Zurückgeblättert: 13. November 1988

„Ordenewitz der Mann des Tages“

Seit 1963 spielt Werder in der Bundesliga, mehr als fünf Jahrzehnte, in denen sich im Fußball, bei Werder und in der Berichterstattung viel verändert hat. Mein Werder zeigt die Originaltexte und Zeitungsseiten.
13.11.2018, 09:08
Lesedauer: 3 Min
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Von mw

Der WESER-KURIER schrieb am 13.11 1988:

Bremen. Die Anzeigetafel im Weserstadion, über eine Stunde lang defekt, nahm ihren Dienst gerade wieder rechtzeitig auf. Denn nur knapp zwei Minuten, nachdem sie ihre Funktionsfähigkeit unter dem Beifall der 14.000 Zuschauer nachgewiesen hatte, konnte sie die Entscheidung des Spiels: Ordenewitz schoß in der 68. Minute das 1:0 für Werder. Damit war der Widerstand des VfL Bochum gebrochen, der erstmals nach vier Unentschieden im Weserstadion wieder als Verlierer auf die Heimreise mußte. Das 2:0 wiederum durch Ordenewitz (76.) unterstrich nur noch einen verdienten Bremer, den sich der Meister vor allem durch eine beträchtliche Leistungssteigerung nach der Pause sicherte.

Ein Tor wollte in der ersten Halbzeit einfach nicht fallen. Auch wenn die Zuschauer das 0:0 zur Pause nach drei ganz turbulenten Minuten nicht begreifen konnten. Denn zwischen der 31. und 33. Minute häuften sich die Chancen für Werder vor dem Bochumer Tor auf eine Weise, wie man es in dieser Fülle und Deutlichkeit lange im Weser-Stadion nicht mehr erlebt hat.

Bratseth (30.), Neubarth und zweimal Riedle standen jeweils frei vor dem Bochumer Torwart Ralf Zumdick, mustergültig eingesetzt von Hermann und Meier. Nur einmal mußte der Bochumer Schlußmann mit einer großen Parade retten, ansonsten jedoch verfehlten die Bremer jeweils überhastet das Tor. Es war eine Ansammlung von Chancen, wie man sie beispielsweise in den beiden Europacupspielen gegen Glasgow in 180 Minuten nicht sah.

Ansonsten boten die ersten 45 Minuten das erwartete Bild. Die Gäste taten alles, um Werder den Weg zum eigenen Tor zu verbauen, schreckten auch vor Serien von Rückpässen nicht zurück. So gab es schon nach 25 Minuten höhnischen Beifall von der Tribüne – für den mindestens 10. Rückpaß zum eigenen Torwart.

Werder tat sich lange Zeit schwer, diesen Riegel zu knacken. Und mit etwas Glück hätten die Bochumer zur Pause sogar in Führung gehen können, denn bei einigen Kontern kamen Leifeld und später Epp ebenfalls nur rund zehn Meter vor Reck an den Ball. Doch beide standen bei weitem nicht so unbedrängt – wie zuvor auf der anderen Seite die Bremer – vor dem Tor des SV Werder.

Wie im Weserstadion bei derlei Spielstunden üblich, setzte Otto Rehhagel nach torloser erster Halbzeit ganz auf Offensive. Otten blieb in der Kabine, dafür kam mit Burgsmüller ein weiterer Stürmer, und Wolter kümmerte sich mehr als zuvor um die Defensive.

Diese Änderung zeigte Wirkung. Die Bochumer wurden wesentlich mehr als zu Beginn der ersten Halbzeit in die Defensive gedrängt, und schon nach zehn Minuten hätte es eigentlich 1:0 heißen müssen. Riedle wurde nach einem Hermann-Querpaß im Strafraum umgestoßen, doch Schiedsrichter Neuner entschied in dieser Situation ebensowenig auf Elfmeter wie schon vor der Pause, als Hermann im VfL-Strafraum gelegt worden war.

Und der Druck wurde immer größer. Die Bochumer kamen bei ihrer Abwehrschlacht kaum einmal mehr aus der eigenen Hälfte heraus, zweimal rettete Zumdick noch großartig, einmal mußte Kree den Ball von der Torlinie schlagen.

Nach gut einer Stunde schied Neubarth verletzt aus, für ihn kam Ordenewitz. Das brachte, wie sich zeigte, vorwiegend Vorteile, denn Ordenewitz schloß sofort die Lücke auf der linken Bremer Angriffsseite. Zwei Soli, die zu Freistößen führten, dann war es soweit.

20 Meter vor dem Tor erhielt Ordenewitz den Ball, drehte sich kurz und schoß fast aus dem Stand unhaltbar in den oberen Winkel. Zweifellos ein glückliches Tor, doch hochverdient angesichts der Vielzahl Bremer Torchancen.

Die endgültige Entscheidung fiel dann in der 76. Minute: Meier spielte sich geschickt durch, „tunnelte“ Jackisch. Der Bochumer konnte sich nur mit einem Foul zur Wehr setzen. Probleme gab es danach nur noch um den Schützen des Strafstoßes, denn offensichtlich wollten Riedle und Ordenewitz schießen. Ordenewitz erwies sich als der Stärkere, jagte den Ball fulminant in Richtung VfL-Tor, und Zumdick flog in die falsche Ecke.

Es war ein verdienter Erfolg der Bremer, die enorm viel taten. Werder agierte nach der Pause auch taktisch wesentlich klüger, als Riedle vorwiegend auf dem rechten Flügel und Ordenewitz später auf dem linken Flügel für Druck sorgten.

VfL Bochum: Zumdick - Kempe - Jackisch, Kree - Reekers, Benatelli (74. Dressel), Heinemann, Rehaczek, Westerbeek - Leifeld, Epp.

Das hochauflösende PDF der Original-Zeitungsseite gibt es hier (bei iOS den Link länger gedrückt halten).

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