Offensive bei Werder

Nur ein neuer Stürmer wäre Anfang nicht genug

Einige Spieler sind verkauft, Werder muss jetzt nachlegen und neue Spieler besorgen. Wenn es nach Trainer Anfang geht, soll es mehr als nur ein Stürmer sein.
10.08.2021, 20:23
Lesedauer: 3 Min
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Von Carsten Sander

Eines gleich vorweg: Das Thema Josh Sargent und dessen Arbeitsverweigerung ist für Markus Anfang kein zu diskutierendes Thema mehr. „Ich fände es nicht in Ordnung, ihm noch Dreck hinterherzuwerfen. Das macht man nicht“, sagt der Trainer des SV Werder und schließt seinen Frieden mit dem Stürmer, der im DFB-Pokalspiel beim VfL Osnabrück am vergangenen Samstag kein letztes Mal mehr für die Bremer auflaufen wollte, ehe er zu Norwich City in die englische Premier League wechselte.

Ein anderes Thema wird Anfang dagegen zwangsläufig weiter beschäftigen: Obwohl Sargents Verkauf lange geplant war und letztlich mit elf Millionen Euro Ablöse auch die gewünschte finanzielle Handlungsfähigkeit herstellte, liefert das Bremer Management nicht umgehend den erforderlichen Ersatz für den Sturm. Der Coach muss allem Anschein nach auch im Heimspiel gegen den SC Paderborn mit einem sehr reduzierten Angebot an Offensivspielern auskommen. Aber auch das regt in ihm nicht den Reiz, irgendetwas auf irgendjemanden zu werfen.

Nach dem 0:2-Pokal-Aus in Osnabrück hatte sich Anfang einen Hinweis freilich nicht verkneifen können. Zum glücklosen Niclas Füllkrug habe er keine Alternative mehr auf der Bank gehabt, sagte er. Denn neben Sargent waren auch Yuya Osako und Johannes Eggestein unmittelbar zuvor verkauft worden. Die Stürmernot sei „ein Fakt“, seine Aussage aber „kein Beklagen“, meint der 47-Jährige nun. Man kann aber sicherlich sagen, dass er deutlich den Finger in die Wunde gelegt hat. Eine Wunde, die verarztet wird. Oder genauer: verarztet werden soll.

Für die laufende Woche hat Geschäftsführer Frank Baumann einen Neuzugang für die Offensive angekündigt. Am Dienstag war dieser Neuzugang jedoch noch nicht da, dabei drängt bis Sonntag die Zeit, um eine Verstärkung noch sinnvoll durch gemeinsames Training zu integrieren. Anfang: „Wir alle hoffen, dass wir möglichst schnell eine Super-Lösung finden und eine Alternative im vorderen Bereich haben. Wir arbeiten auf Hochtouren. Ich habe deshalb am freien Montag fünfmal mit Frank Baumann und zweimal mit Clemens Fritz telefoniert.“

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Ein Ergebnis haben ihm der Sportchef und der Leiter Profi-Fußball jedoch auch zum Auftakt der Trainingswoche nicht präsentiert. Seit sechs Wochen hat sich in Sachen Neuzugänge überhaupt nichts getan bei Werder. Leihspieler Lars Lukas Mai ist bis dato die letzte von nur drei externen frischen Kräften. Anfang bleibt nichts anderes übrig, als zu warten und die zähe Kaderzusammenstellung mit Geduld zu ertragen. „Ich habe es mir – wie alle anderen auch – anders gewünscht. Es gibt Spieler, die du haben willst, die aber teuer sind. Wir können nicht so handeln wie wir handeln wollen“, sagt er und macht das, was er seit Amtsantritt macht: „Ich konzentriere mich auf die Spieler, die ich habe.“

In der Offensive sind das die unerfahrenen Eren Dinkci, Nick Woltemade, Abdenego Nankishi (alle 19 Jahre alt) sowie Oscar Schönfelder (20) und der routinierte, aber formschwache Füllkrug (28). Diese Besetzung hat nicht gereicht, um gegen Drittligist VfL Osnabrück eine Runde weiterzukommen. Wird sie reichen, um gegen den SC Paderborn den ersehnten Heimsieg einzufahren? Anfang glaubt vor allem an Füllkrug, obwohl der gegen Osnabrück die Chancen reihenweise ausgelassen hatte. „Seine Selbstkritik (Füllkrug hatte das Pokal-Aus auf seine Kappe genommen, d. Red.) ehrt ihn. Er jammert nicht, sucht die Schuld nicht bei anderen, sondern nimmt sich selbst in die Pflicht. Das ist eine positive Eigenschaft“, meint der Coach. Gleichwohl würde er Füllkrug aktuell offenbar gerne als Joker bringen, „wenn der Gegner müde ist und er dann trifft. Vielleicht ist das mal ganz gut.“

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Ja, vielleicht. Es geht aber nicht, weil ohne die verkauften Sargent, Osako und „Jojo“ Eggestein die personelle Alternative fehlt. Dinkci in die Mitte zu ziehen, wäre zwar eine Möglichkeit, doch dann bliebe der rechte Flügel unbesetzt. Für Anfang ist deshalb klar: Mit nur einem neuen Stürmer ist es nicht getan. „Wenn die Möglichkeit besteht, würden wir gerne zwei Spieler holen. Einen für den Flügel und einen Mittelstürmer. Das ist schon wichtig. Wenn wir einen bekommen, der beides spielen kann, wäre das ein Mehrwert. Es würde aber nicht bedeuten, dass wir nicht noch einen dazu holen wollen.“
 

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