Zurückgeblättert: 25. Januar 2014

„Ohne Moos nix los“

Seit 1963 spielt Werder in der Bundesliga, mehr als fünf Jahrzehnte, in denen sich im Fußball, bei Werder und in der Berichterstattung viel verändert hat. Mein Werder zeigt die Originaltexte und Zeitungsseiten.
25.01.2019, 08:39
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Von mw
„Ohne Moos nix los“
Archiv Weser-Kurier

Der WESER-KURIER schrieb am 25. Januar 2014:

Auf dem Transfermarkt werden nach wie vor viele Profis als potenzielle Neuzugänge für Werder gehandelt. Über den Status des Gerüchts hinaus geht es nur bei wenigen, in der Realität tut sich nichts. Denn Werder fehlt das Geld: Ohne Abgänge keine Zugänge, lautet das Bremer Dilemma.

Vieles klingt schön, manches davon zu schön, um wahr zu sein. Zum Beispiel das Gerücht um den jungen Mann mit dem klangvollen Namen Domenico Berardi. Vier Tore hat der 19-Jährige letztens geschossen, als er praktisch im Alleingang mit seinem Klub US Sassuolo den großen AC Mailand mit 4:3 abgewatscht hat. Der Junge, dessen Transferrechte zum Teil bei Sassuolo und zum anderen Teil bei Juventus Turin liegen, gilt als großes italienisches Sturmtalent. Und das ist das Problem.

Thomas Eichin hat sich angewöhnt, bei Nachfragen als erstes festzustellen: „Namen kommentiere ich nicht.“ Beim Berardi-Gerücht (das eigentlich ein Doppel-Gerücht ist, weil auch noch Berardis Teamkollege Luca Marrone eingewebt ist) war das so. Und wenn man sich anschaut, wie hoch der Marktwert der beiden Herren aus Norditalien mittlerweile gewettet wird, ist angesichts der in Addition 17 Millionen Euro schnell klar: Werder und die beiden Italiener, das passt nicht.

Doch selbst in günstigeren Kategorien des Fußballerhandels muss sich Eichin zurückhalten. Kürzlich beispielsweise wurde der Koreaner Ja-Cheol Koo für knapp fünf Millionen Euro vom VfL Wolfsburg zum FSV Mainz transferiert. Werder war durchaus auch interessiert an dem offensiven Mittelfeldspieler, aber ob der aufgerufenen Summen ausgestiegen. Zu teuer.

Ohne Moos nix los – Werders Budget ist für diese Saison ausgereizt. Das Geld, das zur Verfügung stand, haben die Bremer im Sommer ausgegeben. Für Nils Petersen und Cedrick Makiadi wurden je drei Millionen Euro fällig, für Luca Caldirola gingen etwa 2,3 Millionen Euro auf das Konto von Inter Mailand. Das Budget, das dem Bremer Sportchef für diese Saison noch zur Verfügung steht, gibt einfach nicht mehr her. Wenn Eichin jetzt etwas machen will, braucht er Einnahmen. „Ich müsste erst einen Spieler verkaufen“, sagt er.

Das allerdings ist nicht so einfach, denn umfangreiche Erlöse versprechen die wenigsten Kandidaten, die auf der Liste potenzieller Abgänge stehen. Tom Trybull ist bereits weg, vom FC St. Pauli gab’s für den 20-Jährigen 100 000 Euro. Händeringend gesucht wird ein Abnehmer für Mateo Pavlovic – doch mehr als ein paar Euro auf den heißen Stein wird es auch für den Kroaten kaum geben. Joseph Akpala? Aus der Ausleihe zum türkischen Klub Kardemir Karabükspor schwer verletzt zurück und damit unverkäuflich.

Griff zum Geld der Zukunft?

Darüber hinaus sind im Winter überhaupt nur noch zwei Werderaner als Abgänge gehandelt worden. Aaron Hunt ist der eine, aber dessen vorzeitigen Abgang hat Eichin jüngst in Jerez ausgeschlossen. Mehmet Ekici ist der zweite. Der 23-Jährige kommt kaum über die Rolle als Ergänzungsspieler hinaus. Schon im November sagte sein Berater Roland Jeromin deshalb, es mache „sicherlich Sinn, sich mit einem Wechsel zu beschäftigen“. Ein Verkauf des Mittelfeldspielers würde Eichin finanziell deutlich handlungsfähiger machen.

Eine weitere, letzte Option wäre der Zugriff auf das Budget der nächsten Saison – für eine „Investition in die Zukunft“, wie es dann heißen würde. Allerdings wäre dieses Geld dann weg, Eichins Budget würde im Sommer keineswegs aufgestockt. Der 47-Jährige indes spricht immer wieder davon, dass er bereits heute viele mögliche Kandidaten mit Blick auf den kommenden Sommer sichtet. Wenn dann beispielsweise eine Winterausleihe mit Kaufoption für den Sommer dabei herausspränge, wäre Eichin schon mal einen Schritt weiter.

Marco Motta, die diesjährige Mutter aller Bremer Transfergerüchte, war so ein Fall. Doch der Handel scheiterte, gestern wurde bekannt, dass Motta nun von Juventus Turin zum FC Genua wechselt – mit eben jener Vertragskonstruktion von sofortiger Ausleihe und späterer Kaufmöglichkeit.

Diese Variante hält auch das jüngste Gerücht vor, das allen finanziellen Engpässen bei Werder zum Trotz gespielt wird. Für Diego Perotti und den FC Sevilla kämen gleichermaßen Ausleihe und späterer Verkauf in Betracht. Perotti ist einer der Namen, die Eichin auch kommentierte: Ja, Kontakte gebe es, sagte der Sportchef – aber mit anderen Spielern sei man schon weiter als mit dem Argentinier. Allein, es fehlten die finanziellen Möglichkeiten: „Wahrscheinlich wird in dieser Winterpause nichts mehr passieren.“

Das hochauflösende PDF der Original-Zeitungsseite gibt es hier (bei iOS den Link länger gedrückt halten).

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