Werder Bremen beim FC Augsburg Nur nicht die Kontrolle verlieren

Bremen. Immer wieder gerät Werder Bremen in dieser Saison früh in Rückstand. Das soll am Freitag beim FC Augsburg anders werden - zumindest nach Meinung von Werder-Boss Klaus Allofs: "Ich wünsche mir, dass wir von Anfang an die Kontrolle haben."
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Nur nicht die Kontrolle verlieren
Von Olaf Dorow

Bremen. Klaus Allofs hat sich etwas gewünscht. "Ich wünsche mir", sagte der Werder-Chef, "dass wir von Anfang an die Kontrolle haben." Das wäre doch mal was, denn bei allem Freundlichen und Lobenden, was man in der laufenden Saison über Werder Bremen sagen kann, muss man doch auf einen wenig ruhmvollen Aspekt hinweisen: Meistens ist Werder erst einmal in Rückstand geraten. Zuletzt dreimal in Folge.

Nur einmal gelang es dabei der Mannschaft, das Blatt noch zu wenden, sie schaffte es gegen neun Berliner Gegenspieler in der 93. Minute. Weder gegen Freiburg noch gegen Hoffenheim erwiesen sich die frühen Gegentore als zu vernachlässigende Schönheitsfehler eines souveränen Siegs. "Da muss man dann noch mehr Aufwand betreiben und noch mehr Risiko eingehen", sagt Allofs. Werder müsse wacher sein, wenn das Spiel beginnt.

Woher das kommt, dass Werder sich anfällig zeigt für unverhoffte Gegentore? Kann (oder mag) Allofs nicht sagen. Aus der Tradition kommt es, könnte man vermuten, weil Werder seit Langem eher eine 5:3-Mannschaft ist denn eine 1:0-Mannschaft. Weil ihr Trainer eine eindeutige Offensiv-Philosophie vorgibt und vorlebt, weil sie eben bisweilen zu offensiv denkt. Traditionellen Hurra-Stil spielt Werder aber eher selten in dieser Saison. Flüchtigkeitsfehler oder unerklärliche Aussetzer führten trotzdem dazu, dass zu viele Punkte verloren gingen. Es kamen Spiele heraus, die Werder verlor, ohne schlechter als der Gegner gewesen zu sein.

Clemens Fritz, Werders Kapitän, hat gestern erzählt, wie es ihm am Abend nach der jüngsten Niederlage gegen Borussia Dortmund gegangen sei. Es sei quasi eine Niederlage gewesen, mit der er unmöglich seinen Frieden schließen konnte. Zwei Unaufmerksamkeiten hatten gereicht, um dem Deutschen Meister drei Punkte zu überlassen. "Ich habe zu Hause gesessen und gedacht: 'Eigentlich wissen die Dortmunder doch auch nicht so genau, warum sie nach diesem Spiel mit drei Punkten heimgefahren sind.'" Werder hatte das Spiel gemacht, der BVB die Tore.

Der Kapitän hat gestern nun eine klare erste Bremer Bürgerpflicht formuliert für das morgige Auswärtsspiel beim Aufsteiger FC Augsburg. "Ich finde es extrem wichtig", sagte Fritz, "dass wir das hinten dicht halten und die Null steht." Naldo ergänzte kurz darauf: "Wir müssen versuchen, Pressing zu spielen und vorne ein Tor zu machen." Der Innenverteidiger, der nun endlich wieder als solcher zur Verfügung steht, vergaß auch den Hinweis nicht, dass "alle defensiv arbeiten müssen", nicht nur die Verteidiger.

Trainer Thomas Schaaf wird nicht müde, genau das zu predigen. Mit sichtbarem, aber längst noch nicht überwältigendem Erfolg. Im Spiel gegen Dortmund fiel eigentlich niemand dadurch auf, dass er nur herumstand und auf den Ball wartete. Man sah Offensiv-Spieler Aaron Hunt, wie er furchtlos in den Zweikampf ging, oder Markus Rosenberg, wie er zum eigenen Strafraum zurückeilte und aushalf. Die grobe Linie hatte gestimmt, was das Defensiv-Verhalten anbelangte.

Weil es trotzdem mit einer erneuten Niederlage endete, kommt nun dem Spiel in Augsburg eine noch etwas größere Bedeutung zu, als es sie ohne die jüngsten Werder-Misserfolge gehabt hätte. Auf einer Veranstaltung mit den Fans sagte Klaus Allofs am Montag: "Wir haben nach den zwei Niederlagen alle das Gefühl, dass wir jetzt an einem ganz wichtigen Punkt in dieser Saison angekommen sind mit den jetzt folgenden Auswärtsspielen in Augsburg und Mainz."

Zum einen liegt das am Tabellenbild. Im Moment kann eine einzige Niederlage ein Abrutschen um mehrere Plätze auslösen. Zum anderen könnte eine weitere Negativ-Erfahrung die Mannschaft in einen Negativ-Strudel treiben, aus dem sie trotz aller Kraftanstrengungen nicht mehr herausfindet. "Die Gefahr ist natürlich da", sagt Fritz dazu, "da brauchen wir uns nichts vorzumachen." Er erwartet, dass der Aufsteiger, der durch seinen jüngsten Sieg in Mainz großen Auftrieb erhalten haben sollte, morgen Abend sehr aggressiv zu Werke gehen wird. "Da fährst du nicht mal schnell hin und schlägst die im Vorbeigehen." Und es sei auch völlig egal, ob nun der erfahrene Simon Jentzsch oder das Greenhorn Mohamed Amsif in der Augsburger Kiste stehen wird (siehe "Werder aktuell"). Amsif hat noch nie Bundesliga gespielt.

Auch Klaus Allofs winkt ab. Er verweist auf das Leverkusen-Spiel im August. Damals stand nach großen Personalsorgen schließlich der völlig unerfahrene Bernd Leno im Tor des Gegners. Werder verlor 0:1.

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