufen, das schafft Sargent aber noch nicht. Auf Aktionen zum Staunen folgen zu oft Stockfehler oder ganze Spiele, in denen der 19-Jährige abtaucht. Die Hoffnung, dass das Supertalent diese Saison den Durchbruch schafft, erfüllt sich noch nicht. Zwei Tore und zwei Assists in 13 Spielen sind in Ordnung, machen ihn aber nicht zum Hoffnungsträger im Abstiegskampf.

Claudio Pizarro

Vergangene Saison ist immer etwas passiert, wenn Pizarro kam – auf dem Platz und auf den Rängen. Fünf Tore in 673 Minuten Spielzeit, also alle 135 Minuten ein Treffer, sind ein sehr guter Wert. Dieser Effekt ist verpufft. Die Hüfte wird steifer, die Bewegungen langsamer, ein völlig normaler Prozess. Das Ergebnis sind null Tore nach 13 Kurzeinsätzen. Im Sommer beendet Pizarro seine Karriere, ein Tor wäre ihm bis dahin noch zu gönnen. Oder mehrere.

Benjamin Goller

Er hat, was Werder gebrauchen kann: Tempo und Dribbelstärke. Zählbares ist dadurch jedoch noch nicht herausgekommen. Kein Tor, keine Vorlage in zehn Einsätzen. Dennoch bekommt Goller extreme Rückendeckung vom Trainer. „Er ist jemand, der definitiv für den Mannschaftserfolg in der Rückrunde eine relevante Rolle spielt", sagte Kohfeldt nach dem Trainingslager auf Mallorca. Ein Satz, der beflügeln, bei länger ausbleibendem Erfolg aber auch die Beine schwer machen kann.

Fin Bartels

Frank Baumann hat ihn als „Bonusspieler" bezeichnet, was – öffentlich ausgesprochen – nicht nett, aber zutreffend ist. Bartels lässt sich nicht als vollwertiges Kadermitglied werten. Seit seinem Achillessehnenriss im Dezember 2017 haben ihn etliche Folgeverletzungen außer Gefecht gesetzt. Im Sommer läuft sein Vertrag aus. Auf vier Einsätze kommt er bisher, seine Spielzeit summiert sich dabei aber gerade mal auf 59 Minuten. Ein Tor oder eine Vorlage sind in der Zeit nicht entstanden. Bartels Vorteile sind, dass er an der Krise schuldlos ist und nur überraschen kann. Das könnte hilfreich sein.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+