Werder Bremen Offene Fragen nach Mertesacker-Wechsel

Bremen. Der Wechsel von Per Mertesacker zu Arsenal in die englische Premier-League ist Realität geworden. Jetzt steht Werder vor einigen offenen Fragen und muss die Lücke schließen, die der Nationalspieler hinterlassen hat.
01.09.2011, 09:19
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Offene Fragen nach Mertesacker-Wechsel
Von Marc Hagedorn

Bremen. Mehrfach musste die angekündigte Pressekonferenz verschoben werden; vom ursprünglich angedachten Termin gegen Mittag auf den frühen Nachmittag, schließlich auf den späten Nachmittag. Werders Macher hielten sich den ganzen Tag über bereit, um abschließend Auskunft über den Transfer von Per Mertesacker zum FC Arsenal zu geben. Allein: Der FC Arsenal mochte bis zum frühen Abend keinen Vollzug vermelden. Letzte Formalitäten beim Verband, der FA, der Football Association, zogen den Deal in die Länge, ehe gegen 18 Uhr endlich offiziell war, was längst alle wussten: Per Mertesacker wechselt für vier Jahre zum FC Arsenal in die Premier League.

In Bremen hinterlässt der Mertesacker-Wechsel Fragen. Wie war das Geschäft denn nun abgelaufen? War dieser Transfer tatsächlich nötig? Wie sehr schwächt der Abgang des Kapitäns und 75-fachen Nationalspielers die Abwehr? Und wie will Werderdie Lücke schließen, die Per Mertesacker hinterlässt? Schließlich: Muss das Saisonziel neu definiert werden?

So lief der Wechsel:Am Freitag, also einen Tag vor WerdersGastspiel in Hoffenheim, hatte der FC Arsenal nach den Schilderungen von Werder-Boss Klaus Allofs Kontakt zu Mertesacker-Berater Roman Pletz aufgenommen. Allofs selbst führte erst drei Tage danach, am späten Montagabend, das erste ernsthafte Gespräch mit Arsenals Verantwortlichen. Noch am selben Abend kontaktierte Allofs Per Mertesacker, der zu dieser Zeit längst bei der Nationalmannschaft weilte. In diesem Telefonat betonte Mertesacker noch einmal, gern wechseln zu wollen, auch wenn er dies dermaßen kurzfristig eigentlich gar nicht mehr erwartet hatte. „Das kaufe ich Per auch ab“, sagte Allofs, „er war immer mit ganzem Herzen dabei.“

In Mertesackers Worten klang das gestern so: „Mit dem Wechsel geht für mich der Wunsch in Erfüllung, einen weiteren Schritt in meiner Karriere zu machen.“ Der Rest war nur noch Formsache, bereits am Dienstagabend waren sich alle Beteiligten in den wichtigsten Punkten einig (wir berichteten). Dass Arsenals 2:8-Blamage gegen Manchester United die Dringlichkeit des Transfers beschleunigt hatte, wollte Allofs nicht ausschließen. „Ja, das hat vielleicht eine Rolle gespielt.“

War der Verkauf tatsächlich nötig?Allofs sprach davon, „keine andere Entscheidungsmöglichkeit“ gehabt zu haben. Es war eine doppeldeutige Aussage. Einerseits sah sich der Werder-Boss gegenüber dem Spieler in der Pflicht, diesen Transfer abzusegnen. Denn schon vor einem Jahr hatte der FC Arsenal bei Werderangefragt und sich eine Absage eingehandelt. Da Werdersich laut Allofs verdienten Spielern aber verpflichtet fühlt, war für die Bremer frühzeitig klar, Mertesacker diesmal keine Steine in den Weg zu legen. Andererseits: Dass Werderdas Geld, die Rede ist von rund zehn Millionen Euro Ablöse, gut gebrauchen kann, gab Allofs auch zu. „Wir haben in diesem Jahr keine Einnahmen aus dem internationalen Geschäft und bisher auch noch keinen Transferüberschuss erzielt“, sagte Allofs, daher sei es gut, „dass wir die Einnahme erzielt haben“. Zwar wäre es auch ohne die Mertesacker-Millionen „bei Werderweitergegangen“. Dies allerdings, je nach Saisonverlauf, mit möglicherweise äußerst tiefgreifenden Einschnitten in den kommenden Spielzeiten.

Wie sehr schwächt Werderder Abgang?Klaus Allofs redete nicht lange drumherum: „Wenn man seinen Kapitän verliert, einen Stammspieler der Nationalmannschaft, der beständig auf hohem Niveau spielt und ein hohes Standing besitzt, dann ist das ein Riesenverlust.“ Cheftrainer Thomas Schaaf ließ sich gestern mit dem Satz zitieren: „Wir sind auch traurig, weil wir mit Per noch viel erreichen wollten.“

Wie will Werderdie Lücke schließen?Auf jeden Fall nicht, indem man neue Spieler holt. Allofs sieht die Innenverteidigung mit den vier erfahrenen Profis Sokratis Papastathopoulos, Andreas Wolf, Naldo und Sebastian Prödl gut aufgestellt. „Wir haben da einige Möglichkeiten“, sagte Allofs. Ob die Innenverteidigung nun zunächst Wolf und Prödl bilden, oder ob Sokratis einrückt und Aleksandar Ignjovski hinten rechts in der Viererkette spielt, hängt ganz entscheidend davon ab, wie schnell Naldo wieder auf Wettkampftemperatur ist.

Muss Werderdas Saisonziel korrigieren?Streng genommen hat der Klub noch gar keines formuliert. Allofs hatte stets davon geredet, erst nach Ende der Transferperiode eine Prognose abgeben zu können. Die Wechselfrist ist nun vorbei – und Allofs immer noch nicht schlauer. Er war auch da ganz ehrlich: „Wir wissen nicht, wie es ohne Per geht. Wir müssen sehen, wie wir das auffangen. Ob das funktioniert, können wir jetzt noch nicht sagen. Aber wer die bisherigen Spiele gesehen hat, der kann sich Hoffnung machen. Das Ziel oberes Drittel ist nicht aus der Luft gegriffen.“ Auch jetzt nicht, da Mertesacker weg ist.

Schon beim Özil-Transfer im Sommer 2010 war ein Ablösespiel gegen Real Madrid vereinbart worden. Bis heute fand dieses Spiel gegen den spanischen Rekordmeister noch nicht statt. Genauso hat es auch mit Arsenal London eine Vereinbarung für ein Ablösespiel gegeben. Ob die Spiele jedoch wirklich ausgetragen werden, ist fraglich. Klaus Allofs meinte dazu: "Es gibt bei solchen Absprachen immer die Möglichkeit, dass es nicht stattfindet."

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