1:4-Niederlage gegen Leipzig

Werder geht beim Kohfeldt-Experiment unter

Es war zu erwarten: Werder Bremen hat am Samstag gegen RB Leipzig 1:4 (0:3) verloren. Der Tabellenzweite schaffte klare Verhältnisse.
10.04.2021, 17:35
Lesedauer: 4 Min
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Von Björn Knips
Werder geht beim Kohfeldt-Experiment unter

Milot Rashica hat beim Elfmeter zum 1:3 gegen Leipzig getroffen - es war das einzige Tor der Bremer in dieser Partie.

nordphoto / Kokenge

Florian Kohfeldt hatte schon mal nachgerechnet: Egal, was am Sonntag noch in der Bundesliga passiert, der SV Werder Bremen wird nach dem 28. Spieltag mindestens noch vier Punkte Vorsprung auf die Abstiegszone haben. „Die Situation ist im Vergleich zu letzten Saison immer noch gut“, betonte der Coach nach der 1:4-Heimniederlage gegen den Tabellenzweiten aus Leipzig, forderte aber sogleich: „Wir brauchen noch Punkte, da dürfen wir nicht warten. Wir müssen versuchen, sie am nächsten Sonntag in Dortmund zu holen oder spätestens dann am Mittwoch gegen Mainz.“ Die vierte Bundesliga-Niederlage in Folge machte in der Art und Weise allerdings wenig Mut, außerdem droht der Ausfall von Ömer Toprak.

Immerhin durfte Milot Rashica sein erstes Saisontor bejubeln (61./Handelfmeter), was angesichts der Leipziger Treffer von Dani Olmo (24.), Alexander Sörloth (32. und 38.) und Marcel Sabitzer (63.) aber nur Ergebniskosmetik bedeutete.
„Es war ein verdienter Sieg für Leipzig. Gerade das Verteidigen in der eigenen Box war nicht gut, die Gegentore fallen viel zu einfach“, monierte Kohfeldt. Sein Leipziger Kollege Julian Nagelsmann lobte derweil die gute Mentalität seiner Jungs, die nach der Niederlage im Spitzenspiel gegen den FC Bayern nicht nachgelassen hätten. Bei fünf Punkten Rückstand auf den Rekordmeister wollte Nagelsmann aber nicht wirklich über Titelchancen reden: „Wir versuchen, alle Spiele zu gewinnen. Am Ende haben wir es nicht in der eigenen Hand.“

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Ein ganz besonderes Händchen hatte Kohfeldt bei der Aufstellung gewählt und damit für große Verwunderung gesorgt. Denn er nahm nicht nur gleich fünf Veränderungen im Vergleich zum Pokalspiel am Mittwoch in Regensburg vor, sondern stellte dabei auch den 19-jährigen Eren Dinkci zum ersten Mal in die Startelf. Davie Selke hat da wesentlich mehr Erfahrung, sein Einsatz von Beginn an war nach den schwachen Auftritten in den vergangenen Wochen aber fast genauso überraschend. Dafür saßen Milot Rashica und Pokal-Matchwinner Yuya Osako nur auf der Bank.

Genauso wie Kevin Möhwald, der im Mittelfeld eigentlich als gesetzt gilt – vor allem, wenn Maximilian Eggestein wie gegen Leipzig wegen einer Gelbsperre fehlt. Doch Kohfeldt vertraute im Mittelfeld Christian Groß und Manuel Mbom, der fünf Bundesligaspiele am Stück nicht zum Einsatz gekommen war. Insgesamt ein durchaus gewagtes Experiment. „Ich will nach der englischen Woche heute Spieler auf dem Feld haben, die über 90 Minuten Tempo und Intensität auf den Platz bringen“, erklärte Kohfeldt vor der Partie.

Werder begann durchaus mutig, attackierte die Leipziger auch mal in der gegnerischen Hälfte. Die Gäste bestimmten dennoch deutlich das Spielgeschehen, ohne dabei gefährlich vor das Tor zu kommen. Werder ließ nur einen Schuss von Justin Kluivert ans Außennetz zu (13.). Auf der anderen Seite probierte es Dinkci mit einem frechen Schlenzer, der über das Tor ging (21.).

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Noch viel frecher waren dann aber die Gäste. Sie spielten Werder mit One-Touch-Football quasi schwindelig – und Dani Olmo vollstreckte cool zum 1:0 (24.). „Das erste Tor war Weltklasse“, lobte Kohfeldt. Wenngleich seine Bremer auch nicht handlungsschnell genug agiert hatten.

Es folgte die Was-wäre-wenn-Szene des Spiels. Denn Selke hatte nach einer Friedl-Ecke das 1:1 auf dem Kopf, platzierte den zuvor leicht abgefälschten Ball jedoch neben das Tor (24.). Was für eine Chance!
Die Leipziger ließen sich solche Gelegenheiten nicht entgehen. Alexander Sörloth köpfte die Kugel nach Nkunku-Flanke gekonnt zum 2:0 ins Netz (32.). Allerdings hatte ihn auch Gegenspieler Theodor Gebre Selassie einfach gewähren lassen. Werders Tscheche war aber nicht der Alleinschuldige, wie schon beim 0:1 hatte es eine ganze Fehlerkette gegeben.

Genauso beim 0:3 (38.), das erneut auf Sörloths Konto ging, der eine Orban-Hereingabe verwertete. Zuvor hatten erst Jiri Pavlenka, dann Marco Friedl den Gästen den Ball quasi geschenkt und danach ihre Kollegen wieder einmal zu langsam verteidigt.

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Als kurz vor der Pause auch noch Toprak mit einer Wadenverletzung vorzeitig in die Kabine humpelte, war Werders Halbzeit-Fiasko endgültig perfekt. Jetzt konnte es nur noch darum gehen, ein Debakel zu verhindern und die Tordifferenz im Abnstiegskampf nicht noch weiter zu verschlechtern. Kohfeldt reagierte, der schwache Mbom musste runter, genauso wie Dinkci, der allerdings nicht ganz so negativ aufgefallen war. Es kamen Möhwald und Rashica sowie Veljkovic für den verletzten Toprak. Hinten wurde von Dreier- auf Viererkette umgestellt.

Siehe da: Werder konnte den Spielfluss der Gäste, die vor der Pause 74 Prozent Ballbesitz hatten, etwas stoppen. Rashica gab mit einem guten Freistoß sogar ein erstes Lebenszeichen ab (51.). Und es kam noch besser für den Kosovaren, der in dieser Saison noch nicht getroffen hatte. Nach einem Handspiel von Kevin Kampl zeigte Schiedsrichter Florian Badstübner auf den Punkt, den fälligen Strafstoß verwandelte Rashica zum 1:3 (61.).

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Sollte da etwa doch noch etwas für Werder gehen? Nein! Nur zwei Minuten später stellte Marcel Sabitzer nach einer Heinrichs-Hereingabe den alten Abstand wieder her, weil vor allem Friedl und Agu einmal mehr nicht konsequent genug verteidigt hatten. Das ging viel zu einfach.

Ein Trauerspiel! Da es Leipzig aber nun etwas ruhiger angehen ließ, passierte nicht mehr viel. In drei Wochen sehen sich beide Clubs wieder – und in dieser Verfassung wird Werder dann auch im DFB-Pokal-Halbfinale keine Chance haben. Kohfeldt war das egal: „Wir schauen jetzt nur auf die Bundesliga, da stehen wichtige Spiele an.“ Denn die Luft wird langsam dünner für Werder.

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