Werder Bremen Obraniak als Soforthilfe

Bremen. Neuzugang Obraniak soll beim Patienten Werder Bremen eine Soforthilfe sein. In den ersten Trainingseinheiten fiel er positiv auf.
05.02.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Obraniak als Soforthilfe
Von Olaf Dorow

Es gibt bessere Zeiten, um in ein neues Land und in eine neue Mannschaft zu kommen. Ludovic Obraniak soll beim Patienten Werder Bremen eine Soforthilfe sein. Der 29-jährige Offensivspieler, der aus Bordeaux kam, sagt, er sei bereit. In den ersten Trainingseinheiten fiel er positiv auf.

Am Ende redeten und scherzten der Trainer und sein Neuzugang lange miteinander. Zuvor hatte Robin Dutt seine Spieler am Vor- wie am Nachmittag aufgeteilt. Es wurden vier gemischte Gruppen gebildet, á fünf Feldspieler: die grüne, die gelbe, die weiße und die orangene Gruppe. Ludovic Obraniak kam am Vormittag zu den Gelben. Man spielte ein kleines Turnier. Und wer gewann? Die Gelben. Und wer erzielte im letzten Spiel mit einem satten Schuss das letzte und entscheidende Tor zum 2:1 gegen die Weißen? Ja, es war Werders neuester Neuzugang, bei dem auf der Visitenkarte die polnische Nationalmannschaft, ein Meistertitel sowie zwei Pokalsiege mit Girondins Bordeaux stehen.

Dass jetzt alles gut wird, weil ja Ludovic Obraniak da ist, der auf dem Trainingsplatz von allen wie einst Ludovic Magnin „Ludo“ gerufen wird, das braucht man nicht gleich zu denken. Momentan weiß man leider nicht einmal, ob Cristiano Ronaldo diese Werder-Elf retten könnte. Allzuviel Fantasie ist jedoch auch nicht notwendig, um sich vorzustellen, dass Obraniak eine Verstärkung im Wortsinn sein wird. „Ich erhoffe mir viel von ihm“, sagt Sebastian Prödl, um sich im nächsten Satz noch einmal kräftig zu steigern. „Er ist keiner, wo man hoffen sollte, sondern glauben kann“, formulierte Prödl.

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Der Rucksack könnte leichter sein, den man dem kleinen, aber drahtig und robust wirkenden Offensivspieler symbolisch auf den Rücken band, als er am Freitag letzter Woche einen Vertrag bis 2016 plus Option bei seiner ersten Auslandsstation unterschreiben durfte. Bislang hatte der 29-jährige Franzose mit polnischen Wurzeln stets in der Ligue 1 gekickt. Laut „L’equipe“, hätte er mithilfe einer Ausstiegsklausel auch zum OSC Lille wechseln können, Werder habe sich aber am meisten von allen um ihn bemüht. Er dankte es in den Interviews mit Komplimenten für seinen neuen Arbeitgeber, bei dem ihm die Infrastruktur sehr imponiere und die „überraschend junge Mannschaft“ eine mit „sehr viel Potenzial“ sei.

Bevor die Interviews zu sehr zur netten Story wurden, in der er jetzt schnell eine Schule für seine beiden Kinder und ein Haus für seine Familie finden will, die ihm heilig sei, kamen die grün-weißen Probleme zur Sprache. Mit zu erwartenden Antworten. Druck? Weil zu viel von ihm erwartet wird? Non, non, pas du tout, sagte er (überhaupt nicht). Bereue er die Entscheidung für Bremen gar? Weil Bremen doch so miserabel spielt derzeit? Pas du tout.

„Der kann schon kicken“

Er gibt sich nach zwei Trainingstagen als ein Mann, der weiß, was von ihm verlangt wird. Robin Dutt wehrt sich nicht gegen den Begriff „Soforthilfe“, der seinem neuen Mann umgehend verpasst worden ist. „Er ist 29“, antwortet Dutt auf die Frage, ob der prall mit Erwartungen gefüllte Rucksack vielleicht ein wenig zu schwer sein könnte. „Der kann schon kicken“, sagte Manager Thomas Eichin nach einer Trainingsbeobachtung am Montag. Prödl lobte nach der Einheit am Dienstag: „Er ist sehr ruhig am Ball, er hat übersichtliche Pässe geschlagen.“ In dem kleinen Übungsturnier sah man Obraniak gestern sowohl als Torschützen als auch als Vorbereiter. „Ich bin sehr vielseitig“, beschrieb er sich.

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Was vielleicht auch ein bisschen damit zusammenhängt, dass er als Profi mit „feinem linken Fuß“ (Prödl) zuletzt vorwiegend auf der rechten Seite spielte. In Bordeaux war das so, zuvor in Lille ebenfalls. Auch Dutt stellte ihn im Training erstmal rechts auf. Rechts spielen, links schießen, das ist bisweilen keine schlechte Sache, wenn man mal die Gefährlichkeit von Bayern-Star Arjen Robben bedenkt. Der startet meistens rechts, zieht dann nach innen und schließt mit links ab. „Ich kann auch in der Mitte als Spielmacher spielen. Oder defensiver“, sagt Obraniak. Pas de problème.

Ein Problem könnte die Sache mit dem Rucksack aber doch sein. Dass ein Spieler letztlich nur funktioniert, wenn es auch in der Mannschaft funktioniert, gilt als allgemein anerkannte Lehrformel. Bei Werder funktionierte zuletzt gar nichts, noch nicht mal die Einstellung. Obraniak sagte gestern, dass er das Spiel in Augsburg nicht gesehen habe. Er hatte in Bordeaux noch Formalitäten zu erledigen.Vielleicht war das ganz gut so, dass er vom 1:3 in Augsburg nur die Eckdaten mitbekommen hatte. Auf diese tröstliche wie verniedlichende Antwort wäre er sonst eventuell nicht gekommen. „Das sind Dinge die einfach passieren im Fußball“, sagte er. Man müsse das ganz schnell vergessen.

Eine letzte Rucksack-Frage wurde ihm aber noch schnell gestellt gestern in der Medienrunde. Ob die Fußstapfen von Johan Micoud, jenes großen Franzosen, der Werder vor einem Jahrzehnt prägte, nicht etwas sehr groß seien? Non, pas du tout. „Johan Micoud ist Johan Micoud“, sagte Obraniak. Ein Teil von jener Reputation, die sein Landsmann einst einheimste, würde ihm vorerst auch reichen.

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